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Sind wir Antiurban?

Falkensee      Wir sind also antiurban. Das sagt zumindest Dr. Albrecht Göscher. Diese ernüchternde Feststellung wurde im Rahmen des Grünen Salons „Faszination Einkaufszentrum“ gemacht. Vorweg, die Gegner eines EKZ können sich nicht vorbehaltlos bestätigt fühlen. Der Kampf dagegen ist aber auch nicht aussichtslos.

Also antiurban sind wir. Warum, weil wir der Stadt entflohen sind. Wir hatten halt die Schnauze voll von den „Big City Lights“, der Glitzerwelt der Großstadt. Wir wallten zurück zur Natur, wie die ersten Villenbesitzer in Falkensee. Wir haben uns einer Illusion hingegeben, der wir nun zum Opfer fallen. Die Glitzerwelt kommt nun nach Falkensee, in Form von Einkaufzentren. Datum wehren wir uns dagegen. Ein interessanter Aspekt, der sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist. Die Hörer im Spiegelsaal des Kronprinzen folgten gebannt den Ausführungen und erhofften sich Lösungsansätze und Bestätigung. Die war zugegeben knapp bemessen. Aber Herr Dr. Göscher war durchaus der richtige für das Thema.

Was ist eigentlich Falkensee? Eine amerikanische oder europäische Stadt? Weder noch! Aus diesem Zwitterdasein entsteht auch das Problem einer sinnvollen Zentrumsplanung. Das Zentrum kann nicht der Dorfanger sein und auch nicht der Bahnhof. So Dr. Göscher. Er hält auch den Bau der Campushalle an der Stelle nicht für sinnvoll und meint, das dies der Todesstoß für ein Zentrum um die Bahnhofsstraße sei.

Warum also nun Einkaufszentren? Klar, wir wollen nicht mehr unsere knapp bemessene Zeit nur fürs Einkaufen verschwenden. Deswegen Einkaufsmall. Samstag einmal parken und dann alles in einem Schwung erledigen. Bloß nicht ´zig  Läden anfahren. Fünf mal Parkplatz suchen usw. Also sind wir selbst schuld. Im Grünen leben und urbanes Leben, verträgt sich nicht. Es gibt also auf de, ersten Blick kein Argument gegen das Einkaufszentrum, vor allem nicht an der Stelle. Es kann eigentlich nur eine Verbesserung eintreten.

Die Hauptsorge der Falkenseeer ist, wenn ein EKZ gebaut wird, das der kleine Einzelhandel kaputt geht. Das wird er auch, wenn er keine Nischen findet und diese Nischen liegen laut Dr. Göscher im Servicebereich. Es gibt also ein Überlebenschance, wenn auch nur ein kleine.

Aber soweit muss es ja nicht kommen. Die Ansiedlung von kleinem Einzelhandel, wäre auch möglich. Man müsste nur einen Investor finden. Die Bahnhofsstraße könnte eine kleine Bergmannstraße werden. Kleine Einzelhandelsgeschäfte mit hohem Serviceanteil.

Vorraussetzung wäre Wohnraum. Wohnraum für 8.000 Einwohner wäre eine Belebung und würden einem möglichen Zentrum von Falkensee entgegen kommen. Das ehemalige Trafogelände wäre dafür durchaus geeignet. Da Wohnraum in Berlin Spandau knapp ist, wäre das schon ein schlauer Schachtzug.

Es gab schon eine Menge Informationen und Anregungen. Leider konnte dann doch nicht so ins Detail gegangen werden. Herrn Dr. Göscher fehlten da zu die Detailinformationen. Lehrreich und interessant war es auf jeden Fall.

Mein persönliches Fazit: Es schient wirklich keinen trifteigen Grund gegen Einkaufszentren zu geben. Im Fall von Falkensee aber schon. Das könnte ein ähnliches Desaster geben wie z.B. in Mönchengladbach. Ob es wirklich ausreichend Kaufkraft gibt ist fraglich. Die ideale Lösung wäre die parallele Entwicklung von Wohn- und Geschäftsräumen. Aber ein großes EKZ ist nicht notwendig. Viele Falkenseer sind froh eine Zuflucht vor der Glitzerwelt gefunden zu haben und so solle es such bleiben. Was bleibt noch? Die Kommunalpolitik wir von Investoren bestimmt. Das ist die bittere Wahrheit. Ich bin und bleibe Antiurban und das ist auch gut so.

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