Der Doktor der Herzen?

Normalerweise bin ich ja schneller mit meinen Posts zu politischen Themen. Ich habe aber meiner Frau versprochen ruhiger zu werden und weniger emotional zu reagieren. Versuchen wir es einfach einmal.

Es geht um Guttenberg und um den Zustand unserer Demokratie und der Umgang untereinander und mit Politikern. Herr Guttenberg hat also einen Fehler gemacht. Der Doktortitel ist futsch und sein Verhalten ist durchaus Kritik würdig. Das steht außer Frage. In Frage zu stellen ist aber die Art und Weise.

Die Presse und politischen Gegner stürzt sich wie die Geier auf das Thema und fordert drastische Konsequenzen. Auf Twitter haben sich einige Mitglieder der Piratenpartei und ihre Sympathisanten in einer Form geäußert, die unterstes Niveau. Ist wurde der Vergleich hergestellt zu Wehrmachtsoffizieren hergestellt, die sich auf Grund eines Fehlers oder vermeintliches Versagen selbst gerichtet haben. Auch Zitate wie “ früher ist man freiwillig zur Ostfront… oder man hatte ja für diesen Fall eine Pistole in der Schublade…“ waren zu lesen. Diese Art ist bei den Piraten kein Einzelfall, so gehen Sie auch miteinander um. Die Piratenpartei kann man bald nur noch Pöbelpartei nennen. Die Art und weise des Wehrmachtsvergleichs könnte vermuten lassen, das eine „braune Denkweise“ in der Piratenpartei verbreiteter ist, als viele wahrhaben wollen. Ich hoffe, dass diese Partei keine politische Verantwortung bekommt, sonst wird solch eine Vorgangsweise noch Usus.

Aber auch andere haben ja versucht Herrn Guttenberg weiter zu diskreditieren. Warum kommt die Sache eigentlich gerade jetzt ans Licht? Was wird man als nächstes ausgraben um dem Verteidigungsminister ein Bein zu stellen. Ist einigen das Engagement in Afghanistan und seine regelmäßigen Besuche jemanden ein Dorn im Auge? Passt da einigen Militanten der Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee nicht in den Kram? Das ist ja mal ganz schlecht für die Rüstungsindustrie.

Wo zieht man eigentlich in einem solchen Fall eine Line zwischen dem Erlaubten und dem Vertretbaren? Wie weit und in welchem Umfang darf ein solches Verhalten geduldet werden? Fehler oder absichtlicher Betrug? Das Problem ist eigentlich nicht, dass er die Fußnoten vergessen hat und dass er sich nicht ganz korrekt verhalten hat, viel schwere wiegt der Vertrauensverlust in seine Person. Er sollt aber die Chance erhalten das schiefe Bild wieder zu korrigieren. Diese Möglichkeit sollt jeder erhalten. Herr Guttenberg ist auch ohne Doktortitel ein guter Verteidigungsminister.

Herr Guttenberg hatte offensichtlich eine vergessene Leiche im Keller. Da steht er aber nicht alleine da. Andere können sicherlich noch mit einem ganzen Friedhof aufwarten. Bei den vielen Sympathien kann sich Herr Guttenberg ja vielleicht bald “ Der Doktor der Herzen nennen“

Uwe Abel

P.S. Sollte ich mal Kanzler oder sonst was werden: Ich habe in der Schule öfters abgeschrieben. Ich gebe daher schon mal jetzt meinen Titel als mittelmäßiger Schüler zurück.

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8 Kommentare zu “Der Doktor der Herzen?”

  1. Du hättest den Artikel ganz bleiben lassen sollen.
    Auch wenn du es versuchst taugt der noch nicht mal zum Piratenbashing.

    Sicher wird das Ding mit der Doktorarbeit schon eine Weile in der Schublade gelegen haben und wurde jetzt herausgeholt, weil Guttenberg einigen Leuten auf die Füße getreten ist.
    Meiner Meinung nach hat er damit seine Vorbildfunktion als Minister und jede Menge Vertrauen verspielt.
    Warum sagst du, dass er seinen Job als Minister gut macht?
    Da ist mir die Argumentation zu dünn. Da kann ich auch die Bild lesen. Die hauen auch einfach so Parolen raus.

    Der Mann lügt uns die Hucke voll, entscheidet einfach mal so über die Aussetzung der Wehrpflicht, ohne sich anscheinend Gedanken um die Mitarbeiter zu machen. Die öffentlichen Auftritte sind ihm da wohl lieber, um seine Popularität zu steigern.
    Der ist widerlich und klammert sich an den Posten, wo andere Leute mit etwas mehr Rückgrat schon früher diesen geräumt haben.
    Und wenn du mal in deine neue Partei guckst:
    Der Cem Özdimir(oder wie der geschrieben wird) hat auch mal Mist gebaut und ist zurückgetreten. Und nun wird ihm wieder ne Chance gegeben und er darf wieder mitmischen.
    So kann das funktionieren.
    Aber nicht mit den Dr. abgeben und zur Tagesordnung übergehen. Dafür ist er einfach mal für das Amt, das er bekleidet zu beschädigt.
    Er muss ständig damit rechnen, mit dieser Tatsache immer wieder konfrontiert zu werden.
    Schwieriger Job. Wer einmal lügt…

    Aber egal. Mach weiter mit dem Bashing. (BTW: KTG wurde gestern im Bundestag auch vorgehalten, dass früher die Adligen wussten, was man in einem solchen Fall zu tun hatte. Und das war kein Rechter, der das gesagt hat.)

    1. Ich stelle fest: Austeilen können die Piraten gut. Einstecken funktioniert da schon weniger. Ja, auch bei den Grünen ist nicht alles im Grünen Bereich, aber wo ist es das schon. Google doch mal nach Schatzmeister, grüne und Branden burg 🙂

      1. Das Thema wollte ich eigentlich dezent ausklammern.
        Ist schlecht, wenn der Mann Vollzugriff auf die Konten hat. Und weil man nicht in jeden Menschen „reinsehen“ kann, muss man halt Vorkehrungen treffen, die so etwas erschweren.
        Aber das kann jeder Gruppierung/Partei/Firma passieren, da muss man jetzt nicht drauf rumhacken.

      2. Nein ich finde das was Guttenberg gemacht hat nicht gut. Ich finde aber auch die Art und Weise nicht gut, wie das alles abläuft. Nein Bashing betreibe ich nicht. es betrübt mich nur zutiefst, wie die Piraten sich in Berlin selbst beharken. Diese zerstörerische Ader macht eine gute Sache kaputt.

        U.A:

  2. Uwe, du verteilst laufend „Piraten-Schelte“, egal welches Thema gerade so ansteht. Das finde ich sehr gut.

    „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ [Mahatma Gandhi]

    Bitte weiter machen 😉

    1. Nein, nicht nur. Aber es ist mir ein Bedürfnis, noch einmal mein Beweggründe zum Parteiaustritt nahe zulegen. Wären alle so wie die Spandauer Piraten, wäre das sicher kein Problem gewesen. Aber das was z.B. auf der ML Berlin abgeht ist doch wirklich nicht mehr vertretbar für eine Partei, die politische Verantwortung übernehmen will. Ihr seid doch für Transparenz. Macht doch mal die Dialoge öffentlich und fragt dann die Leute, was Sie von der Piratenpartei halten.

      Uwe Abel

  3. Ich bi zwar kein Pirat und finde Vergleiche mit der Wehrmacht auch blöd – aber: Herr Guttenberg hat mit seiner Frau in der Fernsehshow bei Kerner in Afghanistan schon schwer daneben geriffen – ich hatte den Eindruck von Maßlosgkeit, was die Publicity-Sucht angeht und ich fand es gänzlich unpassend, seine Frau (gewissermaßen als Soldatenmutti) vorzuführen! Frau Guttenberg hat kein demokratische Mandat für derlei Auftritte!
    Daher hat es mich richtig erzürnt, zu sehen, wie Herr Guttenberg auf die Plagiatsvorwürfe reagiert hat (abstruse Vorwürfe!) Seine wolkigen Stellungnahmen haben eher den Eindruck vermittelt, dass er verschleiern will, als reinen Tisch zu machen. Vielleicht sollte Frau Dr! Merkel ihm jetzt alle Zeit der Welt geben, sich um sein persönliches Image zu kümmern und ihn entlassen. Es kann ja nicht Aufgabe des Verteidigungsministers sein, den Schaden, den er bzgl. seiner Person selbst angerichtet hat, mit den Mitteln des Bundesverteidigungsministers zu bereinigen. Sonst wird er eben nur noch Selbstverteidigungsminister!

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