Pleitenwelle bei den Krankenkassen?

Krankenkassen, Pleiten, Falschmeldungen. So, kaum ist die erste Messe gesungen und die City BKK so gut wie geschlossen, brodelt es in der Gerüchteküche.

Stern.de berichtet, dass die „Vereinigte IKK“  Probleme hat und die anderen IKK´n um Hilfe bitten muss. Stern Artikel

Die Vereinigte IKK dementiert den Bericht und behauptet, dass es sich um eine Falschmeldung und unternimmt den Versuch der Rechtfertigung. Stellungnahme der IKK

Das stimmt sehr nachdenklich. Wenn jetzt voreilig Nachrichten über finanzielle Schwierigkeiten verbreitet werden, könnten Krankenkassen, die noch eine Chance hätten, in den Ruin getrieben werden. Das ist vielleicht weit her geholt, aber solchen Meldungen helfen keinem weiter.  Erstens werden die Versicherten verunsichert und entschließen sich vielleicht rechtzeitig die Krankenkasse zu wechseln.  Mitarbeiter werden sich vielleicht rechtzeitig nach einer  beruflichen Perspektive umsehen. Erfahrungsgemäß wechseln als erstes die besser qualifizierten Mitarbeiter.

Im Fall der IKK scheint es wirklich eine Falschmeldung zu sein. Immerhin erhebt sie noch keinen Zusatzbeitrag. Wer streut also solche „Falschmeldungen“? Zwischen den Krankenkassen ist ein harter Wettbewerb entbrannt. Die letzte Gesundheitsreform soll die Krankenkassen zu Fusionen zwingen und die Zahl der Krankenkassen minimieren. In der jüngsten Vergangenheit haben davon schon viele Krankenkassen gebraucht gemacht. Durch solche Meldungen kann man mögliche Fusionspartner schwächen. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Als Ursache für die Schieflage einiger Krankenkassen wird hauptsächlich falsches Management,  eine schlechte Versichertenstruktur und dem  Gesundheitsfond, dessen Mittel anscheinend nicht ausreichen. Die Ausgaben scheinen nach wie vor die Einnahmen zu  übersteigen.

Dabei vergessen viele, dass das Problem eigentlich schon früher entstanden ist.  Nämlich seit 1996, als sich die Betriebskrankenkassen öffnen durften und somit nicht nur Betriebsangehörige Mitglied werden konnten.   Diese Betriebskrankenkassen konnten auf Ihrer Struktur einen niedrigen Beitragssatz anbieten. Die Folge war, dass viele Versicherte aus finanziellen Gründen den teuren, großen Kassen den Rücken kehrten. Dazu gehörten AOK´n, Innungskrankenkassen und auch große BKK´n, wie z.B. die BKK Stadt Berlin, die später mit Hamburg zur City BKK fusionierte.  Die „Risiken“ wechselten nicht. Ältere und Kranke blieben bei den Krankenkassen, die dann wirklich „krank“ wurden. Die Beitragzahler wurden weniger. Die Ausgaben stiegen, die Einnahmen nicht.  Diese Taktik sollte den Wettbewerb anheizen. Hat ja wirklich gut geklappt.

Als dann der Wettbewerb dazu geführt hat, das reichlich Krankenkassen in Not waren, wurde  der Wettbewerb gestoppt uns der Gesundheitsfond eingeführt und damit ein einheitlicher Beitragsatz, der dann im Nachgang die gesetzlichen  Krankenkassen dazu zwang Zusatzbeiträge zu erheben. Das bedeutete für die bereits angeschlagenen Krankenkassen eine neue Abwanderungswelle. Im Fall der City BKK, im Endeffekt das AUS.

Wie es weitergeht? Alles Spekulationen? Angstmache?  Die Presse sollte sich lieber zurück halten, damit die Krankenkassen weiterhin eine Überlebenschance haben.

Uwe Abel

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