Rotlicht, Willkür und Lügen

Der Anruf kam völlig unerwartet von der Fuhrparkleitung. Mein Kollege zuckte sichtlich zusammen, als er die Hiobsbotschaft bekam. Er wäre bei rot über die Ampel gefahren. Das bedeutet mindestens einen Monat Fahrverbot. Für einen Außendienstler nicht gerade vorteilhaft. Die Fuhrparkleitung musste jetzt erst mal eine Fahrerbenennung machen. Das war im Juni 2011. Es dauerte aber nicht lange, da flatterte das Schreiben des Polizeipräsidenten ins Haus. Angeblich in den frühen Morgenstunden habe er das Rotlicht ignoriert. Mein Kollege verglich die Daten und wusste sofort, das hier was nicht stimmen konnte. Zum Glück ist er beim ADAC versichert und die Anwaltssocietät WEGENER & WITTKOWSKI hat ihn ausgezeichnet vertreten. Die haben mir auch schon ein paarmal gut und kompetent geholfen.

Gesagt getan. Die Unterlagen wurden also weiter gereicht. Der Anwalt forderte Akteneinsicht. Es dauert auch nicht lange, da hatte mein Kollege den Kompletten Bericht der Polizistin in der Post. Sein Verwunderung wurde noch größer der Bericht war sehr ausführlich.

Angeblich sei er an die Ampel heran gefahren und nach dem er gestoppt hatte ist er wieder los gefahren, nach dem die Ampel schon eine Weile rot zeigte. Die Beamtin saß selber im Auto und stand zwei Autolängen hinter ihm. Es dämmerte und es war bewölkt. Bei diesen Lichtverhältnissen konnte die Beamtin meinen Kollegen und Freund genau beschreiben. Welches Hemd er trug, welche Krawatte, die Brille. Auch über die Haarfarbe war sie sich im Klaren. Die Alle konnte sie aus ca. 10 Meter Entfernung im Halbdunkel durch die getönte Heckscheibe sehen. Respekt, die Frau hat Röntgenaugen. Mein Kollege vermutet zu Recht eine Form von Beamtenwillkür und vermutete, das er der Frau irgendwie mal zu nahe getreten sei. Der Name sagt ihm aber nichts. Ich riet ihm davon ab die Frau zu kontaktieren. Also informierte er den Anwalt und bat darum die Sache gerade zu rücken. Die Antwort des Anwaltes bestürzte uns noch mehr. Er meint es wäre aussichtslos sich auf Grund der ausführlichen Schilderung auf einen Rechtsstreit einzulassen. Die Aussage der Beamtin würde mehr wiegen als die des vermeintlichen Täters. Mein Kollege sollt einfach abstreiten das Fahrzeug zur Tatzeit gefahren zu sein. Also war er mehr oder weniger dazu gezwungen zu lügen. Im weiteren Schriftwechsel wurde dann auf Antrag des Anwaltes das Verfahren eingestellt. Die Kosten trägt die Staatskasse.

Welche Motive die Beamtin hatte bleibt unklar. Mein Freund ist niemals bei Rot über die Ampel gefahren. Schlimm finde ich, das man bloß weil die Beamtin irgendein Problem hatte, dieser Willkür ausgeliefert ist und man zum Lügen gezwungen wird. Hier kann doch etwas nicht stimmen in unserem Rechtsstaat.

Uwe Abel

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Ein Gedanke zu “Rotlicht, Willkür und Lügen”

  1. Na, da muss ich dann mal kommentieren.

    Wollte ja schon neulich darauf hinweisen, daß man, wenn auch rechtschutzversichert beim ADAC, nicht an deren Anwaltsempfehlungen gebunden ist. Gesetzlich garantiert herrscht freie Anwaltswahl!

    Ich glaube nicht, daß der Kollege empfohlen hat, wahrheitswidrig abzustreiten, das Fahrzeug gefahren zu sein. Der Angeklagte darf zwar lügen, der Verteidiger darf aber dazu nicht anstiften. Der Kollege wird geraten haben, zu schweigen, man muss sich nämlich nicht entlasten, sondern die Tat muss nachgewiesen werden. Zum Fall im übrigen schreib ich nichts.

    Was die Strafjustiz angeht, ist Ihre Einschätzung zu unserem Rechtsstaat übrigens richtig: Da stimmt was nicht. Meiner Meinung nach haben Strafgerichte und Staatsanwaltschaften oft eine fatale Verurteilungstendenz. Die Politik will Erfolge bei der “Verbrechensbekämpfung” und wer als Richter und Staatsanwalt Karriere machen will in der Justiz, weiß das. Solange die Bürger sich eher davor fürchten, auf der Straße ausgeraubt, als zu Unrecht als Rotlichtfahrer oder Raubkopierer oder Polizistenverprügler verurteilt zu werden, und daran ihre Wahlentscheidung ausrichten, wird sich nichts ändern.

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