Boote der Jugend

Zu jeder Zeit hatte die Jugend ihre eigene Vorstellung von Kultur und das ist auch gut so. Zu jeder Zeit lehnte sich die Jugend auch musikalisch gegen das Establishment auf. Damit verbunden: der Lebensstil, Kleidung und Aussehen. Die Altvorderen betrachteten die Jugend mit Misstrauen und Argwohn. Sie belegten die aufstrebende Jugend mit negativen Attributen.

So richtig bewusst wurde es vielen, als sie Elvis und den Rock n´Roll entdeckten. Also Halbstark wurden die Jugendlichen betitelt, weil sie ihren Idolen wie z.B. James Dean nacheiferten und sich so gaben und kleideten. So manch einer hatte zu Hause einen harten Kampf auszustehen.

Die so kritisierten Jugendlichen wurden irgendwann erwachsen und packten ihren Habitus in die Schublade der Erinnerung. Plötzlich waren sie der Otto-Normal-Verbraucher und spiessig. Sie waren es dann, die ihre Kinder ebenfalls kritisch betrachteten. Flower Power, Swinging Sixties und die psychedelische Szene hatten ebenfalls mit Vorurteilen zu kämpfen. Langhaarige Hippies, ungewaschen und faul. So ging das immer weiter und wird wohl auch ewig so weitergehen. Inzwischen ist die Popkultur der Jugendlichen vielseitiger geworden. Es gibt soviel verschieden Musikstile, die sich auch in der Lebensart und im Stil äußern. Wenn man schon überlegt wie viele unterschiedliche Stile im Metal Bereich existieren oder in der Rap und HipHop Szene. Manchmal bleiben die ehemaligen Rebellen ihren Stil auch treu, so sieht man schon mal den oder andern Alt-Punk mit wilder Frisur, oder Altrocker mit langer silberfarbener Matte.

Und ich? Ich habe ausprobiert was Spaß machte und irgendwann die schwarze Lederjacke mit dem Anarchiezeichen und den Exploited-Aufnäher entsorgt und den stachligen Igelschnitt glatt gekämmt. Trotzdem lege ich noch oft die alten Scheiben auf und denke an eine verrückte Zeit zurück.

Nun blicke ich auf meine Mädels, die gerade dabei sind ihre eigene kleine Revolution zu starten und wieder ist es ein fast neues Erlebnis. Das Thema heißt J-Rock, Manga, Cosplay usw. Zur Musik gehört natürlich auch ein passendes Outfit. Wenn es dann ums Cosplay geht wird’s richtig kreativ. Das ist aber nicht das Alltagsoutfit. Das ist noch relativ normal, finde ich. Mit der Musik habe ich auch kein Problem. Ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich beim Plunklock Konzert am liebsten mit gerockt hätte. Ich bin dann aber dabei geblieben die Mädels beim Headbangen zu beobachten.

Noch mal zum Thema Toleranz. Als Erziehungsberechtigter bin ich der Meinung, dass die Kids ihren Stil finden sollen und auch leben dürfen, solang er nicht der einzige Mittelpunkt des Lebens wird. Erschwert wird wohl aber, dass diejenigen, die von der vermeintlichen Norm abweichen, schon von der eigenen Altersgruppe diskriminiert werden. Vielleicht sind diese Jugendlichen auch von ihren Eltern geprägt. Auch das ist nichts Neues. Mangelhafte oder fehlende Toleranz, auch untereinander, gab es schon zu Zeiten der Mods und Teddyboys oder bei den Poppern, Punkern und Rockabillys. Folgende Zeilen der Puhdys aus dem 1980iger Album „Das Buch“ beschreiben das Thema genau. Also, vergesst nicht, das ihr auch alle mal im Boot der Jugend gesessen habt, bevor ihr selbst oder eure Kinder über Menschen herziehen, bloß weil sie ihren eigen Stil kreieren.

Es gibt manche Leute, die haben vergessen,

dass sie einst im Boot der Jugend gesessen,

 in dem sie fuhren gegen die Flut,

 mit Segeln aus Jeans und Rock ‘n’ Roll im Blut. 

 Heut’ liegen sie an Stegen der Intoleranz

 betrachten die Boote aus sicherer Distanz,

 und zeigen verächtlich mit Fingern auf sie,

 verkünden, die Jugend sei verdorben wie nie. 

 Noch vor ein paar Jahren,

 als sie selber jung waren,

 sie die Freiheit sich nahmen,

 anders zu sein.

 Doch das gleiche Recht räumen sie

 der Jugend von heute leider nicht ein. 

 Einst war’n sie Rebellen gegen Spießigkeit,

 sie sprengen die Normen Ihrer Zeit,

 sie hatten Ideale und auch manches Idol,

 und ihren Habitus machten sie zum Symbol. 

 Noch vor ein paar Jahren …

  Sie denken heut’ leider nicht mehr daran,

 daß sie Wellen schlugen im Ozean.

 gestrandet am Ufer, Kapitäne ade,

 die Boote der Jugend fahren weiter zur See.

Uwe Abel

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