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Hilfsmittel über den Discounter? Auf gar keinen Fall!

Eine typische Szene in meiner Filiale: Kunde kommt zu uns und will einen Rollator kaufen. Er wird fachkundig beraten und über die Erstattungsmöglichkeiten über die Krankenkasse aufgeklärt. Er bekommt die Produkte vorgeführt und kann dann zwischen einem zuzahlungsfreien Produkt und Aufzahlungspflichtigen Modelle wählen. Spätestens hier wird es dann problematisch. In unserer von  „Geiz ist geil Mentalität“ geprägten Welt reagiert man mit Unverständnis. „Warum ist das so teuer“? „Das habe ich neulich im Supermarkt billiger gesehen“! In letzterem Fall empfehle ich dem Kunden das, wenn er vom Supermarkt Angebot überzeugt ist dort zuschlagen muss. Ich verschenke meine Ware nicht. Das kann ich mir als verantwortungsvoller Medizinprodukteberater nicht erlauben.

Wie heißt es so schön die Freude über ein günstiges Angebot ist wesentlich kürzer als der Ärger über die schlechte Qualität. Das zeigt auch der neueste Rückruf des Discounters Aldi. http://www.t-online.de/lifestyle/besser-leben/id_74031286/rueckruf-fuer-tausende-rollatoren-bei-aldi.html

Hier zeigt sich auch die ganze Problematik und auch wie gefährlich die Sache werden kann. Denn die Firma Aldi kann nicht sicherstellen, dass alle Kunden erreicht werden, die betroffen sind. Hier macht sich der Unterscheid zum Fachhandel bemerkbar. Denn der Fachhandel garantiert eine lückenlose Nachverfolgung der von ihm verkauften Produkte. Klartext: jeder Kunde, der bei uns einen Rollator gekauft hätte würde von uns persönlich angeschrieben werden. Sicherheit geht halt vor. Gerade bei Hilfsmitteln. Diese Sicherheit hat ihren Preis. Sanitätshäuser dürfen ihre Produkte nur durch geschultes Personal, den Medizinprodukteberatern in Umlauf bringen. Kaum anzunehmen, das die Kassendame beim Aldi über die Produkte geschult wurde und ein Zertifikat als Medizinprodukteberaterin hat. Geschweige denn, das Aldi und Co. nach ISO 13485  zertifiziert ist und sich den Anforderungen des MPG gewachsen sehen.

Es gibt noch andere Gründe, warum man beim Kauf eines Hilfsmittels beim Discounter, Supermarkt oder gar beim Baumarkt. Es gibt keine Produktauswahl. Meistens handelt es sich nur um minderwertige Restposten. Keine Beratung, keine Montage und keine Freihauslieferung, wie durch das Sanitätshaus. Es erfolgt keine Aufklärung darüber das unter bestimmten Vorrausetzungen (Vorliegen einer Verordnung) die Kosten für das Hilfsmittel von der Krankenkasse übernommen werden. Eine nachträgliche Erstattung ist nicht möglich. Der Verbraucher wird bewusst getauscht.

Jeder Hersteller, der sein Produkte nicht über den Fachhandel vertreibt handelt vorsätzlich fahrlässig. Der Verkauf von Hilfsmittel über Discounter, Supermärkte, Baumärkte etc. muss zum Schutz der Verbraucher unbedingt gestoppt werden.

Uwe Abel

Medizinprodukterberater

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