Reise zu den Sternen.

Berlin 1947, eine Stadt liegt in Trümmern. Es gibt kaum etwas, um etwas zu bauen. Keine Materialien, keine Maschinen. Trotzdem gab es Menschen die in dieser Alptraumlandschaft etwas bewegt und geschaffen haben. Leider sind diese Helden in Vergessenheit geraten.

Da war Hans Rechlin, Schauspieler. Ohne Aussicht auf Arbeit, verdiente er ein paar Pfennige damit, das er Leute durch sein Fernrohr sehen lies. Hier lernte er Hans Mühle, Mechaniker, kennen. Beide waren gerade aus Kriegsgefangenschaft entlassen und Hobbyastronomen.

Das Problem für beide, die einzigen Sternwarten lagen im russischen Sektor. So entstand die lächerlich anmutende Idee eine Sternwarte im westlichen Sektor zu bauen. Bloß woher nehmen? Eine Linse für ein mittelgroßes Teleskop hätte alleine 20.000 Mark gekostet.

Das war natürlich allein nicht zu stemmen. In der Nähe des Tempelhofer Flughafens wurde dann bald mit Hilfe von Schülern die Arbeit begonnen. Material wurde aus den Trümmern beschafft oder über den Schwarzmarkt. Hierfür opferten die beiden ihre Brotrationen. Geld war immer noch knapp und der Winter streng. Das teuerste waren die Linsen. Was für ein Glück, das Mühle Hermann Grandt kennen lernte. Der arbeitete in einer Schokoladenfabrik und hatte als Hobby, dass schleifen von Linsen. Natürlich schliff er die Linsen für Rechlin und Mühle.

Im Frühjahr 1948 war das erste Teleskop fertig. Kosten 3 Mark für das Schweißen eines alten Ofenrohrs als Tubus. Viele Berliner wollten sich das ansehen und auch Vorträge anhören. Für eine Mark im Monat konnte man daran teilnehmen. Die Zahl der Helfer wurde mehr. Inzwischen hatten Rechlin und Mühle 8 Teleskope konstruiert. Für eines braucht man einen Spiegel von 30 Zentimeter Durchmesser. Grandt traute sich das schleifen zu, wenn man ihm eine besonders dicke Glasplatte besorgen würde. Diese fand man in den Trümmern des Aquariums, eine Glasscheibe eines Fischbeckens.

Inzwischen waren auch andere Sternwarten und die Fachwelt auf das „Projekt“ aufmerksam geworden. 1950 gerieten Mühle und Rechlin in große Aufregung. Rechlin hatte unter den Trümmern der Urania Sternwarte ein 6 Meter langes Teleskop mit 30 Zentimeter Spiegel gefunden. Doch der Transport gestaltete sich schwierig, der Sockel alleine wog eine Tonne. Erst im Sommer 1952 sollte das Teleskop aufgestellt werden. Das sollte Rechlin leider nicht mehr erleben. Er verstarb, als er am Ende seiner Kräfte war. Alles zu Ende? Der Berliner Senat sprang ein und unterstütze Mühle und die Sternwarte mit jährlich 25.000 Mark. Viel Geld für die verarmte Stadt.

Nun wissen wir welchen vergessenen Helden die Wilhelm-Foerster Sternwarte zu verdanken haben. Eine der größten „Volkssternwarten“ der Welt.

Uwe Abel
Quelle: Wikipedia und Readers Digest „Das große Jugendbuch von 1960“

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