Der Griff ins Klo oder die Wahrheit kommt ans Licht.

Es ist wohl der peinlichste Moment meiner Schallplattensammlerkarriere gewesen. Ich weiß gar nicht mehr wann das war. Bei solchen Dingen bin ich Meister der Verdrängung. Es war aber ein Flohmarktkauf, auf jeden Fall. Meine Strategie war wie immer die Gleiche. Am Stand alle durchblättern, Highlights merken und erst mal wieder Desinteresse heucheln. Meine Frau war dabei er perfekte Partner. Nach dem meine Frau den Standinhaber in ein Gespräch verwickelt hatte, blätterte ich wieder gelangweilt in den Platten, zog ein die Highlights raus und versteckte diese zwischen ein paar nicht so raren Scheiben. Die ca.  5 Platten hielt ich den Verkäufer hin, der dann relativ schnell einen Pauschalpreis machte.

Am besagten Stand hatte mich eine sogenannte White Label Pressung neugierig gemacht. Das heißt weder Cover noch Label ließen einen Rückschluss auf den Musiker oder die Band zu. Ein gewagtes Spiel. Es hätte irgendeine unbekannte Band sein können, eine echte Rarität, oder ein schlechte Demoaufnahme. Okay es war fast alles. Eine bekannte Band, eine Demo und eine schlechte Qualität und dennoch in bestimmten Kreisen vermutlich ein begehrtes Sammlerstück. Hätte ich doch vorher mal genau in das Innenleben geschaut, mir wäre einiges erspart geblieben. Beim Auspacken zu Hause viel nämlich folgender Zettel aus der Hülle.
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Hm, Böhse Onkelz also. Die Band, der man immer wieder ihre Rechte Vergangenheit vorhält. Für mich lag hier nun der Beweis vor.  Alleine schon der Satz der Sponsoren Müller Milch und Deutsche Nationalzeitung ist schon eine Frechheit. Aber es kommt noch schlimmer: „Alleinvertrieb in den Grenzen von 1937“  und der Titel „Türken raus“ runden das Bild einer Neonaziband ab.

Leugnen ist zwecklos. Der Makel haftet ihnen an, bis heute. Die Frage wie viel von dieser Gesinnung in den Köpfen der Musiker noch verankert ist wird sicherlich immer wieder thematisiert werden und spaltet die Musikgemeinde. Die Band selbst hat sich von der Neonaziszene distanziert und auch Position gegen die Szene bezogen.  Inzwischen haben sie ein große Fangemeinde, die  sicherlich nicht alle dem rechten Spektrum angehören. Trotzdem die alten Platten noch im Umlauf sind und sicherlich in einigen Regalen neben Störkraft, werden Landser und Co. stehen, direkt unter dem Bild des Führers. Nur was soll die Band dagegen tun?

Mann sollt nun nicht ständig auf der Vergangenheit rumreiten, aber vergessen sollte man die Nummer nicht. Daher bleibt die Scheibe auch bei mir stehen. Als Beweisstück quasi. Es dürfte sich übrigens u.a. um die ersten Demoaufnahmen aus dem Jahr 1981 handeln, die hier noch mal 1986 auf Platte gepresst wurden. Die Qualität ist teilweise sehr unterirdisch.

Übrigens die Deutsche Nationalzeitung gibt es nicht mehr und über den Sponsor der Band „Müller Milch“ verliere ich mal lieber kein weiteres Wort. Die Firma bestreitet eine Nähe zur NPD, bzw. DVU.

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