Aufstehen oder Liegenbleiben?

Die folgenden Überlegungen und Gedanken erheben nicht den Anspruch der Weisheit letzter Schluss zu sein. Sie sind vielmehr eine Aneinanderreihung von Gedanken in James Joyce Stil und sicherlich keine abschließende Analyse.

AUFSTEHEN! Zuerst denkt man sich och nö, liegen bleiben. Montag früh , zur Arbeit. Irgendwie unangenehm. Ja Aufstehen kann zur Anstrengung werden. Das wird es auch in diesem Fall. Polarisiert die Sammelbewegung schon im Vorfeld auch schon innerhalb der Linken. Da wird verbal schon scharf geschossen.  Eine Bewegung, die jetzt schon so stark polarisiert läuft Gefahr nicht zu vereinen, sondern weiter zu spalten. Das können wir uns aber bei der derzeitigen politischen Lage definitiv nicht leisten. Es sieht so aus als würde sich die Linke selbst zerlegen. Ich  habe mich angemeldet und werde das ganze mal verfolgen. Der Personenkult um Sarah und Oscar ist mir schon etwas suspekt und ob das der richtige Weg ist? Wer aber soll es denn sonst machen? Woher sollen neue Impulse kommen und wer soll neue Wege in der Politik gehen und wer kann unser Probleme lösen.

Die Idee, die Straße und den Protest nicht Pegida und AFD zu überlassen ist zumindest richtig. Da dürfen wir uns auch nicht schämen wenn sich Forderungen und Aussagen mit Aussagen von denen ähneln, die wir bekämpfen wollen. Fakt ist das ein Richtungswechsel in der Politik notwendig ist und auch das Personal dringend ausgetauscht werden muss. Merkel muss weg! Ja, es ist richtig Deutschland geht es gut, ist international angesehen und scheint wirtschaftlich auch für die Zukunft gut gerüstet. Leider überstrahlt dieser Eindruck viele kleine Probleme, die nicht jedem sofort auffallen. Es sei denn man ist betroffen. Außerdem scheinen die Menschen irgendwie abgelenkt zu sein. Die Probleme für die es dringend Lösungen geben muss und die wir nun massiv einfordern müssen sind unter anderem: Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, unterschiedliche Löhne und Renten in Ost und West, zu hohe Mieten für sozial schwache, die medizinische und pflegerische Versorgung im ländlichen Raum, das marode Bildungssystem usw. Es muss mehr Gerechtigkeit her und auf die politischen Entscheider muss Druck ausgeübt werden endlich zu handeln, damit die Leute spüren das sich was zu Ihren Gunsten was ändert, bzw. ds sich was bewegen lässt. De Zeit rennt.

Da dies bisher nicht passiert ist, konnte die AFD mit  Pegida und Co. in dieses Vakuum stoßen und eine Lösung präsentieren.  Die Lösung, die keine ist, heißt u.a. Merkel ist schuld, die Flüchtlinge sind schuld, die Migration ist schuld, der Islam ist schuld. Das ist immer die einfachste Lösung, die mach keine Mühe. Raus auf die Straße und hetzen. Nein, ich will nicht wieder die Nazikeule rausholen, doch das hatten wir schon mal. In Ihrer Wut und ihrem Frust, die durch die Hetze von AFD noch angefacht wird merken die Meisten nicht, das Ihre Probleme schon da waren bevor die Flüchtlinge kamen und auch noch präsentsein werden wenn sie wieder weg wären. Ein Deutschland ohne Türken, Juden, Arabern, Migranten  etc. wäre ein Armes Deutschland und würde garantiert nicht dazu führen, dass die Leute höher Löhne, Renten oder gar auf einmal ein besseres Bildungssystem hätten im Gegenteil.

Darüber mit den Demonstranten zu diskutieren wäre vermutlich in der aufgeheizten Stimmung sinnlos. Genauso das wir uns ständig an den Nazis abarbeiten und ja wir und damit mein ich mich auch selber, differenzieren  nicht genug. In unser Wut, Enttäuschung und Verzweiflung reagieren wir nicht richtig. Es sind zu viele Rechtsextreme unterwegs, aber es sind nicht alle, vor allem die AFD Wähler sind zum großen Teil nicht automatisch Rechts. Diese gilt es abzuholen und Ihren Protest in die richtige Richtung zu lenken.  Ich lese auch immer von Gegendemonstrationen, wen die AFD irgendwelche Veranstaltungen planen oder irgendein rechten Mob auf die Straße geht. Da liegt aus meiner Sicht der große Fehler. Nur zu reagieren reicht nicht. Wir, die hier die Demokratie in Gefahr sehen und eigentlich genauso unzufrieden mit der Politik  von Merkel und der CDU/CSU sind müssen mehr agieren.

Da kommt ein Bewegung wie #aufstehen gerade recht.  Wir sollten  uns nicht dran stören, wer hier eigentlich die Initiative ergriffen hat. Die Kontrolle können wir alle übernehmen und lenken.  Darum ist es wichtig, dass sich ein parteiübergreifendes Komitee bildet, das die Bewegung  zum Leben erweckt und Aktionen startet.  Diese Initiative sollte möglichst schnell den Status einer rein Linken Bewegung verlieren. Ziel sollte sein der AFD das Wasser abzugraben und zwar argumentativ. Autonome sollten wir konsequent raushalten. Wir müssen auf die Straße gehen und eventuell Streiks organisieren um den Druck auf die Regierung auszuüben. Vor allem aber müssen klare Ziele und Forderungen formuliert werden. Ich möchte mich noch nicht endgültig festlegen bin aber gespannt auf die ersten Aktionen.  Ehrlich gesagt habe ich aber große Zweifel. Übrigens verbinde ich mit aufstehen auch einen Song: Bots – Aufstehen. https://youtu.be/aRAxxwozbSM Ich finde den Text sehr passend und zeitlos. #Aufstehen auf jeden Fall! Liegen bleiben gilt nicht. Wer aber eine andere Lösung parat hat, bitteschön ich bin ganz Ohr.

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Öhem Özil!? Der Versuch einer Differenzierung.

Hätte er besser geschwiegen? Nein, ich denke nicht. Zeitpunkt und Form und die Vermischung verschiedener Problematiken machen es schwer Özil nun zu verdammen oder  in Schutz zu nehmen. Die Wahrheit liegt diesmal nicht auf dem (Fußball)Platz, sondern in einer verschlossenen Spielerkabine.

Erstmal das sportliche. Mal ehrlich würden wir darüber überhaupt noch reden, wenn wir erfolgreicher  gewesen wären, vielleicht sogar den Titel geholt hätten? Vermutlich nicht. Dann wäre ja alles wieder gut gewesen. Ist es aber nicht. Wir haben schlecht gespielt. Am Misserfolg ist nicht nur Özil Schuld, sondern wie der Erfolg viele Väter hat, so ist auch eine Niederlage, ein Scheitern Familiensache. Da Thema um das es eigentlich geht, nämlich das Foto mit Herrn Erdogan, taugt weder als Schuldzuweisung  noch als Entschuldigung.

Herr Özil hat nun versucht, vermutlich auf Druck von Herrn Grindel, sich für das Foto zu rechtfertigen und beklagt sich über den Umgang mit seiner Person.  Man kann ihm und anderen nicht absprechen, das er auf seine Wurzeln stolz ist. Es ist auch legitim sich mit dem Land wo die Eltern herstammen zu identifizieren. Auch dem Staatsoberhaupt seine Aufwartung zu machen sollte man gelten lassen. Es sei denn der Führer dieses Landes, ist eher ein Diktator, der Regimekritiker verfolgen und verhaften lässt, der auch nicht viel von Pressefreiheit hält. Ein Erdogan halt.  Dafür wird Özil kritisiert, diese Kritik hat in der Form nichts mit Rassismus zu tun. Auch die sachliche Kritik an seiner sportlichen Leistung ist nicht rassistisch. Hier stellt man zu Recht das Demokratieverständnis in Frage. Mich würde wirklich interessieren, wie Özil darüber denkt. Ist ihm klar, das für viele Außenstehende es so aussieht, als würde er die Angriffe auf die demokratischen Grundwerte, und nichts anderes macht Erdogan, gutheißen.

Aus meiner Sicht hat Özil ein falsches Signal gesetzt und gießt nun mächtig Öl in das Feuer von AFD und Co. Alle die sich für die Integration stark gemacht haben, sind entsetzt. Wie kann man sich nur so widersprüchlich verhalten. In einem Land leben wo Demokratische Wert, wie die Pressfreiheit hoch geschätzt und verteidigt werden und einen politischen Führer ehren, der diese Werte mit Füßen tritt. Sorry, Mesut Özil man kann seine Wurzeln auch anders ehren, zum Beispiel sich mit der Opposition zu solidarisieren. Man hat immer die Wahl. So aber ist die Verbrüderung ein Schlag in das Gesicht der in der Türkei der verfolgten und inhaftierten Demokraten.

Wenn man sich aber mit der Stellungnahme von Özil beschäftigt kann und darf man die andere Seite nicht ausblenden. Die heißt Rassismus und es ergibt sich hieraus Klärungsbedarf. Was wurde nun wirklich gesagt und wer hat sich wie nun verhalten? Anscheinend gibt es sogenannte, nein Fans kann man die nun wirklich nicht mehr nennen, die Spieler der Nationalmannschaft rassistisch beleidigen, so wohl auch Özil. Oft hängt das anscheinen mit Sieg oder Niederlage zusammen. So wurde nach dem 0:1 gegen Mexico geschrieben:“ …..die waren noch geschwächt vom Ramadan…“ und das ist noch harmlos. Wen das was Özil beschreibt den Tatsachen entspricht, dann hat der DFB versagt und es muss personelle Konsequenzen geben.  Angeblich soll Grindel 2004gesagt haben: „Multikulti ist Kuddelmuddel und Lebenslüge“. Wenn das war ist, kann dieser Mann nicht länger DFB Chef bleiben.

Wir sollten mal einen Blick auf unsere Nachbarn werfen. Frankreich, Holland Schweiz, Belgien etc. Es lebe die Vielfalt! Es kann und darf nicht sein, das für eine Multikulturelle positive Entwicklung von Sieg oder Niederlage abhängig machen. Es kann nicht sein das mit den Spielern so umgegangen wird und Beleidigungen und rassistische Entgleisungen vom DFB widerspruchslos hingenommen werden.

Ich hätte es geschickter von Özil gefunden, auf eine erneute Rechtfertigung seines Erdogan Besuchs zu verzichten und die Probleme und seine Empfindungen auf einer anderen Ebene zu diskutieren. Ich denke, das Thema wird uns noch weiter beschäftigen und vielleicht werden wir unseren Standpunkt nochmal überarbeiten müssen. Einen Gewinner wird es in dem Fall nicht geben, nur Verlierer.

Der Streit um das Hallenbad

Kein Thema bewegt die Falkenseer die Tage so sehr wie das Hallenbad. Es ist eine Geschichte über schlechte Kommunikation, Missverständnissen, Egoismus und politischen Taktikspielen. Die Stimmung kocht über. Der Bürger ist empört und schreckt auch nicht davor zurück bei einer Demonstration, die dann durch den RBB gesendet wird die Abgeordneten niederzuschreien. Das Verhalten der Schwimmbadbefürworter war beschämend. In diesem Klima hat sich kaum einer getraut kritische Anmerkungen zu machen. Wir sind am Ende, jedenfalls was den Umgang miteinander im Rahmen einer kritischen Diskussion angeht. Aber betrachten wir das doch noch mal. Was ist der eigentliche Auslöser für den vermeintlichen Skandal.

Möchte ich ein Schwimmbad? Naja wer nicht? In jedem von uns steckt ja auch ein Kind. Fragt man ein Kind ob es an der Kasse im Supermarkt einen Schokoriegel haben will, welches kleine Schleckermäulchen sagt da schon nein? Kommt dann Mami aber mit dem Argument, das es dann kein Taschengeld mehr gibt oder der Schokopudding nach dem Mittagessen gestrichen wird, wägen selbst die Kleinsten ab was Ihnen wirklich wichtig ist. Genau deshalb ist die durchgeführte Einwohnerbefragung keine verbindliche und rechtskräftige Aussage. Die Bürger hatten das aber anscheinend so verstanden. Ein großer Fehler der sich nun rächt. Man hat Ihnen unter anderem nicht gesagt welche Opfer sie eventuell bringen müssten. Dazu hat man tatsächlich auch Kleinkinder befragt. Die Kommunalaufsicht hat die Befragung als Entscheidungshilfe für rechtlich unzulässig erklärt und entschieden das diese nicht verwertet werden darf. Das wiederum interessierte Bürgermeister Müller nicht Zitat:“ ….wir haben eine andere Rechtsauffassung“. Die Ergebnisse wurde widerrechtlich veröffentlich und damit der Druck auf die Abgeordneten erhöht. Die anstehende Abstimmung zum Bau des Hallenbads verlief dann nicht wie geplant. Weil unter anderem die AFD für nein stimmte wurde der Bau erstmal abgelehnt. Es folgten Proteste und ein Aufschrei in der Bevölkerung.

Nun stellt sich die Gruppe von 16.760 Befürwortern vertreten durch 55 Demonstranten als Bevölkerung da, deren Wille ignoriert wird. Sorry, Kämpft für euer Schwimmbad, aber bleibt bei der Wahrheit. Nicht mal die Hälfte der Einwohner hat für ein Hallenbad gestimmt. Die Umfrage wurde vorzeitig abgebrochen. Zudem wurden auch die umliegenden Gemeinden befragt, die ja angeblich das Bad mit nutzen sollen. Die Umfrage wurde durch die SPD einseitig beworben und so richtig wurde über die Risiken und Kosten der Entscheidung Pro Hallenbad nicht informiert. Ich bezweifle auch, dass der allgemeine Bürger sich über die Tragweite der möglichen Kosten bewusst ist. Es bleiben viele Fragen offen. Wie geht es weiter?

Ich hoffe die Gemüter beruhigen und man denkt wirklich in Ruhe darüber nach. Der große Wunsch nach einem Hallenbad ist verständlich. Solange die Kostensituation nicht geklärt ist und wir uns nicht wissen, wieviel die Stadt jährlich subventionieren muss kann es keine Entscheidung geben. Herr Bathmann (FDP) hat es auf den Punkt gebracht: „Natürlich möchte ich, dass meine Kinder schwimmen lernen. Ich möchte aber auch, dass sie einen Kitaplatz haben und eine vernünftige Schulbildung bekommen ……“. Ja es gibt noch viele Baustellen und Themen in Falkensee für die auch noch Geld übrig bleiben muss. Immerhin fährt die Stadthalle auch noch Verluste ein. Ich finde es gut, das die Abgeordneten der SVV verantwortungsvoll handeln und sich die Entscheidung nicht einfach machen, nur um sich damit die Gunst der Wähler zu erkaufen.

Eine große Unbekannte beschäftigt mich auch noch und da ist die geplante Badelandschaft Karls Erdbeerhof. Sicherlich ein anderes Konzept, aber zieht das nicht doch mögliche Kunden aus Falkensee ab? Viele Fragen, die man vielleicht mit anderen Gemeinde gemeinsam klären könnte. Derzeit steht die sehr optimistische Kalkulation der Verwaltung auf wackeligen Beinen. Ob das so bleibt werden die folgenden Monate zeigen.

Der Uhrwald lebt! Auf zur wilden Jagd

Vor gut zwei Jahren stand ich im Lido und wartete auf die Fehlfarben. Vorher musste man sich aber erst noch die Vorband antun. Da war ich Vorfeld etwas skeptisch. Naja lange Rede und überhaupt kein Sinn. Die Kapelle hat michdermaßen beeindruckt, dass ich mir sofort den aktuellen Long Player, noch vor Ort zugelegt habe. Die Wilde Jagd hat mich nachhaltig beeindruckt und so wartete ich sehr sehnsüchtig auf den nächsten Output von Sebastian Lee Phillip und Ralf Beck. Der liegt nun vor mir und dreht auf dem Project III seine Runden.

Da man inzwischen ja nicht ohne Schubladen auskommt hat die Musikwelt der wilden Jagd das Label Neo-Krautrock Psychedelisch aufgedrückt. Nur diese Schubladen gehen nicht zu. Das Werk passt nur teilweise in die Schublade. Uhrwald Orange (Nettes Wortspiel)nennt sich die Doppel-LP, die im Gegensatz zum ersten Werk doch tatsächlich Stücke von 10 Minuten und länger enthält.  Nun gut Krautrock war ein Oberbegriff, wie seinerzeit die NDW, unter der sich viele Musikstile versammelten, auch wenn die Protagonisten es selbst nicht wollten. Die wilde Jagd passt am ehesten in den Bereich der Düsseldorfer Schule. Musik als Riechmann, Neu und LA Düsseldorf. Aber auch Kraftwerk, Amon Düül , Can, Faust. Man spürt den Einfluss, hört und sieht ihn aber nicht immer direkt. Es ist als würde unter der Oberfläche ein musikalischer Kosmos existieren, der sich erst beim intensiven oder mehrmaligem Hören wirklich entfaltet.

Schon der erst Track zieht einen unwillkürlich in seinen Bann. Flederboy. Der Loop ist alles ohne Loop ist alles nichts. Minimalistisch, instrumental und herrlich tanzbar. Horden von Batmans tanzen im Disco Nebel. Eine homogene Masse. Morgen höre ich das mal auf der langen Fahrt im Auto, der Track treibt einen zum Ziel. Hmm, Sex. ´Ja Sex könnt man(n) oder Frau auch dazu haben.  Schon fast hypnotisierend.  Schlappe 15:36 läuft das Teil.

Der zweite Track 2000 Elefanten ist einer von Drei nicht rein instrumentalen Titeln.  Die Texte sind echt stark. Lyrik, surreal poetisch auf hohem Niveau „Gellend in die Nacht hinein, Schlägt ein Herz aus Elfenbein. Es verrät dem Heer aus Sand, Was der Mann im Mondfeld fand“. Textlich lohnt sich das genaue Hinhören.  Auch der Track groovt, Die Gitarre dominiert zum Anfang bis der Beat wabernd in deinen Gehörgang strömt und das träge Blut zum blubbern bringt. Dazu eine Priese orientalische Folklore, passt!

Stangentanz ist etwas experimenteller und enthält verschieden  Phasen  die anschwellen und wieder absteigen.  Dem schließt sich fremde Welt fast nahtlos an. Monotoner Anfangsbeat mit sphärischem ansteigendem Raunen. Es knarzt und wabert. War es Noch so dass man am Anfang an La Düsseldorf erinnert wurde fühlt man  sich hier in den Cosimos von Can und Amon Düül versetzt.  Dann klingelt der Wecker Zwischenspiel wird eingeleitet nun endgültig der experimentelle und spannend Höhepunkt dieser LP Seite.

Mystisch geht es weiter. Der Eingang in den Kreuzgang beginnt Folkig. Dieser Track hat eine Dramaturgie, der man sich nur schwer entziehen kann. Die wilde Jagd malt Bilder mit ihrem Sound, die einen fesseln, weil mir im nächsten Moment schon wieder ein mystisches, gespenstisches Detail entdeckt. Bei Kreuzgang wartet man  auf den Moment wo man den Mittelpunkterreicht und alles im grellen Licht explodiert. Quasi den multiplen Auralen Orgasmus.  Und dann hört man den Chor und denkt man ist im Himmel. Zeitlos, raumlos unglaublich.

Ginsterblut ist dann wieder textlich untermalt. Die Musik rückt etwas nach hinten.  Leichter Folk mit Mittelalterflair. Minnegesang in modernem Gewand. Säuregäule läutet die Letze Runde ein. Inzwischen sind wir bei dem von Tangerine Dream und Klaus Schulze beeinflusstem Sound angekommen. Der Kreis schließt sich. Treibend groovend.  Der Titeltrack rundet das Album ab. Ich war’s haucht es in den Uhrwald. Der Elektrodschungel lebt. Noch einmal ziehen hier die Wilde Jagd alle Register und verströmen Ihre Kreativität.  Es ist wie etwas zum Leben erwacht und dann? Ein Liebeslied?  Spoken Word: „ Warst Du der Donner  der mich weckte und der Regen der mich nährte“?  was für ein epischer Abschluss.

Die wilde Jagd nimmt uns mit auf eine Bilderreise. Gemalte Fantasien mit Musik. Mystisch, gespenstisch, geheimnisvoll Klangfarben und Szenarien, die sich einfach unwiderstehlich ins Bewusstsein drängen. Die einen fordern und fesseln.  Einen auch in Bewegung setzen oder zum Nachdenken anregen. Textlich irgendwo zwischen Theodor Storm Hölderlin und Hermann Hesse. Davon könnte es ruhig mehr geben. Das ist die logische Fortsetzung dessen was als Krautrock in den 1970igern entstand.

 

 

Uwe „The Hunter“  Abel

Ja der Franz, Ferdinand kanns

Im Jahre 2004 erschien das Debutalbum von Franz Ferdinand. Nicht nur die Single Auskoppelung Take me out begeisterte mich und die Musikwelt. Das aufgedrückte Label Brit Pop passt so gar nicht, das war mehr, neu und  Innovativ. Der Sound der Post Punk Ära schwang genauso mit wie etwas Disco, Soul und New Wave. Es ist ein Album für die Ewigkeit und belegt dort Platz 24 der Liste vom Magazin Vision.  Tja, nach dem zweiten Album habe ich die Band aus den Augen verloren. Irgendwie waren die folgenden Werke nicht mehr so spannend.

Erst 2015 hörte ich wieder mal bei der Band rein. FFS nannte sich das Projekt und war eine Zusammenarbeit mit den von mir sehr verehren Sparks.  Es sah so aus als würde die Band in neuer Besetzung neue Wege gehen. Die Platte steht auf jeden falls noch auf dem Wunschzettel. Es sollte aber nochmal drei Jahre bis Franz Ferdinand ein neues Album auf den Markt bringen sollte.

Jetzt liegt mir also Always Ascending vor. Eine limitierte Edition in blue/white  Marble inklusive einer Tasche, Poster, Download Code, einer aufwendigen Textbeilage  und signiertem Fotoprint. Sehr edel  und liebevoll gestaltet. Aber es kommt ja auf die inneren Wert an.  Halten die 10 Stücke das was Sie versprechen?

Ein klares Jain! Der Titeltrack war mir am Anfang zu elektropoppig. Der zündet nicht so richtig. In mir wuchsen Befürchtungen, dass ich hier einen ähnlichen Totalausfall wie die letzten U2 Alben oder das letzte Fallout Boy Album auf dem (Platten)Teller hatte.  Meine Gefühlslage ändert sich schlagartig mit Lazy Boy. Spannender Song mit 2:59 auf das wesentliche reduziert, mit einem an Funkytown erinnernden Gitarrenriff  im Take me Out Gewand.

Paper Cages setzt diesen Stil fort. Einprägsame Melodie, eindringlicher Gesang,  Talking Heads, Cure, eine Verbeugung vor den Helden der Postpunk Ära.  Wie alle Songs von FF lebt auch Finaly vom Wechsel. Soft, fast schon atmosphärischer Lyrik mit rockigem Breaks. Nicht das stärkste Stück aber überraschend.

Dann wird es Balladesk, The Academy Award, vorgetragen mit dunkler Stimme, fast schon zärtlich, übergehend in einen schon fast epischen Refrain. Okay, hier ist deutlich der Einfluss der Sparks zu hören. Fehlt nur noch der Gesang von Ron Mael. Lois Lane hat mich schon wegen des Titels neugierig gemacht. Der Song hat etwas von Spandau Ballett und irgendwie geht mir hier nicht das Bild eines jungen Brian Ferry von Roxy Music aus dem Kopf. Etwas zu viel Pop für meinen Geschmack, aber die die Melodie geht mir nicht mehr aus der Hirnrinde.

Dafür entschädigt mich Huck und  Jim.  Der rock wirklich. Gitarren verzerrte Gitarrenriffs. Kritischer Text und  emotionaler Refrain. Die Wechsel  im Rhythmus, der wechselnde Gesang. Sehr kreativ.  Bei Glimpse of Love übernehmen die analogen Synthis wieder die Führung. Alles untermalt vom typischen FF Beat und dem eindringlichen Gesang.

Ebenso bei Feel the Love Go. Eingängige Melodie, wieder ein Gitarrenriff das leicht funky angehaucht ist und ja, man hat hier schon das Gefühl, das sich Franz Ferdinand hier wiederholen, sich selbst zitieren. Slow Don´t kill mir slow ist dann wieder eine völlige Überraschung. Eine Nummer, die durchaus auch von Morrisey hätte kommen können.  Da kann man sich schon mit geschlossenen Augen wo anders hinträumen.

Fazit:

Always Ascending von Franz Ferdinand bekommt von mir 4 von 5 Sternen. Fängt etwas zu Electropoppig an. Manchmal, fühlt man sich an das Debut erinnert. Vielleicht zitieren sich FF an der einen oder anderen Stelle zu oft selbst. Das garantiert aber auch einen hohen Wiedererkennungswert. Das Album enthält aber durchaus überraschendes Bereit. Die  Helden der New Wave Zeit,  an Talking Heads, Morrisey, Spandau Ballet usw. Lazy Boy, mit dem Funkytown Riff hat mich völlig überrascht.  Der Einfluss von den Sparks ist nicht zu aufdringlich aber hat Franz Ferdinand gut getan. Always Ascending wird sicherlich kein Album für die Ewigkeit, wird aber noch öfter auf dem Plattenteller landen. Ich bin sicher, dass sich die ganze Bandbreite erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

Demokratie kann man keiner Gesellschaft aufzwingen, sie ist auch kein Geschenk, das man ein für allemal in Besitz nehmen kann. Sie muß täglich erkämpft und verteidigt werden. (Heinz Galinski)

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schreibend • meinend • kauzig • kritisch • Aus Berlin. Kurzgeschichten, Erlebnisse, mal getreu der Geschehnisse, mal völlig der Phantasie entsprungen. Schreibend um des Schreibens willen vom Schreiberling zum Autor.

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