Verraten und verkauft

In nicht all zu ferner Zukunft: Das Telefon klingelte nur zweimal, dann nahm er ab. „Einwohnermeldeamt, Mielke am Apparat. Was kann ich für Sie tun? Sie möchten ein paar Einwohnerdaten kaufen? Für welche Zwecke? Für eine Vertriebsaktion im Investmentfondbereich? Soso, welche Zielgruppe? Ach ja alle die zwischen 25 und 35 sind, noch kein Eigenheim haben und länger als 5 Jahre bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind. Moment ich sehe nach. Ja, da hätten wir 75.000 Datensätze. Der Preis? Nun pro Datensatz 12 Euro. Wie zu teuer? Ich mache ihnen ein Angebot wenn sie die Spanne auf 40 Jahre erweitern und die Beschäftigungsdauer auf 4 Jahre senken, bekommen wir 125.000 Datensätze. Wenn sie die alle nehmen, zahlen sie nur noch 9 Euro. Sie zahlen die Hälfte jetzt und die andere Hälfte 6 Wochen nach Eingang der Adressenliste. Ist das ein Angebot? Sehen sie sind wir uns doch einig geworden. Nach Zahlungseingang von 562.500€ senden wir ihnen die Adressen sofort zu oder wüschen sie einen Online Zugang zu unser Datenbank? Ja, okay Danke. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag. Bis zum nächsten Mal.“ Mielke legt auf! „ Chef, Cheeeef!“ „Ja Mielke?“ „Chef wir können die neue Ortsumfahrung bauen, AWD hat gerade Adressen im Wert von 1,1 Millionen bestellt“. „Gut gemacht Mielke, da ist sicher ein neuer Dienstwagen für sie mit drin.“ Eine völlig abwegige Utopie? Sicher nicht:

Denn wieder einmal regiert unsere (un)verantwortliche Regierung am Volk und somit eigentlich am Thema vorbei. War es nicht so, dass unsere Regierenden schwören, alles zu tun um uns zu schützen und uns vor Schaden zu bewahren und dies nach bestem Wissen und Gewissen?

Warum also beschließt dann der Bundestag ein Gesetzt, dass dem Bürger eher schadet und seine Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz verletzt. Haben die Damen und Herren kein Gewissen oder sind sie einfach nur unwissend? Oder ist es etwa doch Geldgeilheit und Bequemlichkeit.

Worum ging es noch mal? Die Meldeämter sollen in Zukunft die Möglichkeit haben die Adressen der Gemeldeten zu verkaufen. Der Datenschutz und die Intimsphäre wird also auf den Altar der Profitgier geopfert? Die Betroffenen erfahren davon erst jetzt. Die Entscheidung ist bereits am 28.06. gefallen. An dem Abend verlor übrigens Deutschland gegen Italien. Für die Entscheidung dieses wichtigen Themas benötigte der Bundestag 57 Sekunden. Man wollte wohl den Anstoß des Spieles nicht verpassen. Es waren nicht viele anwesend gerade mal ein paar Dutzend sicherten die Beschlussfähigkeit von eigentlich 600 gewählten Volksvertretern. Da ganz wurde dann noch charmant als Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens verkauft.

Angesichts dieses Beispiels muss man sich wirklich Fragen, wo wir mit unserer Demokratie hingekommen sind. Was erlauben sich die Abgeordneten eigentlich? Ich denke die mündigen Bürger und Wähler sind sich einige. Der Verkauf der Daten zu wirtschaftlichen Zwecken ist ein klarer Verstoß gegen die Grundrechte der Bundesbürger. Die Opposition wird versuchen das Gesetz im Bundesrat zu stoppen. Ich denke aber auch, dass unser Bundespräsident dieses Gesetz nicht in dieser Form unterschreiben wird.

Auf jeden Fall sollten wir uns aber das nicht gefallen lassen und uns dagegen wehren. Das Thema muss in der Öffentlichkeit noch weiter bekannt gemacht werden. Liebe Regierung fragt doch bitte den Bürger vorher, ob er es möchte dass seine Daten an irgendwelche Firmen verscherbelt werden. Was unerwünschte Werbung angeht liebe Firmen, da habe ich schon einen Plan B in der Schublade. Ihr werdet viel Spaß mit mir haben.

Uwe Abel

2 thoughts on “Verraten und verkauft”

  1. Danke für diesen informativen Artikel!
    Das ist ja einfach unglaublich und eine Frechheit obendrein!!! Datenschutz gibt es also immer nur für die, die das Sagen haben und entscheiden wann dieser frei ausgelegt werden sollte… Nun, eigentlich ist es doch immer das Selbe, Demokratie findet in unseren Land auch mein?t nur von Oben nach unten statt. Wehren kann man sich in wenigen Fällen und auch nur dann wenn man überhaupt von den Dingen erfährt.
    Vielleicht sollte man eine Petition im Bundestag einreichen? Ich weiß zwar nicht wie das geht, habe aber schon zwei mit unterschreiben.

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