Archiv der Kategorie: Musik

Jim Steinmann und die Ohrwürmer

Verdammter Ohrwurm! Da bohren sich schon die ersten Töne tief in mein Gehirn und lösen einen Zwang aus jedes Wort mitzusingen.  Die direkte Folge ist, dass mir der Song die nächsten Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. Selbst mehrmaliges Hören der Schallplatte hilft nicht.  Zuletzt ist mir das passiert als Thomas beim Music Quiz „Bat out  of Hell“ von Meat Loaf spielte. Jedes Wort kann ich mitsingen, ein epischer, mitreißender Song. Meat Loaf hat viele gute Songs gemacht aber das Album bleibt der Überhammer. Der Song läuft auf meiner Beerdigung. Wobei die Sache hat einen Haken.

Meat Loaf sing den Song zwar aber geschrieben hat ihn ein Anderer; Jim Steinman. Steinmann ist ein Multitalent.  Er prägte und schuf den Begriff Wagnerian Rock in Anlehnung an Richard Wagner. Bei vielen klingelst vermutlich immer noch nicht. Steinmann ist Solokünstler, Produzent, Komponist  und Songwriter.

Er war nicht nur als Komponist für Meat Loaf und später auch als Produzent tätig.  Auch Bonny Tyler und Fire Inc. hat er produziert. Weitere musikalische Größen finden wir in seiner Vita wieder: Celine Dion, Boyzone, Take That und Oha! Floodland von Sisters of Mercy hat er auch produziert. Es mag sich nicht viel anhören was er so kreativ auf den Weg gebracht hat, aber er war immer sehr erfolgreich.

Nun ja mit einer Ausnahme.  Sein Solo Album wurde nicht so großartig wahrgenommen.  Das Album Good for Bad sollte eigentlich ein Meat Loaf Album werden. Der hatte aber stimmliche Probleme. Das Album floppte also. Trotzdem wurden die Songs von diesem Album populär. Zum Beispiel erschienen  Rock and Roll Dreams Come Through“, „Out of the Frying Pan (And Into the Fire)“ und „Lost Boys and Golden Girls“ erschienen auf Bat out of Hell II: Back into Hell.

Auch im Musical Tanz der Vampire finden sich Steinmans Songs wieder, unter anderem Total Eclipse of the Heart und Objects in the rear view mirror may appear closer than they are. Wie auch immer eine Reise in den Kosmos von Steinmann lohnt sich auf jeden Fall.

Hörproben gefällig?

 

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Alles Roger? Waters oder ist das wirklich das Leben was wir wollen?

Die Musik von Pink Floyd hat mich geprägt und nachhaltig beeindruckt. Das führt mitunter zu Entzugserscheinungen. Der Gesang von Waters, die Gitarrenriffs von Gilmour. Noch heute wird bei Wish you were here, Animals, The Wall, Dark Side auf the Moon und fast allen anderen Scheiben wird mir doch ganz warm ums Herz. Das Problem ist da kommt nichts Neues mehr. Ja okay, es gibt eine Menge Erben, die in die Fußstapfen treten wollen. I vigilante von Crippled Black Phönix zum Beispiel. Aber es ist nicht dasselbe.  Auch das Letze Werk der Restetruppe um Gilmore Endless River wusste nicht so recht zu überzeugen.

Was bleibt? Waters! Roger Waters. Wohl der politischste aller Floyds. Der kommt mit einem neuen Werk um die Ecke. Überraschen und unerwartet.  Die Doppel LP liegt mir als 180gr. Pressung vor.  Dass es politisch wird erkennt man schon am Cover. Geschwärzte Textpassagen lassen lediglich die Worte „is this the life we really want“ ?Eine gute Frage. Ein Leben ohne Pink Floyd wäre möglich aber sinnlos? Sorry Loriot. Übrigens lohnt es sich auch die Innenhüllen genauer zu studieren. Mehr wird nicht verraten.

Ich hatte ja schon den Titel „ Smell the roses“ gehört. Dementsprechend hoch war mein Erwartungshaltung und die Vorfreude.

Deja Vu beginnt mit gesprochenen Text und Effekten, ganz Floyd typisch.  Dja Vu, eine Mischung aus Wish You here und the Wall. Starkes Stück mit Geigen.  Natürlich nimmt sich Rogers des Themas Flüchtlinge an. The Last Refugee kann man einwandfrei dem Floydschen Cosmos zu zuordnen. Aber der Song ist kein Abklatsch des Gewesenen, sondern die logische Weiterentwicklung.

Picture this geht musikalisch auch mal kurz in die Zeit von Meddle zurück, mit einem sehr modernen Riff im Refrain.  Meine Lieblingszeile im Text.“ Picture a leader, with no fucking Brains“. Daneben ein Bild von Trump. Der Song verbindet gleich mehre Scheiben von Floyd und lassen vermeintlich alte Phrasen im neuen Licht erstrahlen. Broken Bones ist wieder akustischer. Die Stimme von Waters sehr eindringlich. Starker Text,  sehr emotional:“  We can not turn Back the clock, can not go back in Time. But we can say Fuck You we will not listen to your bullshit and your Lies“!

Wer glaubt das Pink Floydet jetzt so vor sich hin wird spätestens beim Titeltrack überrascht. Hier trifft Leonard Cohen auf Jean Michel Jarre. Ein dramatischer Track, eindringlich. Bird in the Gall ist rockiger und nicht so pathetisch. The most beutyfull Girl ist eher ein schwacher Song, aber er stimmt irgendwie sehr nachdenklich hier lohnt sich das genaue Zuhören.

Das erwähnte Smell Roses hat es nicht um sonst in die Charts geschafft. Rockiger Floyd Sun mit der unverwechselbaren Stimme von Waters. Wait for her nimmt den melodramitschen Faden wieder auf. Waters haucht die Zeilen mehr, etwas ruhiger. Part of me died schließt das Album mit sehr dramatischen Klängen.

Nach den letzten Tönen bleibe ich etwas nachdenklich zurück. Ich hatte mehr erwartet, oder?  Teilweise ist das Werk in der Tat Waters auf meine Pink Floyd Mühlen. Anderseits merkt man deutlich dass Waters ein wesentlicher Teil von Floyd war, aber ohne die Gitarre und den Gesang von Gilmour nicht wirklich die Lücke schließen kann.  Waters hat musikalische und geniale Höhepunkte zu bieten, ist aber von der Klasse der Pink Floyd Alben relativ weit weg. Anders gesagt, ein Doppelalbum hätte  es nicht sein müssen.

Uwe P.F. Abel

Unverkäufliches Muster

Nach langem Hin und Her habe ich dann doch angefangen. Nachdem Tobias Lettow mir die Vorzüge von Discogs schmackhaft gemacht hatte, war ich nun schon fleißig dabei meine mehr oder minder wertvollen Scheiben in die Datenbank einzugeben. Dies ging relativ flott und einfach. Einfach die Nummer auf der Platte eingeben und, Zack fertig. Es gab zwar einige freudige Überraschungen und auch einige etwas Unerfreuliche, was den Wert anging, aber es gibt schlimmeres. Wie gesagt alles ging gut bis…………(wie es weitergeht erfahren Sie im nächsten Absatz)!

……….ich bei Hardrock/Heavy Metall angekommen war. Genau genommen bei den sogenannten Samplern. Es war die letzte Platte der Rubrik. Weißes Cover, dass heißt da stand weniger als nichts drauf, nämlich GAR NICHTS! Also kein Titel, keine Band. Immerhin gab das Label etwas Aufschluss. Die Platte hieß „Unverkäufliche Musterplatte“ Merkwürdigerweise waren beide Geschwindigkeiten angegeben und das die Scheibe bei Sonopress gepresst wurde. Auch in der Auslaufrille konnte ich keine weiteren Hinweise entdecken. Ich hielt also eine Promoplatte, eine Testpressung in den Händen. Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr erinnern wann ich diese Scheibe erworben hatte. Ich denke es war auf einem Flohmarkt, ich liebe ja das Risiko. No Risk, no Fun. Wie sehr der Spruch zutreffend ist, werden wir noch sehen (Achtung Spoiler)!

Also schnell auf den Dreher damit und reingehört. Hmmmmmm, guter Metall, Trashelemente, geile Solis und etwas Doom war auch dabei. I like it. Titel unter anderem Bury my Heart, Legend oft he Kings und War Child, wenn man dem Refrain vertrauen möchte. Im Übrigen eine Superpressung, mit tollen Stereo Effekten. Nur der Interpret dieser doch recht gelungenen Scheibe fiel mir nicht ein. Aber man ist ja nicht blöde, also erst mal Discogs gefragt, dann Google usw. nichts. Weder Titel noch Textzeilen waren zu finden. Nächste Stufe: Shazam, diese App soll ja angeblich die Titel beim Zuhören erkennen. Das Ergebnis war wieder deprimierend. Inzwischen spekulierte ich. Es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder wurde diese Scheibe nie offiziell veröffentlich oder es ist eine vergessene Band gewesen, die es dann doch nicht geschafft hat. Nächste Hoffnung war mein Freundeskreis und mein lokaler Plattendealer. Also schnell mal ein paar Aufnahmen mit dem Handy geschnitten und über die sozialen Netzwerke verteilt. Tipps kamen einige, der richtige war nicht dabei. Danke Freunde, ihr habt euch echt Mühe gegeben.

Beim erneuten Hören viel mir dann aber doch irgendwas in der Auslaufrille auf. Im richtigen Winkel zum Licht und mit Lupe waren Ziffern zu erkennen. 005 DMD-4779. Diese Nummer mit dem Zusatz Sonopress hackte ich noch mal bei Google rein und TATA……ich hatte ein Ergebnis. Schnell noch mit YouTube gegen geprüft und ja gefunden, Treffer!

Die Band heißt „Risk“, die Lp von 1990 heißt Dirty Surfaces und bevor ich euch noch erzähle wie toll die Scheibe ist, hört einfach mal rein. https://youtu.be/NE8_cn4sCdA

Das Risiko (Risk) hat sich im wahrsten Sinne des Wortes gelohnt. Trotzdem werde ich mir wohl noch die reguläre Version besorgen, alleine schon wegen des Covers.

Uwe „no Risk“ Abel

Flohmarkthunter

Lange ist es her, sehr lange. Also so mindestens 15 Jahre, das ist auf der Jagd war. Meine letzten Erfahrungen auf den Flohmärkten waren nicht so positiv. Ich wäre wohl auch nicht gegangen, wenn meine Tochter mich nicht dazu animiert hätte.

Akt 1:
Wir besuchten den Flohmarkt in Dallgow im Havelpark. Meine Güte war der voll. Ich war guter Hoffnung vielleicht die eine oder andere Schallplatte zu erstehen, wogegen mein Tochter sich auf Videogames konzentrierte. Es gab offensichtlich viele gewerbliche Händler und wenig private Verkäufer. Mit Schallplatten waren gar nicht so viele vor Ort. Die gewerblichen Schallplattenhändler erkennt man daran, dass die Platten alphabetisch oder nach Rubriken sortiert sind und meistens in Plastikhüllen stecken. Die Herrschaften wissen natürlich auch was sie für Schätze haben und was diese wert sind. Dafür kann man sich dann aber auch in der Regel auf eine gute Qualität freuen. Für mich nur interessant, wenn ich was ganz bestimmtes suche.

In der Regel liebe ich aber das Risiko und möchte echt ein Schnäppchen machen. Was mir aber dort begegnete war echt das Grauen. Wie die Herrn mit dem schwarzen Gold umgehen, fruchtbar. So sahen die Scheiben auch aus. Echt nicht zu empfehlen. Ich wollte schon resignieren, aber einen Stand habe ich dann doch noch gefunden. Am bunten Produktportofolio war zu erkennen, dass es sich um einen Hobbyverkäufer handelt. Zwei Kisten mit Schallplatten standen auf dem Tisch, zwischen allerlei Krimskram. Wie zu erwarten, war erst mal nichts Besonderes in der Kiste, hauptsächlich Massenware, bis auf….

…..tja bis auf eine Werbeschallplatte von Bayer Organica. Künstler der leider verstorbene Tomita. Mag jetzt nicht so spannend klingen, aber das Teile ist limitiert. Hinten auf dem Cover stand halt die Nummer 176, mein persönliches Exemplar. Genau MEINS! Denn für nur 4 Euro konnte ich die Rarität erstehen. Gehandelt wird das Exemplar noch nicht sehr hoch, aber was nicht ist kann noch werden. Es wird auch nicht den Status der Oxygene / Dräger Werbegeschenkplatte erreichen, aber dafür ist die Qualität neuwertig.

2. Akt:
Diesmal war ich zuerst auf dem 17.Juni. Kannste vergessen. Nur Profis, die teilweise völlig überzogene Preise haben. Der Einzige der anscheinend privat da war, hatte nur zerkratzte Scheiben oder Mondpreise. Also nächster Markt. Der Flohmarkt in Siemensstadt ist für Plattensammler wie mich gar keine Reise wert. Da gibt es weniger als Nichts, nämlich gar Nichts. Auf dem Rückweg kamen wir noch an der Trödelhalle vorbei. Diese hat fast ständig auf und hat am Wochenende noch einen klein Flohmarkt vor der Tür. Also rein da.
Mein Gott. Was für ein Gerümpel und so staubig. Trotzdem wanderten wir einmal durch und stießen doch tatsächlich auf ein paar Kisten mit Schallplatten. Beim Verkäufer war ich mir nicht so sicher ob er Ahnung hatte oder nicht. Immerhin sauber sortiert, wenn auch nur nach Stilrichtung. Hauptsächlich wieder Massenware. Dann zog ich das Debüt von Latin Quarter aus der Kiste. Die LP mit dem Hit Radio Africa wollte ich schon immer haben. Bloß…., welcher Idiot hat da was auf die Hülle geschrieben? Sah wie ein Widmung aus, so ein Dankeschön Geschenk quasi. Damit lag ich nicht so ganz falsch. Ich entzifferte zwei Unterschriften und googgelte sie. Das Ergebnis beschleunigte meinen Puls. Die LP war eindeutig von allen Original Bandmitgliedern signiert. Endgültige Klarheit brachte ein beiliegendes Schreiben von Herrn Rahtje von RCA, das besagte LP ein Dankeschön der Band an das Management wäre. Zusätzlich enthielt diese Promoscheibe noch Textkomentare und ein Tourzine. Wie sich herausstellte wusste der Händler nicht, was er da vor sich hatte. Für nur 6,00 Euro wechselte diese LP mit Wertsteigerungspotential den Besitzer. Geht doch.

Stöbern auf dem Flohmarkt lohnt sich doch. Mein Jagdtrieb ist wieder voll erwacht.

Uwe „The Hunter“ Abel

In meiner Hose- Gratis

Punk? Was ist Punk? Post Punk Fun Punk oder Hardcore, die Schubladen der Post Punk Generation sind zahlreich, aber wenn interessiert ist. Punk ist hat eben nicht nur wütender Krach von mehr oder weniger talentierten Musikern, nein Punk ist ein Statement, eine Aussage und mitunter auch politisch. Punk ist auch, dem Musikestablishment den berüchtigten und berühmten Stinkefinger zu zeigen. Genau das haben die Falkenseer Jungs aus Falkensee getan. In einer Zeit, wo der Deutsch Punk fast nur noch von Plattenmillionären und den Radiostationen in die Charts gepusht werden, bringen sie Prototyp ihre EP als Gratis Download auf den Markt. Wie sangen die Ärzte, die anscheinend im Moment nicht mehr aktiv sind:“ Ist das noch Punkrock -Wenn euer Lieblingslied in den Charts ist“?

Nun in die Charts haben es die Jungs von Prototyp noch nicht geschafft, mit Betonung auf noch. Potential ist da vorhanden, auf jeden Fall. Aber zur EP. Die kommt als unplugged Version, also mit ohne Strom. Für viel ist das ja schon ein Widerspruch zur Punkattitüde. Für mich nicht. Wichtig ist für mich immer ein gewisser Widererkennungswert der Musik, aber ohne sich selbst zu kopieren. Diese Aufgabe hat Prototyp erfüllt. Es lässt sich zwar nicht verleugnen, dass die Jungs anscheinend zurzeit eine gewisse Vorliebe für die Ärzte haben, das wirkt sich aber positiv auf die Musik aus.
So benutzt Prototyp für das Intro einen witzigen Text und würzt den ersten Track mit Filmzitaten. Kontrolle stammt eigentlich von Ihrer ersten EP und wird hier in der Akustik Version präsentiert. Eingängiger Refrain, kraftvoll und der Song verliert bei angemessener Lautstärke nichts von seiner Dynamik. Empfohlene Lautstärke: Wohnzimmerlautstärke, d.h. so des es noch der Nachbar in seinem Wohnzimmer hören kann. Leichte Abzüge in der B Note gebe ich, weil…..nun ein Filmzitat weniger hätte es auch getan, aber das kann man getrost ignorieren.
Der Track Küss sie wird nur auf dieser EP zu finden sein und ist eine echte Rarität. Öh nö du, echt jetzt? Ein Liebeslied? Ja, die Jungs sind ja Gott sei Dank nicht Andrea Berg oder Helene Fischer, die ihren Liebeskummer vom Teleprompter ablesen um damit das Publikum anzuschnulzen. Küss sie geht ins Ohr und in die Gliedmaßen. Man muss einfach mitnicken und mitwippen. Eine Hymne für alle Schüchternen. Schöner Text, wirklich!
Der letzte Track ja, den hätte ich nun wirklich von den Ärzten erwartet. Prototyp machen hier den nächsten Schritt. Mit „Danke Merkel“ zeigt Prototyp den besorgten Bürgern, Pegida und AFD auf charmante Weise wie blöd sie sind. Bedauerlicherweise werden diese die feine Ironie und den unterschwelligen Sarkasmus nicht begreifen. Macht nichts, mir gefällst. Der Track wird auch auf der zukünftigen CD erscheinen. Ich freu mich auch darauf den mal Live zu hören und dann mit vollem Brett als mit Strom.
Prototypen haben sich weiterentwickelt, musikalisch, textlich und als Ganzes. Die EP ist ein Appetizer, der Lust auf noch mehr macht. Die abschließende Frage: „Ist das noch Punk Rock“? Kann und muss man mit einem klaren: “Ich denke schon“! beantworten.

Hier der Download Link. Ich empfehle die limitierte WAV Edition. http://prototyp-band.de/inmeinerhose/