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Ja der Franz, Ferdinand kanns

Im Jahre 2004 erschien das Debutalbum von Franz Ferdinand. Nicht nur die Single Auskoppelung Take me out begeisterte mich und die Musikwelt. Das aufgedrückte Label Brit Pop passt so gar nicht, das war mehr, neu und  Innovativ. Der Sound der Post Punk Ära schwang genauso mit wie etwas Disco, Soul und New Wave. Es ist ein Album für die Ewigkeit und belegt dort Platz 24 der Liste vom Magazin Vision.  Tja, nach dem zweiten Album habe ich die Band aus den Augen verloren. Irgendwie waren die folgenden Werke nicht mehr so spannend.

Erst 2015 hörte ich wieder mal bei der Band rein. FFS nannte sich das Projekt und war eine Zusammenarbeit mit den von mir sehr verehren Sparks.  Es sah so aus als würde die Band in neuer Besetzung neue Wege gehen. Die Platte steht auf jeden falls noch auf dem Wunschzettel. Es sollte aber nochmal drei Jahre bis Franz Ferdinand ein neues Album auf den Markt bringen sollte.

Jetzt liegt mir also Always Ascending vor. Eine limitierte Edition in blue/white  Marble inklusive einer Tasche, Poster, Download Code, einer aufwendigen Textbeilage  und signiertem Fotoprint. Sehr edel  und liebevoll gestaltet. Aber es kommt ja auf die inneren Wert an.  Halten die 10 Stücke das was Sie versprechen?

Ein klares Jain! Der Titeltrack war mir am Anfang zu elektropoppig. Der zündet nicht so richtig. In mir wuchsen Befürchtungen, dass ich hier einen ähnlichen Totalausfall wie die letzten U2 Alben oder das letzte Fallout Boy Album auf dem (Platten)Teller hatte.  Meine Gefühlslage ändert sich schlagartig mit Lazy Boy. Spannender Song mit 2:59 auf das wesentliche reduziert, mit einem an Funkytown erinnernden Gitarrenriff  im Take me Out Gewand.

Paper Cages setzt diesen Stil fort. Einprägsame Melodie, eindringlicher Gesang,  Talking Heads, Cure, eine Verbeugung vor den Helden der Postpunk Ära.  Wie alle Songs von FF lebt auch Finaly vom Wechsel. Soft, fast schon atmosphärischer Lyrik mit rockigem Breaks. Nicht das stärkste Stück aber überraschend.

Dann wird es Balladesk, The Academy Award, vorgetragen mit dunkler Stimme, fast schon zärtlich, übergehend in einen schon fast epischen Refrain. Okay, hier ist deutlich der Einfluss der Sparks zu hören. Fehlt nur noch der Gesang von Ron Mael. Lois Lane hat mich schon wegen des Titels neugierig gemacht. Der Song hat etwas von Spandau Ballett und irgendwie geht mir hier nicht das Bild eines jungen Brian Ferry von Roxy Music aus dem Kopf. Etwas zu viel Pop für meinen Geschmack, aber die die Melodie geht mir nicht mehr aus der Hirnrinde.

Dafür entschädigt mich Huck und  Jim.  Der rock wirklich. Gitarren verzerrte Gitarrenriffs. Kritischer Text und  emotionaler Refrain. Die Wechsel  im Rhythmus, der wechselnde Gesang. Sehr kreativ.  Bei Glimpse of Love übernehmen die analogen Synthis wieder die Führung. Alles untermalt vom typischen FF Beat und dem eindringlichen Gesang.

Ebenso bei Feel the Love Go. Eingängige Melodie, wieder ein Gitarrenriff das leicht funky angehaucht ist und ja, man hat hier schon das Gefühl, das sich Franz Ferdinand hier wiederholen, sich selbst zitieren. Slow Don´t kill mir slow ist dann wieder eine völlige Überraschung. Eine Nummer, die durchaus auch von Morrisey hätte kommen können.  Da kann man sich schon mit geschlossenen Augen wo anders hinträumen.

Fazit:

Always Ascending von Franz Ferdinand bekommt von mir 4 von 5 Sternen. Fängt etwas zu Electropoppig an. Manchmal, fühlt man sich an das Debut erinnert. Vielleicht zitieren sich FF an der einen oder anderen Stelle zu oft selbst. Das garantiert aber auch einen hohen Wiedererkennungswert. Das Album enthält aber durchaus überraschendes Bereit. Die  Helden der New Wave Zeit,  an Talking Heads, Morrisey, Spandau Ballet usw. Lazy Boy, mit dem Funkytown Riff hat mich völlig überrascht.  Der Einfluss von den Sparks ist nicht zu aufdringlich aber hat Franz Ferdinand gut getan. Always Ascending wird sicherlich kein Album für die Ewigkeit, wird aber noch öfter auf dem Plattenteller landen. Ich bin sicher, dass sich die ganze Bandbreite erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

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I´m not a Limburger from Planet Claire

Nur wenig ist  in meinen Erinnerungen aus der Zeit hängen geblieben, als ich versucht habe am Lette Verein meine Ausbildung als Biologie und Chemielaborant zu machen. Das ganz dauerte von September 1980 bis Januar 1981. Neben einiger misslungener Experimente und einigen unerlaubten Besuchen in den Archiven ist mir unsere Kennlernparty in guter, wenn auch nebelhafter, Erinnerung geblieben. Schuld daran war eine ganz bestimmte Schallplatte.

Wir hatten keinen D-Jay. Wir legten einfach ein paar Platten auf.  Da kam mein Kumpel mit einer hässlichen gelben LP auf mich zu. Ein Blick aufs Cover und ich war empört. Nicht sein ernst, Das sah so 50iger Jahre aus. Diese hochgetürmten Frisuren.  Nee Rock n Roll komm mir jetzt nicht auf den Teller. Es war aber schon zu spät. Was da aus den Boxen dröhnte erinnerte mich doch stark an das Peter Gunn Theme. Dazu Keyboards und eine Gitarre wie aus einem Science Fiction Film. Dazu ein schräger Text. Mein Mit Kommilitonen standen mit zuckenden Leibern auf der Tanzfläche und gingen ab wie Schmidts Katze (woher kommt der Spruch eigentlich). Der Song hieß Planet Claire vom Debüt Album der B´52.

Mein Gott was für eine krasse New Wave Rock Scheibe. Das Ding lief auf der Party durch und stand ein Woche später bei mir im Plattenschrank. Für mich die innovativste Scheibe des Jahres 1979. Bis heute unvergleichbar und einmalig. Neben Planet Claire enthält das Debüt mehrere Klassiker des American New Wave, durchgehend tanzbar und sich unwiderstehlich in den Gehörgang schrauben.  Der Beat von Dance this mess around mit der einmaligen Textzeile und dem einmaligen Gesang von Kate Pierson und der Schrei: „why don´t you Dance with me? I´m not a Limburger oder das etwas schnellere Rock Lobster, wer das die Füße still hält ist nicht mehr zu retten. Einmalig die Gitarrenriffs rockig ergänzen Ricky Wilson und Fred Schneider den Keyboard Sound oder ist es umgekehrt. Jedenfalls ergibt sich ein Soundteppich der nur schwer zu durchdringen ist: Der schrille Gesang von Cindy Wilson und Kate Pierson passt genau dazwischen.

Das Cover ist irreführend, aber auch typisch für die Wave Szene. Trotzdem hat die Musik immer einen leichten Retrotouch. Irgendwie sind da auch die 50iger drin, wie zum Beispiel bei Planet Claire das besagte Peter Gunn Element. Auch der Nachfolger Wild Planet knallt ganz gut rein. Danach wurde mir der Sound zu poppig. Trotzdem bei der Platte bin ich kein Limburger und tanze mit euch.


Uwe vom Planet Claire.

Die Touristen kamen im Jahr 1979

Im Jahr 1979 sind sie gekommen, die Touristen. Sie fielen völlig unerwartet in die Musikwelt ein. The Tourists – Reality Effect heißt die Scheibe durch die sich gerade meine Plattenspielernadel den Weg bahnt. Es ist die zweit von drei Lp´s die die Band produziert hat, mit Hilfe von keinem geringeren als Conny Plank. Aber verbirgt sich hinter den Touristen? Später Freunde, viel später.

Schon der erste Song nimmt einen gefangenen. Der Beat, der nölige Gesang, fast weinerlich. Und immer wider dieses Gitarrenriff, das eher sind die 50íger passen würde. Irgendwie schräg. Uwe will tanzen.

Nummer 2 ist eine Coverversion des Bay City Rollers Songs Only wanna be with you. Der hat mich ja schon in meiner Teeni Bopper Zeit vom Hacker gehauen. Ehrlich fand ich nett. Jetzt war ich Punk und Wave Fan. Die Version ist sehr Gitarrenlastig und dan das Handclapping.

In the Morning. Am Anfang scheint eine Orgel zu verenden, erinnert stilistische etwas an die Stranglers.

All Lifes Tragedies, weiß durch feenhaften Gesang zu gefallen. Der zarte Gesang der weiblichen Stimme verschafft einen eine Gänsehaut. Vergeliche mit Blondie fallen einem spontan ein.

Everywhere you Look: Okay irgendwie der Hänger. Kann ja mal passieren. Vielleicht nochmal hören.

So good to be back home again. Blondie trifft, ja wenn eigentlich? Die Rubettes, Bay City Rollers. Gitarrensolo aller Showaddy Waddy. Etwas verstörende ist da schon, aber nicht schlecht.  Schaffte es immerhin in die Top Ten der englischen Charts.

Nothing to Do. Ach nein. Doch! Tanzen und mitwippen. Diese Backgroundvocals diese Stimme; Wow

Circular Fever: Irgendwie trifft sich hier Glamrock ala T.Rex und Sweet mit CCR. Wilde Nummer untermalt vom unvergelichlichen Gesang.

In my mind there sorrows, huch auf einmal ein Spinett. In diesem Stück lässt sich erahnen, welch großartige Kariere sich aus Teilen der Band entwickeln würde.

Something in the air tonight. Steh Blues? Nee, langsame Nummer, die wie durch den sehr eigenen Gesang de Frauenstimme im Duell mit der Schrammelgitarre fesselt. Die männlichen Vocals erinnern hier an Van Morrision. Die Nummer hat auch etwas von It´s all over now Baby Blue. Endet in einem wirren Gitarrenwald.

Summers Night. Huch jetzt noch was von Albert Hammond?. Etwas Folkig. Die irische Fidel trifft spanischen Rhythmus. Nette Nummer.

Also welche Schublade machen wir denn auf. Schwierig. Glam Rock lag im Sterben und auch die Teeni Bopper Bands waren schon beerdigt. Fisher Z waren gerade mit Remember Russia am Start Blondie war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Zeiten des musikalischen Umbruchs. The Tourists haben Elemente aus beiden Welten genommen und daraus einen eigen Still kreiert. Einfach spannend und immer wieder hörenswert.

Wer waren die Touristen? PeeteCoombes, Eddie Chin, Jim Toomey. Kennt ihr nicht? Tja aus denen ist auch nichts geworden. Wohl aber Dave A. Stewart und Annie Lennox, die 1981 als Eurythmics durchstarteten.

Hörprobe:  

Uwe Abel