Die Rechten sind mitten unter uns.

Das Ergebnis hat wohl viele erschüttert. Die Friedrich Ebert Stiftung hat eine Studie veröffentlicht. Politiker und Medien waren gleichermaßen entsetzt. Um die Studie runter zu laden hier klicken. Ich habe die ganze Studie noch nicht durch aber die Informationen die ich aus der Presse entnommen habe sind alarmierend. Es wurden 5.000 Personen ab 14 aus Ost und West befragt. Vielleicht gehört sogar mein oder Dein bester Freund, der Nachbar oder der Chef dazu. Das braune Denken ist überall. Wie ein Schimmelpilz hat er sich in den Fugen der Gesellschaft verteilt. Gehört der Rassismus inzwischen zum guten Ton des Mittelstandes?

Wie gesagt die Ergebnisse der Studie erschrecken und beschämen zugleich. Demnach stehen mehr als die Hälfte der deutschen dem Islam intolerant gegenüber. Fast zehn Prozent aller Westdeutschen haben eine antisemitische Einstellung. Der Aussage „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ stimmten 20 Prozent der Westdeutschen zu. Etwa 16 Prozent meinen sogar, „die Juden arbeiteten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks, um das zu erreichen, was sie wollen“. Im Osten überwiegen ausländerfeindliche Einstellungen. So stimmten 43,8 Prozent der Ostdeutschen der Aussage zu Ausländer kämen „nur nach Deutschland, um den Sozialstaat auszunutzen“. Gut 40 Prozent der Ostdeutschen sind der Meinung, die Bundesrepublik sei „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Gut 15 Prozent sehnen sich nach einem „Führer, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert, 26 Prozent nach einer einzigen Partei welche, „die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“.

Bei diesen Sätzen lief mir ein unangenehmer Schauer über den Rücken. Ich musst an die Zeit der Weimarer Republik denken, kurz bevor der österreichische Malergeselle an die Macht kam. Mir war aber klar, das dieses Thema schon lange präsent ist. Spätestens seit den Anschlägen am 09.11. ist eine steigende Isalmfeindlichkeit zu spüren. Die Schuld jetzt Sarrazin, Seehofer und Konsorten zu geben ist aber falsch. Nicht diese Herren haben das Monster der Fremdenfeindlichkeit losgelassen. Die Studie wurde schon vorher in Auftrag gegeben. Das Thema schwillt also schon eine ganze Weile unter der Oberfläche. Sarrazin hat anscheinend doch nur das ausgesprochen, was viel empfinden. Die Politik hat anscheinend versagt, es wurde zu wenig für die Integration getan. Das fängt bei der Schulbildung und dem Erlernen der Sprache an. Trotzdem jetzt nur einer Partei die Schuld zuzuweisen wäre fatal. Es müssen schleunigst Konzepte her, die das Thema Integration und Zuwanderung mit Verstand regeln. Dazu gehört auch, das man die Ängste der Menschen um ihre Existenz, ihre Werte und ihren Lebensstil ernst nimmt. Um den sozialen Frieden in Deutschland herzustellen müssen wir zu einer gemeinsamen Identität finden, so Christian Lindner von der FDP in einem Interview.

Ich denke da werden auch viele dran zweifeln und den Ausländern unterstellen, das sie das nicht wollen. Die Ängste werden sicherlich auch bei den ausländischen Bürgern vorhanden sein, die Integration damit gleichsetzen, das sie Ihre Religion oder Kultur aufgeben müssen. Interessant wäre ja auch mal eine ähnliche Umfrage bei unsern Bürgern mit Migrationshintergrund. Das sollte sich aber nicht nur auf den Islam beschränken. Ich fürchte fast das Ergebnis wäre ähnlich erschreckend und zeigt, das die Kluft noch viel größer ist

Nun mag ja jemand die Umfrage anzweifeln oder meinen, sie sei nicht repräsentativ. Das glaube ich nicht. Es handelt sich bei der Befragung um sogenannte Face to Face Interviews. Die Befragten konnten sich also nicht anonym hinter dem Telefon verstecken. Sie hatten ein höhere Hemmschwelle zu überwinden. Vielleicht ist alles noch schlimmer. Wollen wir hoffen, das nicht doch noch ein Rechtspopulist die Menschen für sich einnimmt. Bisher haben sich die rechten Parteien ja immer selbst disqualifiziert oder selbst zerfleischt. Das scheint aber nicht die Gefahr. Auch die Mitte oder Politiker der Volksparteien wie Sarrazin und Seehofer scheinen die Ängste der Deutschen zu schüren und für Ihre Zwecke zu missbrauchen.

Der Rechtsextremismus kommt nicht als schwarz oder braun gekleideter Skinhead mit Springerstiefeln durch die Vordertür sondern schleicht sich mit CDU Abzeichen oder sogar SPD Fähnchen von hinten leise heran. Hinterher will es wieder keiner gewusst haben.

Uwe Abel

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3 Kommentare zu „Die Rechten sind mitten unter uns.“

  1. Hi,

    ich schildere einfach mal mein Arbeitsumfeld:

    Standort: Maastricht, Niederlande
    Mitarbeiter über alles: ~650
    eigene Nationalität: deutsch
    Konfession: evangelisch Lutherisch

    Aus diesen 650 ist die Mehrheit niederländisch/belgisch gefolgt von einer großen Anzahl deutscher Mitbürger und Einwohner des UK aber danach wird es klein bunt und komisch.
    Und komisch ist hier durchaus positive zu bewerten (was haben wir gelacht)! Eine solche MultiCountryUmgebung führt zwangsläufig auch zu einer MultikultiUmgebung.
    Mein Tip – feiert mal einfach einen Abend lang mit jüdischen Polen oder mit muslimischen Kollegen aus Marokko! Danach habt ihr nicht nur einen Kater der von einem anderen Stern ist! (JA die Minderheit der Muslime nimmt es mit dem Alkohol SEHR genau 😉 ) sondern auch eine Menge neue Bekannte/Freunde und auf jeden Fall eine GÄNZLICH andere Sicht auf die sehr Klischee behangen Frage nach der Integration von Mitmenschen mit Migrationshintergrund!

    Jeder ist Ausländer – fast überall!

    Markus

    1. Jeder ist Ausländer – fast überall!
      Und Rassisten sind Arschlöcher – Überall.

      Danke für dein Kommentar. Das würde ich auch gern mal erleben. Obwohl die Partys mit meinen türkischen und iranischen Freunden waren auch immer voll fett.

      Uwe

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