08.06.87 – Ein Tag, ein Berlin.

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Noch war Berlin eine geteilte Stadt. Eine Insel im roten Meer. Wir hatten schon zwei super Konzerttage hinter  uns. Direkt im Schatten der Mauer, vorm Reichstag trafen sich Musikliebhaber aus Berlin und der BRD, während die Bürger in Ost Berlin eingesperrt, den Konzerten nur entfernt lauschen konnten. Der Obrigkeit in der DDR waren die Ereignisse in West-Berlin ein Dorn im Auge.

An ersten Tag spielten New Model Army und David Bowie (06.06) direkt vorm Reichstag.  Am zweiten Tag gegenüber des Reichtagsgebäudes, Bruce Hornsby und dann die Eurythmics.  Zu diesem Zeitpunkt brodelte es in Ost Berlin schon mächtig. Wir erwarten sehnsüchtig den Höhepunkt des 3-Tages Events. Nach Paul Young wurde die Rocklegende Genesis auf der Bühne erwartet.  In den vergangenen Tage hatten wir schon gesehen, wie Ost Berliner auf den Dächern und in den Fenstern wieder verschwanden als sie versuchten dem Konzert zu folgen. Am 08.06.87 kommt es zum traurigen Höhepunkt.

Es kommt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Volkspolizei. Die Sicherheitskräfte versperren etwa 3000 Rockfans, die vom Brandenburger Tor aus ein Konzert vor dem Reichstag mithören wollten, den Zugang. Ein Ereignis, das vermutlich seinen Anteil daran hatte, das die Jugend in der DDR aufbegehrte und den Umsturz mit einleitet. Erst viel später kommt die DDR Jugend in den Genuss von Konzerten westlicher Bands. Zum Beispiel 1988 Barclay James Harvest im Treptower Park.

Irgendwie hat Phil Collins von den Ausschreitungen in Ost Berlin erfahren. Wir Konzertbesucher hatten  zuerst nichts davon mitbekommen. Sollten wir aber noch. Meine Hosenbeine flatterten vom Baß der Boxen.  Phil sang „Hey Mama“ und lies sich von unten grün anstrahlen.  Die Stimmung steuerte so früh am Anfang auf den ersten Höhpunkt zu. Dann Stille. Phil sprach deutsch. Es war die Erklärung zum folgenden Song Domino. Eigentlich geht es in dem Song um den Atomkrieg aber Phil Collins nutze den Song um auf die Situation in Ostberlin aufmerksam zu machen(sinngemäß): „wenn den Leuten da drüben etwas passiert“ er zeigt nach Ost Berlin und betont passiert und zieht das Wort in die Länge,“ steckt es die Leute hier drüben an“ er zeigt auf das Publikum rechts von der Bühne. Das Publikum versteht und reagiert. Ich weiß nicht mehr genau was aber es war ein Mischung aus Jubel, Applaus  Yeah und noch etwas was lautstark aus der Menge kam.  Jetzt dirgierte Phil die Maßen. „Da drüben,  hier drüben,  da drüben dort drüben“ usw. immer im Wechsel von Ost zum Publikum hin und her. Jedes mal geht das Publikum mit und antwortet wie ein gigantischer Chor im einer Lautstärke, so das es die Unterdrücker im Osten recht laut hören konnten.  Es war ein bewegendes Ereignis, das heute mir noch tief in Erinnerung geblieben ist. Damals wussten wir noch nicht, das am 09.11.89 die Mauer wie ein Dominostein fallen würde.

In Erinnerung ist mir die Geschichte gekommen, als ich heute und in den letzten Tagen über Twitter las, was in Ägypten, Jordanien uns Saudi Arabien passiert. Der Dominostein Tunesien hat den Stein in Ägypten zum kippen gebracht. Wenn er fällt folgen dann Jordanien oder andere? Eine Kettenreaktion, die endlich zum Ende der Despoten und zu einer freien und friedlicheren Welt in Afrika und Arabien führt? Wir werden die Nachrichten weiter verfolgen und hoffen, das die anstehenden Revolutionen, friedlicher verlaufen als bisher.

Den Song Domino könnt ihr gleich hier anhören. Es gibt auch wohl eine CD, die ich inzwischen verzweifelt suche. Das Konzert wurde damals im Radio übertragen. Die Bandaufnahmen eines Freundes ist leider nicht mehr hörbar und liegt als Erinnerungsstück bei mir im Musikkeller.

Update: Video File ohne Bild: Ab 16:34, die Denkwürdige deutsche Begrüßung.

Uwe Abel

 

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