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Gut beraten?

Bei der Berichterstattung über das Gesundheitswesen wird ein Bereich recht stiefmütterlich behandelt. Es geht um die Versorgung mit Hilfsmitteln, die aber auch nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtkosten der Krankenkassen ausmachen. Das ändert sich gerade etwas. Im Focus stehen hierbei die so genannten technischen Hilfsmittelberater. Natürlich sind hier nicht alle gleich zu bewerten, aber das System, was in die Wettbewerbsfreiheit und die Selbstbestimmung der Versicherten eingreift muss hinterfragt werden. Das BV hat inzwischen festgestellt, das die Beauftragung privater Gutachter aus verschieden Aspekten nicht rechtens ist. Die Krankenkassen dürfen nur den MDK als Gutachter einschalten. Da ich persönlich in allen Bereich der Hilfsmittelversorgung tätig war kann ich das Thema von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten.

Viel können mit dem Begriff Hilfsmittelberater nichts anfangen. Erst wenn man Hilfsmittel benötigt und um den dringend benötigten Rollstuhl kämpfen muss, lernt man die Hilfsmittelberatung kennen merkt man eigentlich worum es geht. Hilfsmittelberater, die freiberuflich tätig sind gab es schon vor 20 Jahren, als ich in die Hilfsmittelbranche wechselte. Entstanden ist die erste Hilfsmittelberatung in Berlin in Kooperation mit der BKK Berlin, später City BKK und jetzt insolvent. Der ursprüngliche Gedanke war eine Qualitätsverbesserung und der Service. Es dauert aber nicht lange, da merkt man auch, dass sich hier Einsparungen erzielen lassen. Sicherlich hat hier der Fachhandel mit seiner Preispolitik dazu beigetragen und Hersteller Rabatte nicht an die Krankenkasse weiter gegeben. Dass ehemalige Mitarbeiter von Sanitätshäusern dann Hilfsmittelberater  geworden sind und ihr Wissen gegen ihre ehemaligen Arbeitgeber eingesetzt haben, möchte ich nicht weiter kommentieren. Nur so viel bei den Produkten der Hilfsmittelbranche darf man nicht nur den Wert des Rollstuhles usw. beurteilen, sondern muss auch die sehr Umfangreiche Dienstleistung bewerten. Die Sanitätshäuser bieten einen hohen Service an.

Ein weiterer Punkt wo die Hilfsmittelberatung zu Recht punkten konnte ist der so genannte Wiedereinsatz. Die Sanitätshäuser hatten die Aufgabe Hilfsmittel, die von Versicherten nicht mehr benötigt wurde, aufzubereiten und einen andern Versicherten zu versorgen. Die Lagerhaltung war dezentral und sehr kompliziert. Eine Vernetzung gab es nicht. Nur ein Beispiel dazu. Ende der 90iger hatten sich mehre BKK´n im Raum Hamburg Schleswig Holstein und Niedersachsen zusammen geschlossen und alle ihre Hilfsmittel vom insolventen Unternehmen Pro Reha zusammen geführt. Eine Folge des optimierten Wiedereinsatzes und der Lagerhaltung und eine Beratung durch den Technischen Hilfsmittelberatungsdienst war, dass über ein Jahr in bestimmten Bereichen wie Badhilfen, Rollstühle  und Toilettenhilfen so gut wie keine Neuanschaffungen seitens der Kassen getätigt werden mussten.

Wie so oft gibt es immer Personen, die als  Nachahmer und  Trittbrettfahrer von einer Idee partizipieren wollen. So dauerte es nicht lange, dass sich weitere  Hilfsmittelberater auf dem Markt tummelten. Oft haben sich die Hilfsmittelberatungsfirmen ihre Konkurrenz selbst geschaffen. Grund hierfür; die Form der Vergütung. Die für die Hilfsmittelbeartungsfirmen tätigen Berater waren oft nicht fest angestellt, sondern freiberuflich tätig. Der Verdacht einer Scheinselbständigkeit bestand ebenfalls. Verdient wurde seinerzeit nicht schlecht. Zwischen 6.000 und 8.000 Euro lag der Verdienst der Berater (umgerechnet von DM). Allerdings  waren das nur 40% (Auto wird gestellt) bzw. 50% (bei eigenem Auto)  der Rechnungssumme. Den Rest steckte sich die GmbH ein. Da fragten sich einige; wofür eigentlich und machten sich selbständig.

Wie man leicht hochrechnen kann, sind die Kosten für die Beratungsleistungen nicht gerade niedrig. Da stellt sich die Frage, welche Einsparungen wurden erreicht? Das weiß niemand so genau. Erstens handelt es sich um separate Kostenstellen. Zweitens werden die Kosten für Klagen der Versicherten und durch den Berater verursachte Fehlversorgungen nicht berücksichtigt. Dazu kommt, dass die Sanitätshäuser auf den Kosten für ihr bereits erstelltes Angebot sitzen bleiben. Auch doppelte Anfahrten wegen der vom Berater verursachten Fehlversorgung gehen zu Lasten der Sanitätshäuser. Klagt der Versichert kommt es oft zu einer Umversorgung mit dem ursprünglich beantragten Hilfsmittel. Die Kosten gehen natürlich zu Lasten der Krankenkasse. Mann kann also durchaus anzweifeln, dass der Einsatz von Hilfsmittelberatern den Krankenkassen eine reale Ersparnis bringt. Die Idee einiger Kassen, das Honorar an die Ersparnis zu koppeln hat die Sache auch noch verschlimmert. Um Geld zu verdienen wird auf Teufel komm raus der Rotstift angesetzt, damit das Honorar stimmt.

Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Qualität. Gerade in der Anfangszeit der Tätigkeit, kamen neben ehemaligen Mitarbeitern der Sanitätshäuser auch Quereinsteiger zum Einsatz. Die mangelhaft Ausgebildeten wurden mit Produktschulungen notdürftig fit gemacht. So war z.B. ein Tierarzt, der zu DDR Zeiten  als Besamer in der Rinderzuchtanstalt tätig war, für die Beurteilung von Antidecubitussystemen zuständig. Wie gesagt es gab und gibt auch gut ausgebildete und erfahrene Berater. Im Gegensatz zu den Hilfsmittelberatern müssen  sich Sanitätsfachberater zertifizieren lassen und regelmäßig Schulungen besuchen. Daher sitz oft der Frust und Ärgert tief, wenn eine Versorgung durch einen Berater gekürzt oder gar abgelehnt wird.

Trotzdem, es gibt auch positive Beispiele Es geht auch anders. Es gibt Krankenkassen, die beschäftigen Hilfsmittelberater mit festem Gehalt. Da steht nicht der Einspargedanke im Focus. Auch die Nachkontroller einer  Versorgung gehört zu deren Aufgaben. Leider gibt es auch unter den Sanitätshäusern schwarze Schafe. Da kann schon mal das in Rechnung gestellte Sonderzubehör fehlen. Mit einigen Beratern ist durchaus ein sachlicher und produktiver Dialog möglich, die dann zu einem sinnvollen Kompromiss führen.

Geht es nach dem BVA sind die externen und freiberuflichen Hilfsmittelberater Geschichte. Ich persönlich wäre auch dafür, dass diese in der Zukunft ein Teil der Krankenkasse werden und  die gleichen Qualitätsrichtlinien auch für die Berater gelten. Jedem der den Besuch eines Hilfsmittelberaters empfehle ich fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Anwesenheit eines Therapeuten und oder fachlich versierten Mitarbeiters eines Sanitätshaus kann mitunter eine große Hilfe sein.

 

Uwe Abel

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