Finnischer Okkult-Retro-Rock

Irgendwann muss das mit der Retrowelle in der Musik langweilig werden oder? Mitnichten! Mir wird es jedenfalls nicht langweilig. Das was da aus der Plattenrille direkt durch meine Boxen dröhnt ist nicht nur einfach Oldschool kopiert sondern mehr, quasi eine Weiterentwicklung und das teuflisch gut. Das Thema Okkultismus, das Spiel mit finsteren Mächten hat ja schon immer funktioniert. So manches Gerücht um den Umgang mit düsteren Mächten hat sich in der Vergangenheit schon verkaufsfördernd ausgewirkt. Obwohl, waren es immer nur Gerüchte? Auch in neuerer Zeit hat sich das Thema bewährt, weil es anscheinend auch den „Normalo“ fasziniert. Morgens im Nadelstreifenanzug zur Bank und abends im Keller quasi eine musikalische schwarze Messe zelebrieren und einen auf Böse machen. Zum Glück wird Frauchen sehr sauer, wenn man irgend ein Haustier im Keller opfern will. Die Folgen wären kaum vorstellbar. Aber zurück zum Thema. Spezialisten in der Sache Musik und Okkultismus sind ja unter anderem die Finnen, ich denke da zum Beispiel an HIM und ihren charismatischen Sänger Ville Valo. Das ist aber ein ganz andere Geschichte Jetzt also Retro Okkultismus musikalisch verpackt und das Sau gut. Ein Hammeralbum kommt da aus dem hohen Norden!

Die Band: Jess and the Anicnet ones! Habe ich schon erwähnt, das die aus Finnland kommen und in ihren Texten persönlich erlebte okkulte Erfahrungen verarbeiten? Nicht? Macht eigentlich auch nichts. Es geht mir persönlich nicht darum. Die Texte passen einfach zur Musik.

Im Mittelpunkt steht unter anderem die Stimme von Jess. Irgendwie ziemlich abgründig und daher bedrohlich mal schmeichelnd aber auch hinterhältig wie eine Giftschlange vor dem Biss. Irgendwie erzeugt dieser Gesang eine unglaubliche Spannung. Ich kann es nicht erklären. Der Teufel ist wohl doch eher weiblich und spricht durch Jess, wenn sie singt und das ist als Kompliment gemeint und ich werde vermutlich für diesen Beitrag exkommuniziert und werde ewig in der Gehenna schmoren.

Der Opener Prayer of Death and Fire geht schon mal gut los. Wer hier nicht schon mit dem Kopf mit nickt ist vermutlich schon tot. Richtig Gas geben die Herrschaften. Ein richtiger Hardrocker, der aus den 70igern stammen könnte. Sehr geschickt eingesetzt die gute alte Hammondorgel, während sich der Drummer die Seele aus dem Leib und den Trommelfellen drischt.

Twilight Witchcraft legt noch ein Schippe drauf. Hier erinnert die Stimme von Jess eher an Grace Slick von Jefferson Airplane. Hier steht auch die solide Gitarrenarbeit im Mittelpunkt, die schon fast hypnotischen Riffs laden mit dem Rhythmus der Drum zum Tänzchen um das Hexenfeuer. Ein Wunder das ich noch tippen kann.

Ich sage nur 12 Minuten. Ein Epos, eine Verbeugung vor Black Sabbath und Deep Purple mit einer Prise früher Iron Maiden Platten. Sulfur Giants, DAS ist Psychodelic Rock. Ein verspieltes ruhiges Klavier, einlullende Gitarren, ein gehauchter Feengesang und dann schwebt man erst mal weg, dann wird es schnell und wuchtig. Die Riffs sind genial und der Rhythmus reißt einen mit auf die nächste Ebene. Dazu der Gesang ein perfekt abgestimmtes Gesamtwerk. Das Break im Mittelteil, da darf jeder Mal. Bratgitarren mit Hammondteppich. Jeder beherrscht hier sein Handwerk, perfekt.

Ghost Riders aber nicht in the Sky. Die Drums treiben den Song nach vorne, während sich die Gitarre im Hintergrund die Hacken abrennt. Ein schneller Ritt eines Geisterreiters, der in einer ruhigen Phase mündet, wo die Orgel dominiert und dann mit der Gitarre zu einem dichten Soundteppich wird. Der Ritt wird langsamer, Tempowechsel, der Gesang wieder in den Vordergrund. Das wiederholt sich. Rockt absolut.

The Devil in G-Minor verwirrt mich. Kommt doch eher wie ein Barsong daher mit leichtem Swing. Zeigt aber die stimmlich Bandbreite von Jess auf. Der Song wirkt auf der Scheibe deplatziert, hat aber etwas.

Crimson Death, eröffnet mit einer zittrigen Orgel. Als Stimme und die Gitarre einsetzen fängt man an sich im Rhythmus der Musik an zu wiegen. Das Gitarrensolo da dem Break folgt hält einen fest, langen nachdem es verklungen ist. Unweigerlich steuert der Song und die Platte dem Ende zu. Fast hätte ich doch noch ein Feuerzeug angezündet um es dann doch wieder auszumachen und ab zu rocken und das bis zum wüsten Ende.

Vermutlich wäre das Album zu einer anderen Zeit ein Klassiker geworden und würde zusammen mit Black Sabbath, Depp Purple, Iron Maiden und anderen meine Plattensammlung seit ca. 3T Jahren bereichern. So bleibt dieses Meisterwerk vermutlich nur einigen wenigen Musikkennern vorbehalten, die sich nicht von Radio und Fernsehen ihren Musikgeschmack diktieren lassen.

Hörprobe:

 

Uwe Abel

 

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