Jesus auf Drogen?!

Seit meine Kinder Mangas lesen und wir öfters mal in einschlägigen Geschäften verkehren habe ich auch meine Leidenschaft für Comics wieder entdeckt. Mein Lieblingsladen ist „Grober Unfug“ in der Torstraße. Hauptsächlich meine alten Helden habe ich mir dort beschafft. Die Comics aus den Zack Heften, wie Luc Orient, Comanche usw. haben es mir angetan. Eine Zeitreise zurück quasi.

Gestern habe ich mich mal an was ganz neues heran getraut: Daddy von Matthias Schultheiss. Mehrere Preise hat er schon für seine Werke eingeheimst. Er arbeite auch als Illustrator und hat auch schon ein Theaterstück inszeniert. Sein 1985 erschienenes Comic-Album Kalter Krieg wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen. Die Begründung war nicht der Vorwurf von Gewalt und sexuellen Darstellungen, sondern das Argument, der Autor würde durch seine Schilderung und Darstellung bestimmter Ereignisse der Jugend keine Hoffnung machen. (Quelle Wikipedia)

Nun also sein neues Werk Daddy! Zum Inhalt: Der Sohn Gottes kehrt auf die Erde zurück – und diesmal hält er nicht die andere Wange hin! Wir befinden uns in einer Zeit, wo furchtbare Kriege, barbarische Taten und Katastrophen das Los der Menschen des dritten Jahrtausends ausmachen. Also verlangt Gott von seinem Sohn, dass er sich erneut den Menschen offenbart und sie ihm zuführt. Doch Jesus will nicht noch einmal dieselben Opfer durchleiden, denn er hat die Täuschung seines Vaters durchschaut. Zudem hat ihn Gott bis zur Blindheit geschlagen. Von einem direkt aus der Hölle kommenden Führer begleitet, wandert er inmitten der Menschen umher, als Armer unter Armen, und verlangt unaufhörlich nach Drogen; das Einzige, was seinen Schmerz gegenüber Gottes Gleichgültigkeit vor dem Flehen seiner Kinder lindern kann, so der Klappentext des Comics. Schon das Coverbild verheißt nicht Gutes.

Es ist eine Abrechnung mit Gott, nein wohl eher mit der katholischen Kirche. Die werden sicher beim Lesen des Werkes nur eines ausrufen; Blasphemie und Schultheiss exkommunizieren. Das wird ihn wohl aber nicht stören. Di Zeichnungen sind mitunter sehr düster, das ganze Werk ist sehr atmosphärisch. Die Texte und die Story sind geprägt vom schwarzen Humor. Beides, der Humor und die Zeichnungen ergeben die Schwärze eines schwarzen Loches, welches alles Licht in sich aufsaugt. Daher sollte man „Daddy“ nur bei Flutlicht lesen. Adolf Hitler als Begleiter und Verführer aus der Hölle mit Narrenkappe ist schon ein Fall für sich. Er besorgt dem blinden Jesus die Drogen möchte mit ihm gemeinsame Sache machen und bietet ihm einen Posten als Reichsheiler an. Anderseits prangert er Gott an, der solche Verbrecher wie ihn überhaupt zugelassen hat. Für ihn ist der Gott, Gott und Satan in einer Person.

Gott spricht nicht mit seinem Sohn, was Jesus zweifeln lässt. Er glaubt, das er/wir nur ein vergessenes Experiment in einem Reagenzglas. Vielleicht ist Gott aber auch nur gelangweilt von uns oder bereits tot. Daddy zeigt auch, was passieren würde, wenn Jesus heut noch einmal auf die Welt kommen würde und sich offenbaren würde. Er würde wieder an der Ignoranz und der Schlechtigkeit der Menschheit scheitern.

Fazit: ich war skeptisch ob ich mich mit dem Zeichenstil und dem Inhalt anfreunden kann. Meine Zweifel waren bereits nach den ersten Seiten verflogen. Von der ersten bis zur letzten Seite hielt mich „Daddy“ gefangen. Empfehlenswert. Das Thema sollte verfilmt werden.

Uwe Abel

7 thoughts on “Jesus auf Drogen?!”

  1. Ich kann an einem solchen Machwerk nichts Tolles finden, egal wie es gezeichnet ist. Es ist eine Blasphemie, da braucht man nicht katholisch zu sein, um das so zu empfinden. Diese Sache geht nicht gegen Papst und Kirche, sondern nimmt das Christentum auf die Schippe.

    1. Ich glaube nicht, das sich Schultheiss hier über das Christentum lustig macht, sondern hier her kritisiert, was die selbsternannten sogenannten Vertreter Gottes aus seinem Werk machen und versuchen gläubige Menschen damit zu manipulieren.

      Uwe

      1. Ganz gleich, wieviel aus der Bibel weggelassen oder innerhalb der einzelnen Kapitel auch vertauscht wurde, sicherlich kommt Jesus nicht als drogensüchtiger Idiot wieder, sondern als Richter – der göttliche Geist ist kein Betrüger. Zu dem Schluss kommen nur Menschen, die sich selbst betrügen. Ich kenne Origenes „Feuer und Geist“ und auch „Die zehn Bücher des Gregor von Tours“ und weiß daher genug über die frühen Christen. Das, was Schultheiss hier kreiert, zeigt einfach nur, dass er mit dem „Strom schwimmt“, um tüchtig Kohle abzukassieren und von der Materie selbst nicht den blassesten Schimmer hat.

        Elke

      2. Hallo Elke, ich möchte natürlich nicht Deinen Glauben in Frage stellen oder Deine Gefühle in dieser Hinsicht verletzen. Schultheiss stellt Jesus hier auch nicht als Idioten dar. Er lehnt sich auf, weil er die Logik seines Vaters nicht mehr versteht, der vorgibt die Menschen zu lieben und sie trotzdem so leiden lässt, egal welche Argumente Gott sein Vater dafür ins Feld führt.

        Ich bin übrigens Atheist und bin der Überzeugung, das jeder seinen Glauben ungehindert ausüben soll. Jede Form von Fanatismus verurteile ich aber. Jedem seine Meinung zum Thema Gott und Religion.

        Uwe Abel

      3. Dass Du Atheist bist, lieber Uwe, habe ich schon gemerkt – trotzdem, die Meinung, dass Gott die Menschen leiden lässt ist abstrus. Ich sehe nur Menschen, die die Natur, Tiere und andere Menschen leiden lassen, kein Gott. Ich verurteile übrigens auch jede Form von Fanatismus, auch den der Atheisten.

        Elke Gelzleichter

      4. Bin ich fanatisch? Hmm ich geh sogar wegen der Kinder mit zum Gottesdienst und betrachte das ganze etwas distanziert. Du schreibst Ich sehe nur Menschen, die die Natur, Tiere und andere Menschen leiden lassen, kein Gott. Das sehe ich auch so. Die Frage ist, wenn Gott allmächtig ist, warum lässt er das denn zu. Worauf wartet er, haben wir uns nicht schon lange als seiner unwürdig erwiesen.

        Uwe Abel

      5. Die uralte Frage des Menschen kann man einfach damit beantworten, dass die Zeit in seinen Händen liegt, lieber Uwe. Außerdem bin ich nicht geneigt, das göttliche Allwissen – so möchte ich die Kraft nennen, die alles beinhaltet bzw. der Inhalt von allem ist – als Person zu sehen. Er ist nicht der alte Trottel mit dem Bart, dem man alles in die Schuhe schieben kann. Es bleibt nicht nur in der Materie, sondern auch in der Geisteswelt nichts unbemerkt, was geschieht, und hat auch Folgen, die Naturgesetze sind nicht außer Kraft zu setzen. Wir leben nun eben in dem Zeitalter, in dem sich die Geister scheiden. Man sollte seine eigene Neigung zur Dunkelheit schon überdenken.

        Liebe Grüße Elke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s