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Zentrum mit Trafogelände?

Warten auf die große Offenbarung, Die Diskussionen der anderen Tagesordnungspunkte waren zäh und nicht sehr spannend, Zahlen und Haushalt eben. Trotzdem ein paar lehrreiche Informationen gab es schon. Was mich aber interessierte waren Campusplatz und Leitlinien.

Also Campus Vorplatz. Bei der ersten Vorstellung waren die Abgeordneten nicht gerade begeistert. Nun sollten gemäß der Tagesordnung die Vorstellungen der Fraktionen einfließen. Einige war man sich darüber, dass es ein Mittelweg sein sollte zwischen Begegnung und Veranstaltungsfläche. Die Fraktion der Linken Vertreten durch Hr. Thürling und Hr. Kuntz wollte, das man bei der Betrachtung auch die mögliche Gestaltung des Stadthallenvorplatzes mit einbezieht, Entweder um beide zu verbinden oder um sich zu ergänzen. Was folgte war eine Vorstellung einer neuen Variante durch den Planer. Das war schon viel besser. Ca 18 Bäume und um alle Gebäude reichlich grün. Alle waren sich einig, dass man jetzt auf dem richtigen Weg ist. Der Planer wird das ganze noch genauer ausarbeiten und dann zu Abstimmung vorschlagen. Das ist ja schon mal was Positives.

Positives erwartete ich auch zum Thema Leitlinien. Nämlich das da mal was verwertbares und verbindliches herauskommt. Immerhin CDU und SPD haben schon Modifizierungen vorgenommen, die eine Zustimmung der Opposition fanden. Die Bahnhofstr. wurde jetzt als Entwicklungsschwerpunkt und Potentialfläche definiert. Nahversorgung soll nur noch angesiedelt werden, wenn die Stadt einen Bedarf sieht. Ganz wichtig, außerhalb des Zentrums dürfen sich nur noch auf max. 10% der Gesamtverkaufsfläche zentrenrelevante Sortimente ansiedeln. Darüber herrschte Konsens, allerdings möchten die Mitglieder des Ausschuss dies erst noch mit ihren Fraktionen besprechen. Es gibt allerdings auch noch einige Punkte, die strittig sind und vom Vorschlag der Grünen und Linken erheblich abweichen. Da wäre z.B. die Tatsache, das Falkenhöh immer noch als Dipolares Zentrum in den Leitlinien steht. Auch die Flächen für den Einzelhandel sind nicht klar definiert. Großer Knackpunkt dürfte aber der immer noch unklare Begriff Zentrum sein, bzw. was alles zum Zentrum gehört.

Der Vorschlag der Grünen/Die Linke definiert das Gebiet Zentrum klar. Endscheidender Fakt: Das Trafogelände, wo ein Einkaufszentrum entstehen soll gehört nicht dazu. Beim Vorschlag der SPD/CDU für die Leitlinien ist das Trafogelände Teil eines Zentrums. Wenn die SPD/CDU dabei bleibt wird die Entwicklung der Bahnhofstraße oder das Bekennen dazu eine leere Hülse, ein Placebo, genau wie die oben genannte 10% Regel. Denn nur wenn das Gelände nicht als Zentrum definiert wird hat die Stadt Einfluss auf das mögliche Sortiment eines Einkaufszentrums. Das würde bedeuten, keine Foto/Optik, keine Unterhaltungselektronik, kein Parfüm oder Kosmetikgeschäft. Nichts wäre es mit Schmuck und Bekleidung. Was würde aber dann in einem Einkaufszentrum angesiedelt werden können? Möbel, Teppiche,  Lampen, Leuchten Hausrat, weiße Ware, KFZ Bedarf und Zoo Bedarf. Also noch eine ganze Menge. Aber ob das dem Investor gefällt?

Die Mitglieder im Ausschuss wollen auf der letzten SVV im Dezember die Leitlinien verbindlich beschließen. Also muss man sich über das Thema Trafogelände einigen müssen. Ob die Grünen/Linken, die SPD/CDU Zählgemeinschaft überzeugen kann? Es bleibt dabei wird das Zentrum auf das Trafogelände ausgedehnt werde sich dort Gewerbe ansiedeln, die der Bahnhofstraße und den dort derzeit investierenden Personen in den Rücken fallen und eine Hoffnung auf eine lebendige Bahnhofstraße zunichte machen. Übrigens, wenn ich es richtig verstanden habe wird die alte Kaufhalle (Euro Shop) abgerissen. Ein Schandfleck weniger.

Uwe Abel

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Offener Diskussionsprozess gefordert.

Unsere regionale Presse braucht ewig um sinnvolle Stellungnahmen der politischen Opposition der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wenn Sie überhaupt die Texte druckt. Ich finde die folgende Erklärung der Grünen zum Thema Trafowerk/ Einkaufszentrum sehr wichtig und stelle sie daher auf meinen Blog:

Bauantrag Einkaufszentrum Trafowerk –

eine Stellungnahme von Bündnis 90/Die Grünen Falkensee

Unter den Mitgliedern des Ortsverbands der Grünen Falkensee ist man sich nicht einig über die Beurteilung des geplanten Groß-Einkaufszentrums an der Barkhausenstraße. Die Grünen diskutieren eben gern. Von Zustimmung mit gewissen Einschränkungen bis zu klarer Ablehnung reicht die Bandbreite der Meinungen. Jedenfalls sehen die Grünen noch Diskussionsbedarf. Die Auswirkungen auf die Stadt und die Entwicklung ihres Zentrums  müssen sorgfältig bedacht werden, denn was dort auch immer genehmigt und gebaut wird, ist auf Jahrzehnte angelegt.

Bürgermeister Müller hat sicherlich Recht, wenn er sagt, Falkensee werde nie eine Flanierstadt wie etwa Rothenburg ob der Tauber werden. Aber muss diese Stadt denn wirklich aussehen wie Wanne-Eickel, Soltau oder Anklam? Mit dem Akazienhof hat Falkensee bereits eine hässliche städtebauliche Sünde begangen. Die geht auf die Ära  Bigalke zurück und hatte viel mit dem Berliner Sozialdemokraten Momper zu tun, der sich hier nach dem Ende seiner politischen Karriere als Projektentwickler versucht hat.  Brauchen wir wirklich noch eine Einkaufswelt im Hundehütten-Baustil?

Der vom Bürgermeister angesprochene Investorendruck ist eigentlich etwas Gutes, zeigt er doch, dass die Stadt sehr wohl auch wirtschaftlich interessant ist. Problematisch wird es aber, wenn dem Investor ein Bürgermeister gegenübersteht, der kein Konzept für die Entwicklung seiner Stadt hat. Dann geht die Planlosigkeit einfach in die nächste Runde. Und das ist doch für Falkensee leider gerade kennzeichnend, dass das moderne Einfamilienhaus direkt neben dem Unternehmen für Baustellenabsicherung, der Wäscherei und der Kita steht. Die Politik müsste mit einem ordnenden Rahmen steuern. Das geschieht aber nicht. Stattdessen haben wir jetzt die Situation, dass der Bauantrag für die Einkaufsmall gestellt ist und möglicherweise genehmigt wird, und später dann beschließen wir irgendwann das Einzelhandelskonzept, das begonnen ist, aber nicht vorankommt. Wozu das dann noch? Wir werden dann deutlich mehr Verkaufsfläche am Markt haben, als von dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Einzelhandelsgutachten als für die Stadt verträglich benannt worden ist. Dann brauchen wir wirklich nichts mehr zu ordnen außer vielleicht den Abriss der Märkte, die sich nicht mehr rentieren und geschlossen werden. Das gibt es in anderen Städten, und in Falkensee stehen bereits Einkaufsflächen in der Bahnhofsstraße leer.

Wenn man nicht gegen die Einkaufsmall Trafowerk ist, was wäre zu fordern, damit nicht Schaden für die Stadtentwicklung, sondern Nutzen entsteht?  Aus dieser Fragestellung ist die Idee geboren, dort auch Wohnungen zu bauen. Wir haben es an anderen Projekten gesehen und Erfahrungen aus anderen Städten sagen es auch, dass Investoren durchaus bereit sind, im Planungsprozess auf städtebauliche Forderungen einzugehen, die an sie herangetragen werden. Natürlich ist es eine architektonische Herausforderung, das verkehrliche Gewusel und den Lärm eines großen Einkaufszentrums mit den Bedürfnissen des Wohnens unter einen Hut zu bringen. Das sind aber Probleme, die es in jeder Stadt gibt, und sie sind lösbar, wenn man es will. Absurd wirkt an dieser Stelle, wenn Herr Müller meint, Wohnungen bedeuteten unlösbare Parkplatzprobleme – im Gegensatz zu dem Einkaufszentrum wohlgemerkt!
Wohnungen an dieser Stelle hätten gerade verkehrlich große Vorteile. Wer dort wohnt, braucht weder zum Einkaufen ein Auto, noch muss er zum Bahnhof fahren und dort einen Parkplatz suchen. Das Objekt liegt in fußläufiger Entfernung zum Bahnhof. Dass so etwas geht, kann man in München Pasing sehen, auch via Internet.

Wie auch immer. Die Falkenseer Grünen raten zu einem sorgfältigen, ergebnisoffenen und kreativen Diskussionsprozess. Und wer weiß? Vielleicht  erweist es sich ja bald als geradezu identitätsstiftend, dass das Zentrum dieser Stadt aus zwei ehemaligen Angerdörfern besteht.

Sind wir Antiurban?

Falkensee      Wir sind also antiurban. Das sagt zumindest Dr. Albrecht Göscher. Diese ernüchternde Feststellung wurde im Rahmen des Grünen Salons „Faszination Einkaufszentrum“ gemacht. Vorweg, die Gegner eines EKZ können sich nicht vorbehaltlos bestätigt fühlen. Der Kampf dagegen ist aber auch nicht aussichtslos.

Also antiurban sind wir. Warum, weil wir der Stadt entflohen sind. Wir hatten halt die Schnauze voll von den „Big City Lights“, der Glitzerwelt der Großstadt. Wir wallten zurück zur Natur, wie die ersten Villenbesitzer in Falkensee. Wir haben uns einer Illusion hingegeben, der wir nun zum Opfer fallen. Die Glitzerwelt kommt nun nach Falkensee, in Form von Einkaufzentren. Datum wehren wir uns dagegen. Ein interessanter Aspekt, der sicherlich nicht von der Hand zu weisen ist. Die Hörer im Spiegelsaal des Kronprinzen folgten gebannt den Ausführungen und erhofften sich Lösungsansätze und Bestätigung. Die war zugegeben knapp bemessen. Aber Herr Dr. Göscher war durchaus der richtige für das Thema.

Was ist eigentlich Falkensee? Eine amerikanische oder europäische Stadt? Weder noch! Aus diesem Zwitterdasein entsteht auch das Problem einer sinnvollen Zentrumsplanung. Das Zentrum kann nicht der Dorfanger sein und auch nicht der Bahnhof. So Dr. Göscher. Er hält auch den Bau der Campushalle an der Stelle nicht für sinnvoll und meint, das dies der Todesstoß für ein Zentrum um die Bahnhofsstraße sei.

Warum also nun Einkaufszentren? Klar, wir wollen nicht mehr unsere knapp bemessene Zeit nur fürs Einkaufen verschwenden. Deswegen Einkaufsmall. Samstag einmal parken und dann alles in einem Schwung erledigen. Bloß nicht ´zig  Läden anfahren. Fünf mal Parkplatz suchen usw. Also sind wir selbst schuld. Im Grünen leben und urbanes Leben, verträgt sich nicht. Es gibt also auf de, ersten Blick kein Argument gegen das Einkaufszentrum, vor allem nicht an der Stelle. Es kann eigentlich nur eine Verbesserung eintreten.

Die Hauptsorge der Falkenseeer ist, wenn ein EKZ gebaut wird, das der kleine Einzelhandel kaputt geht. Das wird er auch, wenn er keine Nischen findet und diese Nischen liegen laut Dr. Göscher im Servicebereich. Es gibt also ein Überlebenschance, wenn auch nur ein kleine.

Aber soweit muss es ja nicht kommen. Die Ansiedlung von kleinem Einzelhandel, wäre auch möglich. Man müsste nur einen Investor finden. Die Bahnhofsstraße könnte eine kleine Bergmannstraße werden. Kleine Einzelhandelsgeschäfte mit hohem Serviceanteil.

Vorraussetzung wäre Wohnraum. Wohnraum für 8.000 Einwohner wäre eine Belebung und würden einem möglichen Zentrum von Falkensee entgegen kommen. Das ehemalige Trafogelände wäre dafür durchaus geeignet. Da Wohnraum in Berlin Spandau knapp ist, wäre das schon ein schlauer Schachtzug.

Es gab schon eine Menge Informationen und Anregungen. Leider konnte dann doch nicht so ins Detail gegangen werden. Herrn Dr. Göscher fehlten da zu die Detailinformationen. Lehrreich und interessant war es auf jeden Fall.

Mein persönliches Fazit: Es schient wirklich keinen trifteigen Grund gegen Einkaufszentren zu geben. Im Fall von Falkensee aber schon. Das könnte ein ähnliches Desaster geben wie z.B. in Mönchengladbach. Ob es wirklich ausreichend Kaufkraft gibt ist fraglich. Die ideale Lösung wäre die parallele Entwicklung von Wohn- und Geschäftsräumen. Aber ein großes EKZ ist nicht notwendig. Viele Falkenseer sind froh eine Zuflucht vor der Glitzerwelt gefunden zu haben und so solle es such bleiben. Was bleibt noch? Die Kommunalpolitik wir von Investoren bestimmt. Das ist die bittere Wahrheit. Ich bin und bleibe Antiurban und das ist auch gut so.

Bürger und Initiative? Nein Danke!

Falkensee   Wer eine Bürgerinitiative oder Interessengemeinschaft gründet stößt nicht immer nur auf Zustimmung. Es ist aber auch völlig normal, dass man für seine Einstellung nicht nur Zustimmung erntet. Manchmal eskaliert ein Konflikt aber auch, wie bei Stuttgart 21. Das Engagement schwierig ist bekommt zurzeit auch die IGZ in Falkensee zu spüren. Es gibt Stimmen, die die bisherige Vorgehensweise und Einstellungen kritisieren. Der IGZ ging es hauptsächlich um die neue Gestaltung des Areals der alten Stadthalle, wenn diese der Abrissbirne zum Opfer gefallen ist. Einige Bürger wollen übrigens die alte Stadthalle immer noch erhalten. Im Rahmen der Diskussionen innerhalb der IGZ wurden auch die Auswirkungen und Möglichkeiten für die Bahnhofstraße diskutiert. Man sieht in der Gestaltung des Platzes die Chance, etwas wie ein Zentrum in der Bahnhofstraße zu etablieren. Dass einfach nur die Seegefelder Straße über den Platz geführt werden soll, möchte die IGZ nicht hinnehmen.

Projekte, die der Entwicklung der Bahnhofstraße entgegenstehen könnten werden kritisch beäugt und kritisiert. Dazu gehört auch das Einkaufscenter auf dem ehemaligen Trafogelände. Die IGZ fordert die Bürger auf Ihre Bedenken und Einwendungen zu teilen und dem B-Plan zu widersprechen. Das wiederum ruft den Unmut der Befürworter hervor. Sie werfen der IGZ vor nur ihre eigenen  Interessen zu vertreten und nicht für alle Bürger zu sprechen. Als Blockierer wird die IGZ bezeichnet. In einigen Gesprächen habe ich auch mitbekommen, das einige Falkenseer Bürgerinitiativenmüde sind. Zuviel Engagement ist lästig. Komisch, bei zwei bis drei Personen, die sich gegen einen Kindergarten in ihrer Nachbarschaft wehren mach man kein solches Geschrei und zeigt sogar Verständnis.

Im geplanten Center neben dem Realmarkt sollen nach unbestätigten Aussagen ein Media Markt und eine Fast Foodkette angesiedelt werden. Die ursprüngliche geplante Tankstelle ist wohl erst mal vom Tisch. Obwohl, vielleicht doch nicht ganz. An der Straße der Einheit in Höhe Polterstraße, ist eine Tankstelle geplant. Bisher ist das aber nur ein Gerücht.

Die Befürworter glauben, dass die Ansiedlung auch der Bahnhofstraße zu gute kommt und keine Gefährdung für die dort ansässigen Geschäfte darstellt. Auch die Verkehrsanbindung ist kein Problem. Alles Schick. Der Bringer für Falkensee. Der Aufschwung kommt. Na ja.

Sicherlich werden die Massen nach ihrem Mediamarkteinkauf noch in die Bahnhofstraße wandern um ein Eis zu essen oder bei den Biofreunden einkaufen. Das glaube ich kaum, da es keine vernünftige Anbindung gibt. Die soll dann noch für Fußgänger zusätzlich erschwert werden, in dem man einen Verkehrskreisel dazwischen haut. Überhaupt der Verkehr. Mit wie vielen Besuchern rechnet man überhaupt. Ist der Media Markt überhaupt ein Ankermieter? Schließlich geht es dem Unternehmen auch nicht wirklich gut. Der Streit in der Metrogruppe tut nicht gut. Dann doch lieber Saturn. Ach nee, der gehört ja auch zur Metrogruppe, aber ich bin ja nicht blöd und durch schaue die billige Scheinkonkurrenz der beiden Metrokonzernunternehmen. Konkurrenz belebt da Geschäft? Ja aber nur wenn die Kontrahenten gleich stark sind. Davon kann man beim Media Markt vs. Elektro- und Computerladen in der Bahnhofstraße. kaum reden. Die nächste Frage mit wie viel Kunden rechnet man im geplanten Einkaufscenter? Bisher gibt es dazu keine verlässlichen Angaben. Knapp 41.000 Einwohner aus Falkensee, ca. 10.000 aus Schönwalde, etwa 11.000 Brieselanger und vielleicht der eine oder andere Spandauer und 8700 Dallgower Einwohner liegen im Einzugsgebiet. Wie viel befinden sich im kauffähigen Alter und kaufen Technik im Media Mark? Andere Mediamärkte haben da ganze andere Zahlen zu erwarten.

Ich denke, bevor die Faktenlage nicht klar ist, sind Bedenken durchaus berechtigt. Bevor der B-Plan beschlossen wird müssen die offenen Fragen geklärt werden. Welche Geschäfte werden angesiedelt. Mit welchen Besucherzahlen rechnet man und wie wird das Verkehrsaufkommen bewältigt. Das es dabei auch um eigene Interessen der Mitglieder der IGZ geht kann ich nachvollziehen. Die Kritiker der IGZ sollten sich einfach mal in die Situation eines kleinen Elektrogeschäfts versetzten, dem ein Elektrogroßmarkt vor die Nase gesetzt wird oder die eines Anwohners, der auf einmal über 300 Autos mehr an seinem Grundstück vorbeifahren sieht, vom Lärm und Dreck auch am Samstag zu schweigen.

Uwe Abel

Messen, Sammler und Kugelschreiber

Er ist eine häufige Erscheinung auf Veranstaltungen, wie z.B. Gesundheitsmessen, Hausmessen, Baumessen usw. die in letzter Zeit in Kaufzentren stattfinden. Fast jeder ist ihm schon einmal begegnet.

Wir reden vom Messe(n) Besucher (lat. Vestibulum visitabo). Eine besonders hartnäckige Spezies ist der Abstauber und Sammler (lat, Bibliotheca abstaubus). Dieses doch mitunter recht possierliche Tierchen, welches aber auch sehr frech und sogar aggressiv werden kann, taucht immer wieder an den Messeständen auf. Oft sogar mehrmals, auch an verschiedenen Tagen. Gerade dort wo es reichlich Beute vermutet oder schon fündig geworden ist, entwickelt das „Bibliotheca abstaubus“ eine gewisse Hartnäckigkeit. Die Population hat sic in letzter Zeit um einiges vervielfacht und entwickelt sich langsam zu einer Plage.

Ein typisches Verhaltensmuster bei der Jagd beschreibt der Wissenschaftler Ewu-Leba in seinem Buch:“ Die Messen sind nicht zu lesen“. Zitat:“ Das meistens männliche Individuum beobachtet eine kurze Weile von der Ferne das ausgewählte Jagdgebiet(Messestand), sobald er einen Zeitpunkt für günstig hält schlägt er zu. Meistens wartet der clevere Jäger bis zu dem Zeitpunkt an dem der Stand richtig voll ist. Dann drängelt es sich bis zum Tisch vor, an dem er seine Beute vermutet. Er baut sich breitbeinig auf, senkt den Kopf, nimmt einen leicht diabolischen Blick an und schiebt die Unterlippe vor. Dann spricht er mit leicht debiler Stimme „Haste Kugelschreiber?“ Der größte Fehler den, die Opfer jetzt mache können ist zu sagen:“ ja, nimm Dir einen“. In diesem Moment fährt der „Bibliotheca abstaubus“ seine oberen Extremitäten aus um wie ein Greifbagger in den Haufen mit den Kugelschreibern zu greifen um je nach Geschick fast den Ganzen Kugelschreiberbestand des Ausstellers in seinen Tragentaschen und Tüten verschwinden zu lassen. Tüten und Taschen hat er übrigens reichlich mit dabei. Neben den Kugelschreibern, sind auch Süßigkeiten, Einkaufswagenchips, Flaschenöffner, Schlüsselbänder, Kinderpuzzle und andere Give aways sehr begehrt.

Wie kann man sich davor schützen? In seinem Bestseller „Wie werde ich sie wieder los?“ gibt Leba einige sinnvolle Tipps. Er empfiehlt die Objekte der Begierde nicht offen auszulegen und nur einzeln herauszugeben. Vermutet der Messestandmitarbeiter einen Vertreter der Spezies an seinem Stand, sollte er die Frage nach der Beute einfach verneinen oder um den Jagdtrieb des Besuchers zu brechen ihm einfach minderwertige Produkte aushändigen, die man schon lange loswerden wollte.

Eines ist aber auf jeden Fall sicher, diese Spezies ist aufgrund Ihres Überlebenswillens nicht vom Aussterben bedroht.

Uwe Abel