direkt-schnitt

Direkt ein guter Schnitt

Die Platten des Labels Jeton gehören so ziemlich zum Kostbarsten was ich in meiner Sammlung habe. Was macht dies Scheiben aber nun so einzigartig? Nun, die 70iger Jahre endeten mit einem Knall, Hi-Fi technisch gesehen. Also mal mit der Tardis zurück ins Jahr 1979 und zur Funkausstellung in Berlin. Ich war damals 15 und habe natürlich die Ereignisse live mit bekommen.

Auf der Messe rannten ein paar Typen rum und besuchten die Stände der Boxenhersteller um ihre erste Vinyl Produktion zu testen. Offensichtlich unterschätzen einige Hersteller die Qualität der Aufnahme und/oder überschätzen die Qualität ihrer Lautsprecher. Kurz gesagt die teuren High End Lautsprecher beendeten ihr Leben recht überraschend mit einem knackigen Ton der Bass Drum oder einen hellen Ton der High Hat, Mitunter war es auch ein Bass Akkord, der für plötzliche Stille im Raum sorgte. Was mitunter zu panischen Reaktionen bei den Eigentümern der Boxen führte.  Das Album war Charly Antolini – Knock out vom Jeton Label. Die Erstauflage war limitiert auf 15.000 Stück. Natürlich sprach sich herum dass hier ein Boxenkiller zu haben war, ein audiophiles Meisterstück ein Direktschnitt der innerhalb weniger Tage ausverkauft war. So jedenfalls geht die Legende.

Beim Direktschnitt wird direkt vom Mikro auf eine Kupfer oder Lackfolie geschnitten. Diese dient dann zu Vervielfältigung. Nichts mit Masterband und dem ganzen Gedöns. Näher ans Original kommt man im Prinzip nur, wenn man der Aufnahme persönlich beigewohnt hat. Natürlich hat das auch Nachteile. Fehler können nicht mehr korrigiert werden und die Auflage ist limitiert.

Nun 1979 und in den Jahren danach hat mich das nicht wirklich interessiert. Es war nicht meine Musik. Rock, Punk und New Wave und der richtig laut. Klang war mitunter zweitrangig. Das Interesse kam erst Ende der 90iger Jahre.  Da gab es das Label schon nicht mehr. Mein Glück war, das zu der Zeit das Interesse an Vinyl recht gering war. Ich habe die LPs recht günstig bekommen.

Links das Original, rechts die Wiederauflage von 1982
Links das Original, rechts die Wiederauflage von 1982

Nur die Original Knock out war etwas schwierig. Schon Anfang der 80iger wurde das Teil um die 500 DM gehandelt. Zudem gab es eine Wiederauflage, die nicht schlecht war, aber an das Original nicht herankam. Da musst man aufpassen, das es nicht zu Verwechslungen kommt. Inzwischen steht das Meisterwerk in meinem Schrank und weitere 20 Direktschnitte. Meistens mit schönem FOC und einer Beschreibung  auf der Innenhülle. Inzwischen steigen die Preise wieder, da das Interesse an Vinyl steigt.

15622491_1375162715850870_8683930492218787351_nMeine Lieblingsscheiben und vermutlich auch für Neueinsteiger geeignet sind die LPs von Alexis Korner, eine geniale Blues Scheibe so rau und echt, das es schon fast weh tut und von Lenny Mc Dowell. Seine Version von Locomotive Breath bläst einem so richtig die Gehörgänge frei. Aber auch der Rock von Wolfshound oder der Jazz von Mr. Acker Bilk. Alles hochwertige Aufnahmen in einer Qualität, die einem warm ums Herz wärmen lassen. Ein Lieblings Stück von mir ist übrigens Motodrom von Charly Antolini erschienen auf Crash. Dort startet ein Motorrad und Charly trommelt den Rhythmus des Motors bis zu Fehlzündung. Dabei erzeugt die Bass Drum im Lautsprecher einen Druck der alle Kerzen auf dem Adventskranz ausgeblasen hat. Lust bekommen? Eine Liste der Veröffentlichungen gibt es hier: https://www.discogs.com/de/label/41997-Jeton?genre=All&limit=100

Übrigens, mit keiner dieser Platten habe ich  jemals die Boxen gekillt. Das habe ich nur einmal mit Dire Straits Calling Elvis geschafft. Das lag aber an der Endstufe von Phase linear, und an der Tatsache, dass ich den Lautstärkeregler etwas zu weit nach rechts gedreht hatte. Plötzlich war in der Stille nur der Jubel der Nachbarn zu hören. Die Wände waren seinerzeit doch recht dünn.

Uwe Abel

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