Archiv der Kategorie: Lieblingsscheiben

Meine Lieblingsscheiben auf Vinyl

Der Uhrwald lebt! Auf zur wilden Jagd

Vor gut zwei Jahren stand ich im Lido und wartete auf die Fehlfarben. Vorher musste man sich aber erst noch die Vorband antun. Da war ich Vorfeld etwas skeptisch. Naja lange Rede und überhaupt kein Sinn. Die Kapelle hat michdermaßen beeindruckt, dass ich mir sofort den aktuellen Long Player, noch vor Ort zugelegt habe. Die Wilde Jagd hat mich nachhaltig beeindruckt und so wartete ich sehr sehnsüchtig auf den nächsten Output von Sebastian Lee Phillip und Ralf Beck. Der liegt nun vor mir und dreht auf dem Project III seine Runden.

Da man inzwischen ja nicht ohne Schubladen auskommt hat die Musikwelt der wilden Jagd das Label Neo-Krautrock Psychedelisch aufgedrückt. Nur diese Schubladen gehen nicht zu. Das Werk passt nur teilweise in die Schublade. Uhrwald Orange (Nettes Wortspiel)nennt sich die Doppel-LP, die im Gegensatz zum ersten Werk doch tatsächlich Stücke von 10 Minuten und länger enthält.  Nun gut Krautrock war ein Oberbegriff, wie seinerzeit die NDW, unter der sich viele Musikstile versammelten, auch wenn die Protagonisten es selbst nicht wollten. Die wilde Jagd passt am ehesten in den Bereich der Düsseldorfer Schule. Musik als Riechmann, Neu und LA Düsseldorf. Aber auch Kraftwerk, Amon Düül , Can, Faust. Man spürt den Einfluss, hört und sieht ihn aber nicht immer direkt. Es ist als würde unter der Oberfläche ein musikalischer Kosmos existieren, der sich erst beim intensiven oder mehrmaligem Hören wirklich entfaltet.

Schon der erst Track zieht einen unwillkürlich in seinen Bann. Flederboy. Der Loop ist alles ohne Loop ist alles nichts. Minimalistisch, instrumental und herrlich tanzbar. Horden von Batmans tanzen im Disco Nebel. Eine homogene Masse. Morgen höre ich das mal auf der langen Fahrt im Auto, der Track treibt einen zum Ziel. Hmm, Sex. ´Ja Sex könnt man(n) oder Frau auch dazu haben.  Schon fast hypnotisierend.  Schlappe 15:36 läuft das Teil.

Der zweite Track 2000 Elefanten ist einer von Drei nicht rein instrumentalen Titeln.  Die Texte sind echt stark. Lyrik, surreal poetisch auf hohem Niveau „Gellend in die Nacht hinein, Schlägt ein Herz aus Elfenbein. Es verrät dem Heer aus Sand, Was der Mann im Mondfeld fand“. Textlich lohnt sich das genaue Hinhören.  Auch der Track groovt, Die Gitarre dominiert zum Anfang bis der Beat wabernd in deinen Gehörgang strömt und das träge Blut zum blubbern bringt. Dazu eine Priese orientalische Folklore, passt!

Stangentanz ist etwas experimenteller und enthält verschieden  Phasen  die anschwellen und wieder absteigen.  Dem schließt sich fremde Welt fast nahtlos an. Monotoner Anfangsbeat mit sphärischem ansteigendem Raunen. Es knarzt und wabert. War es Noch so dass man am Anfang an La Düsseldorf erinnert wurde fühlt man  sich hier in den Cosimos von Can und Amon Düül versetzt.  Dann klingelt der Wecker Zwischenspiel wird eingeleitet nun endgültig der experimentelle und spannend Höhepunkt dieser LP Seite.

Mystisch geht es weiter. Der Eingang in den Kreuzgang beginnt Folkig. Dieser Track hat eine Dramaturgie, der man sich nur schwer entziehen kann. Die wilde Jagd malt Bilder mit ihrem Sound, die einen fesseln, weil mir im nächsten Moment schon wieder ein mystisches, gespenstisches Detail entdeckt. Bei Kreuzgang wartet man  auf den Moment wo man den Mittelpunkterreicht und alles im grellen Licht explodiert. Quasi den multiplen Auralen Orgasmus.  Und dann hört man den Chor und denkt man ist im Himmel. Zeitlos, raumlos unglaublich.

Ginsterblut ist dann wieder textlich untermalt. Die Musik rückt etwas nach hinten.  Leichter Folk mit Mittelalterflair. Minnegesang in modernem Gewand. Säuregäule läutet die Letze Runde ein. Inzwischen sind wir bei dem von Tangerine Dream und Klaus Schulze beeinflusstem Sound angekommen. Der Kreis schließt sich. Treibend groovend.  Der Titeltrack rundet das Album ab. Ich war’s haucht es in den Uhrwald. Der Elektrodschungel lebt. Noch einmal ziehen hier die Wilde Jagd alle Register und verströmen Ihre Kreativität.  Es ist wie etwas zum Leben erwacht und dann? Ein Liebeslied?  Spoken Word: „ Warst Du der Donner  der mich weckte und der Regen der mich nährte“?  was für ein epischer Abschluss.

Die wilde Jagd nimmt uns mit auf eine Bilderreise. Gemalte Fantasien mit Musik. Mystisch, gespenstisch, geheimnisvoll Klangfarben und Szenarien, die sich einfach unwiderstehlich ins Bewusstsein drängen. Die einen fordern und fesseln.  Einen auch in Bewegung setzen oder zum Nachdenken anregen. Textlich irgendwo zwischen Theodor Storm Hölderlin und Hermann Hesse. Davon könnte es ruhig mehr geben. Das ist die logische Fortsetzung dessen was als Krautrock in den 1970igern entstand.

 

 

Uwe „The Hunter“  Abel

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Ja der Franz, Ferdinand kanns

Im Jahre 2004 erschien das Debutalbum von Franz Ferdinand. Nicht nur die Single Auskoppelung Take me out begeisterte mich und die Musikwelt. Das aufgedrückte Label Brit Pop passt so gar nicht, das war mehr, neu und  Innovativ. Der Sound der Post Punk Ära schwang genauso mit wie etwas Disco, Soul und New Wave. Es ist ein Album für die Ewigkeit und belegt dort Platz 24 der Liste vom Magazin Vision.  Tja, nach dem zweiten Album habe ich die Band aus den Augen verloren. Irgendwie waren die folgenden Werke nicht mehr so spannend.

Erst 2015 hörte ich wieder mal bei der Band rein. FFS nannte sich das Projekt und war eine Zusammenarbeit mit den von mir sehr verehren Sparks.  Es sah so aus als würde die Band in neuer Besetzung neue Wege gehen. Die Platte steht auf jeden falls noch auf dem Wunschzettel. Es sollte aber nochmal drei Jahre bis Franz Ferdinand ein neues Album auf den Markt bringen sollte.

Jetzt liegt mir also Always Ascending vor. Eine limitierte Edition in blue/white  Marble inklusive einer Tasche, Poster, Download Code, einer aufwendigen Textbeilage  und signiertem Fotoprint. Sehr edel  und liebevoll gestaltet. Aber es kommt ja auf die inneren Wert an.  Halten die 10 Stücke das was Sie versprechen?

Ein klares Jain! Der Titeltrack war mir am Anfang zu elektropoppig. Der zündet nicht so richtig. In mir wuchsen Befürchtungen, dass ich hier einen ähnlichen Totalausfall wie die letzten U2 Alben oder das letzte Fallout Boy Album auf dem (Platten)Teller hatte.  Meine Gefühlslage ändert sich schlagartig mit Lazy Boy. Spannender Song mit 2:59 auf das wesentliche reduziert, mit einem an Funkytown erinnernden Gitarrenriff  im Take me Out Gewand.

Paper Cages setzt diesen Stil fort. Einprägsame Melodie, eindringlicher Gesang,  Talking Heads, Cure, eine Verbeugung vor den Helden der Postpunk Ära.  Wie alle Songs von FF lebt auch Finaly vom Wechsel. Soft, fast schon atmosphärischer Lyrik mit rockigem Breaks. Nicht das stärkste Stück aber überraschend.

Dann wird es Balladesk, The Academy Award, vorgetragen mit dunkler Stimme, fast schon zärtlich, übergehend in einen schon fast epischen Refrain. Okay, hier ist deutlich der Einfluss der Sparks zu hören. Fehlt nur noch der Gesang von Ron Mael. Lois Lane hat mich schon wegen des Titels neugierig gemacht. Der Song hat etwas von Spandau Ballett und irgendwie geht mir hier nicht das Bild eines jungen Brian Ferry von Roxy Music aus dem Kopf. Etwas zu viel Pop für meinen Geschmack, aber die die Melodie geht mir nicht mehr aus der Hirnrinde.

Dafür entschädigt mich Huck und  Jim.  Der rock wirklich. Gitarren verzerrte Gitarrenriffs. Kritischer Text und  emotionaler Refrain. Die Wechsel  im Rhythmus, der wechselnde Gesang. Sehr kreativ.  Bei Glimpse of Love übernehmen die analogen Synthis wieder die Führung. Alles untermalt vom typischen FF Beat und dem eindringlichen Gesang.

Ebenso bei Feel the Love Go. Eingängige Melodie, wieder ein Gitarrenriff das leicht funky angehaucht ist und ja, man hat hier schon das Gefühl, das sich Franz Ferdinand hier wiederholen, sich selbst zitieren. Slow Don´t kill mir slow ist dann wieder eine völlige Überraschung. Eine Nummer, die durchaus auch von Morrisey hätte kommen können.  Da kann man sich schon mit geschlossenen Augen wo anders hinträumen.

Fazit:

Always Ascending von Franz Ferdinand bekommt von mir 4 von 5 Sternen. Fängt etwas zu Electropoppig an. Manchmal, fühlt man sich an das Debut erinnert. Vielleicht zitieren sich FF an der einen oder anderen Stelle zu oft selbst. Das garantiert aber auch einen hohen Wiedererkennungswert. Das Album enthält aber durchaus überraschendes Bereit. Die  Helden der New Wave Zeit,  an Talking Heads, Morrisey, Spandau Ballet usw. Lazy Boy, mit dem Funkytown Riff hat mich völlig überrascht.  Der Einfluss von den Sparks ist nicht zu aufdringlich aber hat Franz Ferdinand gut getan. Always Ascending wird sicherlich kein Album für die Ewigkeit, wird aber noch öfter auf dem Plattenteller landen. Ich bin sicher, dass sich die ganze Bandbreite erst nach mehrmaligem Hören erschließt.

Alles Roger? Waters oder ist das wirklich das Leben was wir wollen?

Die Musik von Pink Floyd hat mich geprägt und nachhaltig beeindruckt. Das führt mitunter zu Entzugserscheinungen. Der Gesang von Waters, die Gitarrenriffs von Gilmour. Noch heute wird bei Wish you were here, Animals, The Wall, Dark Side auf the Moon und fast allen anderen Scheiben wird mir doch ganz warm ums Herz. Das Problem ist da kommt nichts Neues mehr. Ja okay, es gibt eine Menge Erben, die in die Fußstapfen treten wollen. I vigilante von Crippled Black Phönix zum Beispiel. Aber es ist nicht dasselbe.  Auch das Letze Werk der Restetruppe um Gilmore Endless River wusste nicht so recht zu überzeugen.

Was bleibt? Waters! Roger Waters. Wohl der politischste aller Floyds. Der kommt mit einem neuen Werk um die Ecke. Überraschen und unerwartet.  Die Doppel LP liegt mir als 180gr. Pressung vor.  Dass es politisch wird erkennt man schon am Cover. Geschwärzte Textpassagen lassen lediglich die Worte „is this the life we really want“ ?Eine gute Frage. Ein Leben ohne Pink Floyd wäre möglich aber sinnlos? Sorry Loriot. Übrigens lohnt es sich auch die Innenhüllen genauer zu studieren. Mehr wird nicht verraten.

Ich hatte ja schon den Titel „ Smell the roses“ gehört. Dementsprechend hoch war mein Erwartungshaltung und die Vorfreude.

Deja Vu beginnt mit gesprochenen Text und Effekten, ganz Floyd typisch.  Dja Vu, eine Mischung aus Wish You here und the Wall. Starkes Stück mit Geigen.  Natürlich nimmt sich Rogers des Themas Flüchtlinge an. The Last Refugee kann man einwandfrei dem Floydschen Cosmos zu zuordnen. Aber der Song ist kein Abklatsch des Gewesenen, sondern die logische Weiterentwicklung.

Picture this geht musikalisch auch mal kurz in die Zeit von Meddle zurück, mit einem sehr modernen Riff im Refrain.  Meine Lieblingszeile im Text.“ Picture a leader, with no fucking Brains“. Daneben ein Bild von Trump. Der Song verbindet gleich mehre Scheiben von Floyd und lassen vermeintlich alte Phrasen im neuen Licht erstrahlen. Broken Bones ist wieder akustischer. Die Stimme von Waters sehr eindringlich. Starker Text,  sehr emotional:“  We can not turn Back the clock, can not go back in Time. But we can say Fuck You we will not listen to your bullshit and your Lies“!

Wer glaubt das Pink Floydet jetzt so vor sich hin wird spätestens beim Titeltrack überrascht. Hier trifft Leonard Cohen auf Jean Michel Jarre. Ein dramatischer Track, eindringlich. Bird in the Gall ist rockiger und nicht so pathetisch. The most beutyfull Girl ist eher ein schwacher Song, aber er stimmt irgendwie sehr nachdenklich hier lohnt sich das genaue Zuhören.

Das erwähnte Smell Roses hat es nicht um sonst in die Charts geschafft. Rockiger Floyd Sun mit der unverwechselbaren Stimme von Waters. Wait for her nimmt den melodramitschen Faden wieder auf. Waters haucht die Zeilen mehr, etwas ruhiger. Part of me died schließt das Album mit sehr dramatischen Klängen.

Nach den letzten Tönen bleibe ich etwas nachdenklich zurück. Ich hatte mehr erwartet, oder?  Teilweise ist das Werk in der Tat Waters auf meine Pink Floyd Mühlen. Anderseits merkt man deutlich dass Waters ein wesentlicher Teil von Floyd war, aber ohne die Gitarre und den Gesang von Gilmour nicht wirklich die Lücke schließen kann.  Waters hat musikalische und geniale Höhepunkte zu bieten, ist aber von der Klasse der Pink Floyd Alben relativ weit weg. Anders gesagt, ein Doppelalbum hätte  es nicht sein müssen.

Uwe P.F. Abel

Unverkäufliches Muster

Nach langem Hin und Her habe ich dann doch angefangen. Nachdem Tobias Lettow mir die Vorzüge von Discogs schmackhaft gemacht hatte, war ich nun schon fleißig dabei meine mehr oder minder wertvollen Scheiben in die Datenbank einzugeben. Dies ging relativ flott und einfach. Einfach die Nummer auf der Platte eingeben und, Zack fertig. Es gab zwar einige freudige Überraschungen und auch einige etwas Unerfreuliche, was den Wert anging, aber es gibt schlimmeres. Wie gesagt alles ging gut bis…………(wie es weitergeht erfahren Sie im nächsten Absatz)!

……….ich bei Hardrock/Heavy Metall angekommen war. Genau genommen bei den sogenannten Samplern. Es war die letzte Platte der Rubrik. Weißes Cover, dass heißt da stand weniger als nichts drauf, nämlich GAR NICHTS! Also kein Titel, keine Band. Immerhin gab das Label etwas Aufschluss. Die Platte hieß „Unverkäufliche Musterplatte“ Merkwürdigerweise waren beide Geschwindigkeiten angegeben und das die Scheibe bei Sonopress gepresst wurde. Auch in der Auslaufrille konnte ich keine weiteren Hinweise entdecken. Ich hielt also eine Promoplatte, eine Testpressung in den Händen. Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr erinnern wann ich diese Scheibe erworben hatte. Ich denke es war auf einem Flohmarkt, ich liebe ja das Risiko. No Risk, no Fun. Wie sehr der Spruch zutreffend ist, werden wir noch sehen (Achtung Spoiler)!

Also schnell auf den Dreher damit und reingehört. Hmmmmmm, guter Metall, Trashelemente, geile Solis und etwas Doom war auch dabei. I like it. Titel unter anderem Bury my Heart, Legend oft he Kings und War Child, wenn man dem Refrain vertrauen möchte. Im Übrigen eine Superpressung, mit tollen Stereo Effekten. Nur der Interpret dieser doch recht gelungenen Scheibe fiel mir nicht ein. Aber man ist ja nicht blöde, also erst mal Discogs gefragt, dann Google usw. nichts. Weder Titel noch Textzeilen waren zu finden. Nächste Stufe: Shazam, diese App soll ja angeblich die Titel beim Zuhören erkennen. Das Ergebnis war wieder deprimierend. Inzwischen spekulierte ich. Es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder wurde diese Scheibe nie offiziell veröffentlich oder es ist eine vergessene Band gewesen, die es dann doch nicht geschafft hat. Nächste Hoffnung war mein Freundeskreis und mein lokaler Plattendealer. Also schnell mal ein paar Aufnahmen mit dem Handy geschnitten und über die sozialen Netzwerke verteilt. Tipps kamen einige, der richtige war nicht dabei. Danke Freunde, ihr habt euch echt Mühe gegeben.

Beim erneuten Hören viel mir dann aber doch irgendwas in der Auslaufrille auf. Im richtigen Winkel zum Licht und mit Lupe waren Ziffern zu erkennen. 005 DMD-4779. Diese Nummer mit dem Zusatz Sonopress hackte ich noch mal bei Google rein und TATA……ich hatte ein Ergebnis. Schnell noch mit YouTube gegen geprüft und ja gefunden, Treffer!

Die Band heißt „Risk“, die Lp von 1990 heißt Dirty Surfaces und bevor ich euch noch erzähle wie toll die Scheibe ist, hört einfach mal rein. https://youtu.be/NE8_cn4sCdA

Das Risiko (Risk) hat sich im wahrsten Sinne des Wortes gelohnt. Trotzdem werde ich mir wohl noch die reguläre Version besorgen, alleine schon wegen des Covers.

Uwe „no Risk“ Abel

Flohmarkthunter

Lange ist es her, sehr lange. Also so mindestens 15 Jahre, das ist auf der Jagd war. Meine letzten Erfahrungen auf den Flohmärkten waren nicht so positiv. Ich wäre wohl auch nicht gegangen, wenn meine Tochter mich nicht dazu animiert hätte.

Akt 1:
Wir besuchten den Flohmarkt in Dallgow im Havelpark. Meine Güte war der voll. Ich war guter Hoffnung vielleicht die eine oder andere Schallplatte zu erstehen, wogegen mein Tochter sich auf Videogames konzentrierte. Es gab offensichtlich viele gewerbliche Händler und wenig private Verkäufer. Mit Schallplatten waren gar nicht so viele vor Ort. Die gewerblichen Schallplattenhändler erkennt man daran, dass die Platten alphabetisch oder nach Rubriken sortiert sind und meistens in Plastikhüllen stecken. Die Herrschaften wissen natürlich auch was sie für Schätze haben und was diese wert sind. Dafür kann man sich dann aber auch in der Regel auf eine gute Qualität freuen. Für mich nur interessant, wenn ich was ganz bestimmtes suche.

In der Regel liebe ich aber das Risiko und möchte echt ein Schnäppchen machen. Was mir aber dort begegnete war echt das Grauen. Wie die Herrn mit dem schwarzen Gold umgehen, fruchtbar. So sahen die Scheiben auch aus. Echt nicht zu empfehlen. Ich wollte schon resignieren, aber einen Stand habe ich dann doch noch gefunden. Am bunten Produktportofolio war zu erkennen, dass es sich um einen Hobbyverkäufer handelt. Zwei Kisten mit Schallplatten standen auf dem Tisch, zwischen allerlei Krimskram. Wie zu erwarten, war erst mal nichts Besonderes in der Kiste, hauptsächlich Massenware, bis auf….

…..tja bis auf eine Werbeschallplatte von Bayer Organica. Künstler der leider verstorbene Tomita. Mag jetzt nicht so spannend klingen, aber das Teile ist limitiert. Hinten auf dem Cover stand halt die Nummer 176, mein persönliches Exemplar. Genau MEINS! Denn für nur 4 Euro konnte ich die Rarität erstehen. Gehandelt wird das Exemplar noch nicht sehr hoch, aber was nicht ist kann noch werden. Es wird auch nicht den Status der Oxygene / Dräger Werbegeschenkplatte erreichen, aber dafür ist die Qualität neuwertig.

2. Akt:
Diesmal war ich zuerst auf dem 17.Juni. Kannste vergessen. Nur Profis, die teilweise völlig überzogene Preise haben. Der Einzige der anscheinend privat da war, hatte nur zerkratzte Scheiben oder Mondpreise. Also nächster Markt. Der Flohmarkt in Siemensstadt ist für Plattensammler wie mich gar keine Reise wert. Da gibt es weniger als Nichts, nämlich gar Nichts. Auf dem Rückweg kamen wir noch an der Trödelhalle vorbei. Diese hat fast ständig auf und hat am Wochenende noch einen klein Flohmarkt vor der Tür. Also rein da.
Mein Gott. Was für ein Gerümpel und so staubig. Trotzdem wanderten wir einmal durch und stießen doch tatsächlich auf ein paar Kisten mit Schallplatten. Beim Verkäufer war ich mir nicht so sicher ob er Ahnung hatte oder nicht. Immerhin sauber sortiert, wenn auch nur nach Stilrichtung. Hauptsächlich wieder Massenware. Dann zog ich das Debüt von Latin Quarter aus der Kiste. Die LP mit dem Hit Radio Africa wollte ich schon immer haben. Bloß…., welcher Idiot hat da was auf die Hülle geschrieben? Sah wie ein Widmung aus, so ein Dankeschön Geschenk quasi. Damit lag ich nicht so ganz falsch. Ich entzifferte zwei Unterschriften und googgelte sie. Das Ergebnis beschleunigte meinen Puls. Die LP war eindeutig von allen Original Bandmitgliedern signiert. Endgültige Klarheit brachte ein beiliegendes Schreiben von Herrn Rahtje von RCA, das besagte LP ein Dankeschön der Band an das Management wäre. Zusätzlich enthielt diese Promoscheibe noch Textkomentare und ein Tourzine. Wie sich herausstellte wusste der Händler nicht, was er da vor sich hatte. Für nur 6,00 Euro wechselte diese LP mit Wertsteigerungspotential den Besitzer. Geht doch.

Stöbern auf dem Flohmarkt lohnt sich doch. Mein Jagdtrieb ist wieder voll erwacht.

Uwe „The Hunter“ Abel