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Traum aus Glas

Ihr kennt Das? Ihr sitzt mit eurer Liebsten im Restaurant und hebt euch das schönste Stück Fleisch bis zum Schluss auf und dann….“ Schatz kann ich mal von dir probieren“? Das war´s mit dem Genuss!

Zum Glück geht’s mir mit meinem Platten nicht ganz so. Manchmal hebe ich mir ein Stück des frisch erworbenen Vinyls bis zu einem besondern Moment auf. ´Die Gefahr da mir meine Frau den Spaß an dem oralen Genuss verdirbt ist relativ unwahrscheinlich; zu unterschiedlich sind die Geschmäcker. Sieht bei den Heavy Metal CDs schon anders aus. Da muss ich schon mal öfters im Zimmer der Töchter nachsehen. Der aktuelle Leckerbissen, den ich heute genieße will ist ein Second Hand Kauf. Blaues Label Amiga. Alles klar, Ostrock! Aber nicht irgendeiner, sondern City. Ach ja, Am Fenster, King vom Prenzlauer Berg. Das ist was der Wessi so kennt, jedenfalls, wenn er in der Nähe der Grenzanlagen gewohnt hat. Aber es gibt noch mehr was erwähnenswert ist.

Unter der Haut zum Beispiel. Das Cover ziert die Ostberliner U-Bahn im Tunnel dazwischen die Band. Was macht diese LP, die 1983 erschien zu etwas besonderem. Zwei Titel hauptsächlich, aber der Reihe nach.

Der Titeltrack kommt sehr poppig rüber. Man spürt die Einflüsse der New Wave Szene des Westens. Etwas spartanisch und nicht so schwülstig wie Karat ein simpler eingängiger Lovesong, der leider nicht so unter die Haut geht, aber tanzbar ist. Erinnert mich an die NDW Band Nichts.

Zuckersüß, da hätte ich auch etwas Poppiges erwartet. Wird es dann auch, also poppig, wavig. Stimmlagenwechsel a la Lene Lovic und Nina Hagen. Gesang Stakkatoartig. Netter Beat. Kritischer Song über die Filmindustrie.

Unser Schuldirektor? Tja, verfrickelte Gitarre zum Eingang. Kommt als Ballade. Bisher waren die Texte ganz nett. Der nervt einfach irgendwie. Zum Glück nicht sehr lang.

Sisyphus, da dachte ich erst jetzt kommen die Puhdys. Na, das hört sich doch nach Rockerrente an, das war aber ein Jahr später. Okay ist ganz nett.

Nur Rock n´ Roll, ja und ich mag es endlich knallen mal die Gitarren rein.

Nanu? Eye of the Tiger? Immer diese Intros. Das Riff läuft im Hintergrund die Stimme von Toni Krahl übernimmt die Führung. Nach der ersten Strophe setzen die Synthies ein und duellieren sich mit der Gitarre. Eine rockige Version von „Sag mir wo die Blumen sind“? Super Version, fast schon episch.

Kontra: Für viele der Schwachpunkt der LP. Textlich irgendwie mal wieder auch heute passend. Elektropopwave. Fehlt eigentlich die Düsternis, dann hätte der Song auch in jeder Gruftidisko laufen können. Nein, der Song ist einfach schlecht, fast so wie von ZaZa –  Zauberstab.

Was mich trägt. Netter Beat mit Gitarrensolo am Anfang. Sehr eingängige Melodie und ein zum ersten Mal auf der Platte kritischer Text. Die Zensoren haben es nicht bemerkt.

Glastraum. Definitiv das Highlight und der Hauptgrund für den Kauf. Die Message ist klar. Eingesperrt sein, wie kaum ich raus. In einem Haus aus Glas, renne ich gegen Glaswände. Sehr mutiger Text. Ein Song der sich entwickelt und eigentlich ein Kultstatus haben müsste wie am Fenster.

Ja, manchmal nervt die Stimme. Die Platte hat 2-3 Ausfälle, aber wegen dem Rest lohnt sich das Album auf jeden Fall.

Uwe „Ossi“ Abel

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