Burnout-Lüge?

Die deutsche Depressionshilfe hat eine Pressemitteilung veröffentlicht. Hier klicken

Nicht nur hier wird die häufige Verwendung des Modewortes kritisiert. Immer häufiger wird angezweifelt dass es überhaupt einen Burnout gibt. Wobei, darum geht es eigentlich nicht. Kritisiert wird, dass ein ernster Zustand mit einem Modewort verniedlicht wird und damit eine ernsthafte Erkrankung falsch behandelt wird.

Der Artikel „Fünf Gründe gegen das Modewort Burnout“ von Prof. Dr. Ulrich Hegerl fasst die Problematik gut zusammen. Die Depression ist auf dem Weg, die Volkskrankheit Nr. 1 zu werden.

Das entscheidende für mich bei diesem Artikel sowohl als Arbeitnehmer und Vorgesetzter sind die Auswirkungen im Arbeitsprozess. Anstelle, das der Arbeitnehmer arbeitsunfähig geschrieben wir, soll ihm ein geregelter Arbeitsablauf ermöglicht werden, natürlich mit reduzierter Belastung. Das hängt natürlich auch mit der Schwere der Erkrankung zusammen.

Das leidige daran ist aber, die Anzeichen auch rechtzeitig zu erkennen. Sowohl bei sich selber, als auch bei den Kollegen. Die Stigmatisierung der Erkrankten führt zu einer falschen Scham. Wer vertraut sich schon gern den Kollegen an, wenn er damit rechnen muss, dass später der ganze Betrieb darüber spricht. Auch zum Facharzt(Psychiater) geht keiner so gerne, man ist ja schließlich nicht bekloppt.

Unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert verändert sich rasend schnell. Der Druck auf den einzelnen steigt immens. Im privaten Bereich fühlt man sich unter Druck gesetzt. Mithalten mit dem technischen Fortschritt, wie der Nachbar exotische Reisen machen, den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen. Bloß nicht in der zweiten Reihe stehen. Das wiederum führt auch zum Druck im Beruf. Als Vorgesetzter oder Mitarbeiter ständig besser sein. Ständig unter Beobachtung stehen. Bloß keinen Fehler machen, damit einen die „U-Boote“ nicht torpedieren. Das führt uns zu der Frage, was ist eigentlich der Auslöser für die, fälschlicherweise als Burnout bezeichnete Depression? Diese Antwort kann nur ein Facharzt beantworten und lässt sich sicher nicht pauschalieren.

Man kann nur jedem raten, der sich überfordert fühlt, sich möglichst bald fachlichen Rat einzuholen. Lieber früher als zu spät die Beratung suchen. Mit dem Begriff Burnout sollte man dabei vorsichtig sein um eine falsche Behandlung zu vermeiden.

Rat findet man auch hier: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Dort findet Ihr auch das Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz. Eine sinnvolle Initiative. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK sind Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1995 um 80% gestiegen. Das ist wirklich heftig, wenn man bedenkt, dass es sich ja hier um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt.

Wobei wir reden mal wieder nur um die Bekämpfung der Symptome. Wichtiger wäre es, etwas gegen die Ursachen zu tun. Das wird aber schwierig in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Ein erster Schritt wäre die Anerkennung und der offene Umgang mit dem Krankheitsbild. Wir sollten erkennen und begreifen, dass nicht jeder Mensch mit dem Druck umgehen kann. Auch sollten wir nicht vergessen, dass wir selbst jederzeit erkranken könnten, wenn unser Leben aus den Fugen gerät.

Uwe Abel

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3 Kommentare zu “Burnout-Lüge?”

  1. „Downshifting“ heisst das neue Zauberwort.

    Raus aus dem Hamsterrad, ohne Rücksicht auf Verluste. Sich selber zu achten, und es auf Kosten der Gesundheit und des eigenen Glückes nicht aufs Spiel zu setzen.

    Jeder muss für sich selber erkennen, dass an dem ganzen System etwas gewaltig aus dem Gleichgewicht geraten ist.

    Bis dahin, keep cool, und abwarten.

  2. Es fehlt die Wärme, das Verständnis und die Toleranz in unserer Gesellschaft. Das Leben besteht oft nur noch aus Geschwindigkeit. Hinzu kommen die verschiedenen Formen von Ängsten. Die Angst sich die Wohnung nicht mehr leisten zu können, die Arbeit zu verlieren, der soziale Beziehungsverlust, der Anspruch anderer an einen selbst, der Kampf um Anerkennung. Einen Ausgleich hierfür bietet oft nur eine intakte Familie und viel Liebe. Was viele nicht wissen, Depression ist nicht heilbar. Wer sie einmal hat ist nie mehr sicher davor. Dies bedeutet auf unsere kranke Gesellschaft bezogen leider nichts gutes.

  3. Leider ist der Begriff „leistungsorientiert“ auch falsch besetzt, „ausbeutungsorientiert“ wäre richtig. Wenn jeder nach seinen Fähigkeiten, der Qualität (und auch nach dem Quantum) seiner Leistung bezahlt würde, wäre die Sache in Ordnung. Aber wer bezieht den meisten Lohn? Nicht derjenige, der am meisten arbeitet, sondern der mit den breitesten Ellenbogen, der, der am besten intrigieren kann, derjenige, der am flottesten die Peitsche schwingt. Das ist die Krankheit unserer Gesellschaft. Die „Nieten in Nadelstreifen“ füllen sich ihre Taschen und plündern diejenigen, die die Leistung erbringen aus, fahren blühende Unternehmen an die Wand und kassieren dann auch noch für ihr Versagen ab. Zurück bleiben ausgebrannte Arbeitnehmer und HartzIV-Empfänger. Solange wir unser Leben diesem menschenverachtenden Spiel von „Gewinnen aus Verlust“ überlassen, fahren wir unsere eigene und die Zukunft der Kinder und Enkel „an die Wand“.

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