The Leaving of London

The Bevis Frond! Er oder was ist das? Das ist eigentlich Nick Salomon. Sicherlich eine der Musikerkarrieren, die man als seltsam bezeichnen kann. Wenn man hier überhaupt von Karriere sprechen darf. Nick gründete nach der Schule ein Band gleichen Namens das war Ende der sechziger. Das eher regional begrenzte Projekt endete ca. 15. Jahre später durch einen Motorradunfall. Schuld war eine unbeleuchtete Baustelle. Nick verklagte die Stadt London. Nach drei Jahren bekam er eine nicht unerhebliche Entschädigung zu gesprochen. Davon startete er sein Karriere neu, als The Bevis Frond. Eher zum Spaß produzierte sein Platten und das im eigenen Tonstudio. Plötzlich gab es Interessenten die seine Platten verkaufen wollten. Als das Interesse dann wieder nachließ mach er eine eigenen Plattenfirma auf und produzierte wieder zu Hause. Der Multi Instrumentalist spielt auf den ersten Aufnahmen alle Instrumente selbst. Erst später bediente er sich andere Musiker. Früher war die Qualität noch etwas ungeschliffen. Später wurden die Aufnahmen wirklich erstklassig Meine erste Scheibe war The Inner Marshland mit meinem Lieblingstitel „Termination Station Grey“. So und nun liegt mir endlich das 2011er Album vor. „The Leaving of London“. Der Mann ist inzwischen 60 Jahre alt und das trotz erheblichen Konsums bewusstseinsverändernder Substanzen

Nettes Artwork. Das Cover ziert offensichtlich ein verlassener Luna Park. Hat etwas morbides. Etwas Irreales kreischend bunt und doch irgendwie totDie Doppel-Lp kommt mit einer nett gestalteten Textbeilage und einigen Fotos der Band daher.

Everyone has a favorit tune. Is this Yours? So fängt die erste Seite mit dem Stück Johnny Kwango an. Gute Frage. Ja es könnte eine meiner Favoriten werden. Der erste Song schwemmt einen zurück in die Sixties, etwas Folk, mit einem Gitarrenriff, das sich ins Gehirn brennt. Vom ersten Ton an ist mit wippen angesagt. Was in den nächsten 75 Minuten folgt ist vor einem eins: NICHT langweilig. Balladen, melancholische Songs, psychedelische Pop-Rock Orgien. Knallige Rocksongs. Sehr abwechslungsreich. Ein wilder Ritt auf dem Rollercaoster der 60iger Jahre Undergroundszene. Andere Rezensenten haben schon recht. Zu einer anderer Zeit hätte er mit der Mucke die Charts gestürmt. Ausfälle auf dieser Doppel-LP? Keine!

 „An old Vice“ ,ein schöner Rocksong mit Country Elementen, könnte auch von Crosby, Stills and Nash sein oder von Neil Young. Der Titeltrack ist eine langsame Klavierballade. Hold the Ford , hätte auch den Byrds zur Ehre gereicht. Überhaupt scheinen The Byrds, CSN und andere einen großen Einfluss auf The Bevis Frond zu haben. Eine billige Kopie sind die Songs aber nicht. Eher eine Weiterentwicklung.

Bei „Why you have you been fighting me“ fehlt nur noch eine wabberne Hammond Orgel und schon könnte man an Vanilla Fudge und „You keep me hanging on“ denken. Aber auch so ein Klasse Song, mit einem Orgelsolo, halt nur ohne Orgel, sondern mit der E-Gitarre. Wer denkt, jetzt hätte Salomon all seine Facetten gezeigt, wird sich wundern, wenn er die ersten Töne von „The Divide“ hört. Könnte von Cat Stevens, Verzeihung Yusuf Islam sein, mit einer vom Whiskey angerauten Stimme, sehr folkig. „Stupid Circle“ wiederum erinnert mich an Weezer´s „Buddy Holly“

Auf jeden Fall geht die zweite Scheibe genauso ab. Hier legen alle Beteiligten noch eine Schippe drauf. Die Band gibt alles das sind ex-HAWKWIND-Bassist ADRIAN SHAW sowie PAUL SIMMONS (Gitarre) und DAVE PEARCE (Drums) Man kriegt schon fast eine Überdosis. Zu den Highlights zählen auf jeden Fall Son of a Warm Gun und das wieder sehr folkige und vom Songgerüst fast zerbrechlich wirkende Barley Anthropoid. Das darauf folgende Testament ist dann wieder trashig, Garagig schon fast dreckig, schon fast Punk.

Auch bei den Letzten Titeln des großartigen Albums ist kein Nachlassen zu spüren. Preservation Hill, Heavy Hand, Too Kind, alles hypnotisierende Rocknummern mit zum Teil ausufernden Gitarrenparts, die nicht enden wollen. Die letzte Nummer Too North könnt auch von ….ach lassen wir die Vergleiche, findet es selber heraus und holt euch einfach die Scheibe bei eurem lokalen Plattendealer.

Es fällt schwer hier Highlights heraus zu heben. Fakt ist ein musikalischer Trip durch das musikalische Universums, das genau wie menschliche Dummheit unendlich ist. Wobei bei Musik bin ich mir nicht sicher (frei nach Albert Einstein). Eine Reise in eine andre Zeit oder in ein Paralleluniversum, wo die Charts von den Byrds, Crosby, Stills und Nash, Cat Stevens und andern dominiert werden. Dort wo Folk und Garagenrock der bestimmende Trend sind. Nun sind die 75 Minuten  um und ich verlasse zwar nicht London aber meinen Musikkeller um mich der bitteren Realität zu stellen.

Wir immer: Ein paar Hörproben:

http://youtu.be/xO7A5EqC4II

http://youtu.be/ZthzkoMRMEg

http://youtu.be/WOe7pa5yr9o

Uwe Abel

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s