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Die Marsmenschen kommen!

Nach dem der Weltuntergang ja verschoben wurde, sprangen die Marsmenschen ein um ein wenig Apokalypse zu verbreiten. Zumindest für zwei Stunden, gestern am 05.01.2013 in der O2 Arena in Berlin. Aber erst mal zur Historie.

Im Jahre 1901 erschien auf Deutsch der von H.G. Wells 1889 verfasste Roman Krieg der Welten. Ein echter Klassiker der Science Fiction Literatur. Ein Urknall! Kaum eine andere Science Fiction Roman hat für soviel Aufregung gesorgt. Verantwortlich hierfür war ein gewisser Orson Welles. Am Vorabend von Halloween im Jahr 1938 brachte er die Geschichte als Hörspiel im Radio. Anscheinend hatten die Amis schon immer Probleme Realität und Fiktion auseinander zu halten. Es kam zu einer Massenpanik. Na ja, aber leichtgläubige gibt es ja überall. Auch in Good Old Germany. Der WDR brachte 1977 eine deutsche Fassung, auch hier gab es besorgte Anrufe aus der Bevölkerung. Im Jahr 2010 sendete ein Hamburger Radiosender eine abgewandelte Form „Ufos über der Elbe“. Folge: Besorgte Anrufe bei der Polizei. Ja und dann war da noch ein gewisser Jeff Wayne.

Jeff Wayne kam auf die Idee daraus ein Rockmusical  zu machen. Ein Riesenerfolg 1978. Die Doppel LP steht heute noch bei mir im Schrank, allerdings auch eine CD mit der deutschen Version, dort spricht Curd Jürgens. Den Journalisten spricht Richard Burton. Die Musiker damals einzigartig. Phil Lynott von Thin Lizzie, David Essex (Sänger), Justin Hayward (Gitarrist/Sänger von den Moody Blues), Chris Thompson, besser bekannt als die Stimme der Manfred Man´s Earth Band und Julie Covington. Das war ist nun 35 Jahre her. Das Musical tourt immer noch durch die Welt. Gestern machte der Krieg der Welten Station in Berlin.  Wir saßen  im Innenraum genau in der Mitte. Was dan dort auf der Bühne  in der O2 Arena abging, kann man nur schwer beschreiben. Kurz: Saustark, ein Knaller, Geil.

Auch wenn bis auf Jeff Wayne ist von den alten Recken keiner mehr dabei. Aber auch die neue Besetzung ist spannend und hochkarätig. Chris Speeding an der Gitarre (Motorbikin), Laurie Wisefiels (Wishbone Ash), Julia Thornton (u.a. Roxy Music) usw. Alle Musiker haben schon in den 70igern für viele Rockgrößen (T.Rex, David Bowie) gespielt. Gesanglich wurde auch einiges geboten. Will Stapelton (Jettblack) als Stimme der Menschlichkeit, ein großartige Rockröhre. Ricky Wilson (Kaiser Chiefs) beeindruckte als „The Artillery Man“. Die große Überraschung: Jason Donovan. DER! Jason Donovan? Genau der aus der Seifenoper Nachbarn, der zusammen mit Kylie Minogue gespielt und auch gesungen hat. Ende der 80iger und Anfang der 90iger hatte er ein paar Hits. Gestern Abend spielte er den Pfarrer Nathaniel und wie! Sehr bewegendes Duett.

Untermalt wurde die Show von Videoprojektionen, Filmsequenzen und einer Pyroshow, die einen schon mal zusammenzucken lies. Als dann noch ein Alienschiff (Tripod) auf der der Bühne erschien war die Illusion mitten drin zu sein fast perfekt. Man kann sicher streiten, ob es nun gut war Liam Neeson als Hologramm auftreten zu lassen, oder ob ein realer Schauspieler besser gewesen wäre. Ich fand es stimmig. Gesang, Musik, Show, alles zusammen ein Erlebnis. Das Preis Leistungsverhältnis hat gestimmt. Das aufwändig gestaltete Programmheft für 10€ ist ein nettes Erinnerungsstück. Ich würde mir das Musical noch mal ansehen. Nach gut zwei Stunden verschwanden die Marsmenschen wieder und ließen uns in einer unheimlichen Stille zurück.

Ein kleiner Ausschnitt: http://youtu.be/P80IZ8rA9cM

Uwe Abel

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Die Invasion – Der blanke Horror

Das Grauen kehrt zurück. Am 31.10.2012 ist es wieder so weit. Nein nicht Helloween bereitet mir Angst. Wie auch? Bin ich doch selbst gruselig genug. Meine Töchter und ich denken uns wieder fiese Dinge aus um die halbstarken Windelpupser von unserer Haustür zu vertreiben. Gerne erinnere ich mich daran zurück, als ich mich als Zombie verkleidet habe um mich wie eine Schlenkerpuppe draußen neben die Treppe zu setzen. Beim ersten klingeln erwach ich dann zum Leben muhahaha. Ich schwöre euch, solch Gekreische habt Ihr noch nie gehört. Von den Usan Bolt mäßigen Sprints mal abgesehen. Die Kids hatten nur noch einen Gedanke. „Nüsch wie wech“.

Der blanke Horror ist auch nicht die Tatsache, dass wir Reformationstag haben. Obwohl der alte Luther würde sich vermutlich im Grabe wälzen. Anstelle diesen Tag feierlich zu begehen, feiern wir ein fragwürdiges und heidnisches Fest. Was ist aber nun das blanke Grauen, was uns am 31.10. heimsucht? Immerhin ist es ein Mittwoch, also Bergfest.

Also in Brandenburg ist das ja ein Feiertag. Was folgt daraus? Das alle Brandenburger und Berliner, die in Brandenburg arbeiten frei haben. Maßgebend für die Freiheit ist nicht der Wohnsitz, sondern der Firmensitz. Daraus lässt sich schlussfolgern: Die Geschäfte in Brandenburg beleiben geschlossen. In Berlin dagegen haben alle Geschäfte auf.

Soweit so klar. Was macht nun der gelangweilte Brandenburger mitten in der Woche an seinem freien Tag? Stoppen gehen und das nach Berlin. Heuschreckenartig fallen die Brandenburger über die Berliner Kaufzentren her. Massen von kaufwütigen Menschen wälzen sich durch die Einkaufstraßen und verstopfen diese sowohl zu Fuß, als auch mit dem Auto. Die Geschäfte platzen aus den Nähten. Der normale arbeitende, der zur Arbeit muss oder beruflich unterwegs ist muss sich auf die Staudimensionen wie am Kamener Kreuz gefasst machen. Furchtbar. Mal kurz irgendwo hinfahren oder schnell was nach Feierabend einkaufen? Vergesst es. Sollte man doch irgendwo einkaufen müssen läuft man Gefahr dem Wahnsinn anheim zu fallen. Angefangen bei der Parkplatzsuche: „Komisch, wenn ich sonst am Mittwoch ins Fitnessstudio fahre ist der Parkplatz am Lindenufer doch leer“, über  Hin- und Hergeschubse und Gedränge im Kaufhaus bis zu den Monsterschlangen an den Kassen. ES wird der blanke Horror.

Am besten man bleibt zu Hause. Ich stelle hiermit den Antrag, dass der Reformationstag auch in Berlin ein Feiertag wird, denn nur so lässt sich das Grauen wirksam bekämpfen.

Uwe Abel

Zukunftsmusik?

Wir gehen zurück, weit zurück in eine Zeit ohne Internet. Damals wurden nicht täglich irgendwelchen witzigen oder satirischen Sachen gepostet. Da musste man sich noch mühsam bemühen etwas zu verbreiten oder man hatte halt ein Mega-Gehirn. Der folgende Text fiel mir beim Aufräumen des Kellers in die Hände und nicht nur dieser. Vermutlich stammt der Text aus der Zeit Anfang der 80iger Jahre. Vermutlich hing die Veröffentlichung mit dem ersten großen Erfolg der Grünen zusammen. Also mit dem Einzug der Grünen in den Bundestag 1983. Er wurde seinerzeit mühsam abgetippt und kopiert und verbreitet. Spannend finde ich was davon bereits ein Teil unser Gegenwart geworden ist. Der Ursprung liegt vermutlich in der linke/grünen Szene, evtl. auch im Bereich der Hausbesetzerszene.

Zukunftsmusik:

Guten Tag meine Damen und Herren, hier ist Radio Freies Berlin. Heute ist Dienstag, 20. Januar 2009. Sie hören die Nachrichten:

 Die Vorruhestandsregelung der Berliner Polizei hat nunmehr flächendeckend gegriffen. Als letzte Beamtin wurde die 35-jährige Ayse Yürgündoglu mit einer kleinen Feier im Rudi Dutschke Saal verabschiedet. Frau Yürgündoglu stellte sich anschließend spontan für die diesjährige Lübarser Müsli Ernte zur Verfügung.

Wie Schulsenatorin Danuta Drzyczibrzyla auf einer Pressekonferenz mitteilte, soll Deutsch auch weiterhin erste Fremdsprache an unseren Schulen bleiben. Gleichzeitig widersprach sie Gerüchten, wonach türkisch zur Amtssprache erhoben werden soll. Es sei nur nach knapp 10 Jahre nach Einführung des Polnischen als offizielle Amtssprache nicht an eine Änderung gedacht, auch solle Deutsch als Umgangssprache erhalten bleiben.

Wie aus dem Haus des Finanzsenators verlautet, betrug das Aufkommen der Kunstfaser- und Kunststoffsteuer (KuKSt) im vergangenen Jahr nur noch DM 327,68 DM. Damit habe die KuKSt den angestrebten Zweck erfüllt und sei überflüssig geworden. Über die Abschaffung der Steuer soll im Sommer des nächsten Jahres basisdemokratisch abgestimmt werden.

Der biologisch dynamische Gemüseanbau auf dem Gelände des ehemaligen Viertels konnte im vergangenen Jahr um 6,3% gesteigert werden, damit wurde das Plan-Soll um 4,2% überschritten. Der Überschuss soll zur Modernisierung einer Pflastersteinfabrik in Managua (Nicaragua) verwendet werden. Die Fabrik war 1987 a.a. Mit Unterstützung der Jusos errichtet worden.

Die Frittenbude an der Kreuzung Andreas-Baader-Str. Ecke Meinhof Damm hat als letzte den Verkauf von Bouletten eingestellt. Hier wie im gesamten Stadtgebiet werden in Zukunft nur noch Soja-Knackwürstchen und Grünkern-Bratlinge angeboten. Der erfolgreiche Abschluss, der von Gesundheitssenator Dr. med. Wurst initiierten Aktion soll heute mit einem Straßenfest rund um den Lausitzer Platz gefeiert werden, für das Bezirksbürgermeister Sülemanlz ein Fass Rhabarbersaft gestiftet hat.

Aus Platzgründen zieht die UFA-Fabrik zu Beginn des nächsten Jahres in die Räume des ehemaligen KaDeWe um. Der Pressesprecher der UFA-Fabrik teilte dazu mit, dass in der 6 Etage ein Probenraum für das LSO (Lesben- und Schwulenorchester) eingerichtet werden soll.

Wie die anti-imperialistische Schreberjugend mitteilt, hat sich die Maßnahme, den Flughafen Tegel nur noch von Brieftauben und Heißluftballons nutzen zu lassen, günstig auf das Paarungsverhalten der Süßwasserrobben im Tegeler Fließ ausgewirkt. Nur der Geräuschpegel der Rollschuhläufer auf der ehemaligen Landebahn 3 sei noch störend.

In der Eingangshalle des Internationalen Recycling Centrums (früher ICC) wird ab morgen die Ausstellung „20 Jahre Fortschritt – vom PKW zum Fahrrad“ gezeigt. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Alt-Bundespräsident Otto Schily, der zur Eröffnung mit dem Tretboot anreist.

Der Kraftfahrtbundesbeamte in Flensburg gibt bekannt, dass morgen die KFZ mit der Endnummer 07 zwischen 09:00 und 18:00 Uhr am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

 

Uwe Abel

 

Alles im grünen Bereich?

Nicht, wenn man die FDP befragt, bei der ist das ganze nicht mal im gelben Bereich. Die Piraten haben zugeschlagen und, um in der Piratensprache zu bleiben, die FDP Kogge auf den Grund des Wahlmeeres geschickt. Voll abgesoffen die FDP. Aber das ist nicht der einzige Erfolg der Piratenpartei. In jeder BVV sind sie vertreten und in Friedrichshain/ Kreuzberg werden Sie wohl sogar einen Stadtrat stellen.

Nicht so schön: Glaubt man den Statistiken, dann haben die Piraten den Grünen im Schnitt 2-3 Prozentpunkte geklaut. Da müssen wir Grünen uns etwas einfallen lassen. Dass rot-rot abgewählt wurde, finde ich aber wieder richtig gut. Das kann der Stadt nur zum Vorteil gereichen.

Auch in Spandau ziehen die Piraten in die BVV ein und erreichen Fraktionsstärke. Die CDU ist stärkste Kraft und wird 3 der 5 Stadträte stellen. Ungewiss ist die Wahl des Bürgermeisters. Obwohl der Wählerwille eindeutig für Röding spricht, wird wohl die SPD/Grüne Mehrheit Herrn Kleebank zum Bürgermeister küren. Obwohl es gibt keinen Fraktionszwang. Ich bin der Meinung die Herren der SPD, Grüne, Piratenpartei und auch der Bezirksverordnete der Linken sollten ihre Entscheidung nicht von der politischen Farbe abhängig machen. Herr Röding wäre auf jeden Fall die bessere Wahl.

Auch wenn es jetzt so klingen mag, Schadenfreude will ich hier nicht verbreiten. Trotzdem bin ich erleichtert, dass die SPD Kandidatin für das AGH aus dem WB Staaken nun endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen kann. Die Grünen haben zwar hinzugewonnen, hinken in Spandau dem Trend hinterher. Ich bin in der Hinsicht erleichtert, dass es nur bis Listenplatz 6 geeicht hat um in die BVV zu kommen. Die Insider wissen warum. Wenn jetzt Herr Röding noch Bürgermeister wird, bin ich persönlich zufrieden.

Uwe Abel

Reise zu den Sternen.

Berlin 1947, eine Stadt liegt in Trümmern. Es gibt kaum etwas, um etwas zu bauen. Keine Materialien, keine Maschinen. Trotzdem gab es Menschen die in dieser Alptraumlandschaft etwas bewegt und geschaffen haben. Leider sind diese Helden in Vergessenheit geraten.

Da war Hans Rechlin, Schauspieler. Ohne Aussicht auf Arbeit, verdiente er ein paar Pfennige damit, das er Leute durch sein Fernrohr sehen lies. Hier lernte er Hans Mühle, Mechaniker, kennen. Beide waren gerade aus Kriegsgefangenschaft entlassen und Hobbyastronomen.

Das Problem für beide, die einzigen Sternwarten lagen im russischen Sektor. So entstand die lächerlich anmutende Idee eine Sternwarte im westlichen Sektor zu bauen. Bloß woher nehmen? Eine Linse für ein mittelgroßes Teleskop hätte alleine 20.000 Mark gekostet.

Das war natürlich allein nicht zu stemmen. In der Nähe des Tempelhofer Flughafens wurde dann bald mit Hilfe von Schülern die Arbeit begonnen. Material wurde aus den Trümmern beschafft oder über den Schwarzmarkt. Hierfür opferten die beiden ihre Brotrationen. Geld war immer noch knapp und der Winter streng. Das teuerste waren die Linsen. Was für ein Glück, das Mühle Hermann Grandt kennen lernte. Der arbeitete in einer Schokoladenfabrik und hatte als Hobby, dass schleifen von Linsen. Natürlich schliff er die Linsen für Rechlin und Mühle.

Im Frühjahr 1948 war das erste Teleskop fertig. Kosten 3 Mark für das Schweißen eines alten Ofenrohrs als Tubus. Viele Berliner wollten sich das ansehen und auch Vorträge anhören. Für eine Mark im Monat konnte man daran teilnehmen. Die Zahl der Helfer wurde mehr. Inzwischen hatten Rechlin und Mühle 8 Teleskope konstruiert. Für eines braucht man einen Spiegel von 30 Zentimeter Durchmesser. Grandt traute sich das schleifen zu, wenn man ihm eine besonders dicke Glasplatte besorgen würde. Diese fand man in den Trümmern des Aquariums, eine Glasscheibe eines Fischbeckens.

Inzwischen waren auch andere Sternwarten und die Fachwelt auf das „Projekt“ aufmerksam geworden. 1950 gerieten Mühle und Rechlin in große Aufregung. Rechlin hatte unter den Trümmern der Urania Sternwarte ein 6 Meter langes Teleskop mit 30 Zentimeter Spiegel gefunden. Doch der Transport gestaltete sich schwierig, der Sockel alleine wog eine Tonne. Erst im Sommer 1952 sollte das Teleskop aufgestellt werden. Das sollte Rechlin leider nicht mehr erleben. Er verstarb, als er am Ende seiner Kräfte war. Alles zu Ende? Der Berliner Senat sprang ein und unterstütze Mühle und die Sternwarte mit jährlich 25.000 Mark. Viel Geld für die verarmte Stadt.

Nun wissen wir welchen vergessenen Helden die Wilhelm-Foerster Sternwarte zu verdanken haben. Eine der größten „Volkssternwarten“ der Welt.

Uwe Abel
Quelle: Wikipedia und Readers Digest „Das große Jugendbuch von 1960“