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Not the evil way!

Telefon!
„hi Uwe“!
„wer ist da“
„ Hier ist Carlos, ich habe die alte Gang zusammen getrommelt und eine neue Platte gemacht“!
„Cool! Welche Gang“?
„Die Band aus den Zeiten von Woodstock“!

Hätte dieses Gespräch wirklich stattgefunden, so wäre mir vermutlich der Hörer aus der Hand gefallen. Meine Woodstock Helden sind wieder am Start. Santana mit der Originalband (fast zumindest). IV heißt das Werk und das obwohl das schon der 24! Output von Carlos Santana ist. Halt die logische Fortsetzung von Santana III aus dem Jahre 1971 Eine abwechslungsreiche Geschichte hat der Carlos hinter sich, die aus meiner Sicht mit Supernatural 1999 ihren letzten Höhepunkt hatte. Aber wir wollen nicht über die Vergangenheit sinnieren. Wer jetzt immer noch weiß, was es mit Black Magic Women, Samba Pa Ti oder Evil Ways auf sich hat braucht gar nicht weiter zu lesen.

Zweimal 180 gr. Tiefschwarzes Vinyl in einem FOC. Vorne auf dem Cover eine Verbeugung vor dem Cover der ersten LP und nicht nur gedruckt, sondern geprägt. Edel die Aufmachung. Aber wie heißt es so schön, auf den Inhalt kommt es an und der hat es in sich.

Das Woodstock Feeling trifft Voodoo ist sofort da und groovt unwiderstehlich ins Gehirn. Schon die ersten Töne der Langrille beamen einen dahin wo Love and Peace herrschen. Yambu hat irgendwas Afrikanisches an sich Ethno Rock vom Feinsten mit einer Funky Guitar. Santana hält sich mit ausufernden Solis zurück und die Keyboards und der Rhythmus überwiegen. Shake it nimmt Fahrt auf Santanas Gitarre dominiert. Anywhere you want to go erinnert etwas an Evil Ways und etwas Corazon Espinado, aber wesentlich frischer und moderner. Auch hier treffsicher und wohl pointiert die Santanische Gitarre-  Die erste Lp Seite endet mit einer Hommage an das Filmore. Sphärisch spacig und einfach genial. Ein Highlight, eine hypnotische Nummer.

Seite 2 beginnt mit Songs, bei denen Roland Isley von den Isley Brothers das Mikro übernimmt. Love Makes the world go round und Freedom in your mind. Verheißungsvolle Texte und? Ich bin er Meinung ein anderer Sänger mit einer Bluesigen Stimme hätte teilweise besser gepasst. Aber die Musik reißt es wieder raus. Insgesamt zwei nette Nummern. Gerade Freedom mit seiner funky Einlage geht richtig gut ab. Hier passt dann auch die Stimmlage, die doch eher dem Soul zuzuordnen ist.  Die erste LP endet mit Choo Choo / All Aboard. Der Solopart mit Gitarre, dann Orgel und Bongo reißt einen richtig mit.

Die zweite LP öffnet mit Suenos, eine etwas schwülstige Ballade mit spanischer Gitarre. Der Entspannungsmoment. Mir persönlich etwas zu kitschig. Caminando wirkt etwas experimentell und im Vergleich zu den Songs vorher etwas hektisch und chaotisch. Wenn jetzt noch Dieter Meier singen würden, könnte am Anfang gerade als Nummer von Yello durchgehen. Wird dann aber doch eine klassische Latinorocknummer mit fetten Gitarren Solis vom Meister des Singenden Gitarrenriffs. Eigentlich war das der Moment, wo ich etwas genervt war. Manchmal ist Santana wie eine Überdosis oder wie ein zu voll gefüllter Teller beim Buffet. Blues Magic/Echizo ist aber wieder so beruhigend und abwechslungsreich und doch vertraut. So eine Prise Black Magic Women, Peter Green lässt grüßen. Im Mittelteil geht das Solo so richtig ab und lässt einen nicht mehr los. Dieses Doppelstück geht dann nahtlos in eine wilde Session über.

So schaffe ich also doch noch die letzte der 4 LP Seiten. Leave me alone ist für mich eine der schwächeren Nummern. Hätte vielleicht noch auf den Supernatural Album gepasst ist mir A) zu kommerziell arrangiert und zu poppig. You and I auch wieder etwas schnulzig und etwas zu schwülstig vielleicht für einen Liebesfilm geeignet, wirkt irgendwie zäh am Anfang um dann doch mit einem grandiosen Gitarrensoll dem Ende entgegen zu rennen. Zwiespältig, hach kann mich gar nicht entscheiden. Bei come as you are dachte ich natürlich an Nirvana. Eine fröhliche Karnevals Samba Nummer lustig und sorgt für gute Laune. Das hebt die letzte Nummer auf dem Album nochmal zusätzlich hervor. Foregiveness eröffnet melodramatisch, leicht düster und erzeugt am Anfang einen Spannungsbogen, der sich nach 1:40 löst aber bei weitem nicht auflöst. Ein fesselndes Solo vom Meister mit leichtem Schlagzeug im Hintergrund.

Der Altmeister hat sich selbst kopiert. Es ist aber nicht ein simple Kopie, keine Schatten seiner selbst, sondern die fantastische Fortsetzung der Woodstock Ära. Wiederkennungswert ohne Peinlichkeiten. Gemischt mit frischen Zutaten ist das kein Aufguss, sondern einfach eine Platte, die man im Schrank haben sollte. Leichte Abzüge gibt es für die Schnulze und bei den Stücken wo R. Isley singt. Die versauen das ganze zwar nicht. Hätte man diese weg gelassen und dafür die ein der andere Nummer etwas länger gestaltet, wäre das sicherlich ein absolutes Nummer 1 Album geworden.

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